Ein Bildbericht aus Baden-Württemberg
In diesem Heft geht es zwar um die Vergangenheit, aber wie viel spannender ist doch die Zukunft! Eine der aktuell drängendsten Fragen lautet vermutlich: Werden wir alle durch eine KI ersetzt? Und wie fühlt sich das an?
Gut, dass der neueste Bildungsplan Deutschlands, nämlich der Baden-Württembergische Orientierungsplan, uns schon einen Einblick ermöglicht. Auf seinen Abbildungen (anzuschauen unter www.wlp.ffb-bw.de) zeigt er, wie es wird, wenn echte Mini-Badener und Württembergerle durch KI-Kinder ersetzt werden. Nun wissen wir: So geht´s im künstlich intelligenten Kindergarten von morgen, kurz KI-ndi, zu!
Hier gibt es den Artikel auch als PDF: KI-ndi_#4_2025

Im KI-ndi der Zukunft sagt man ja zur Diversität! Alle Menschen, gleich welchen Geschlechts und welcher Ethnie, sind willkommen. Hauptsache, sie sind unter 25, lockig, in Erdtönen gekleidet und mega dekorativ. Aber auch ältere Erzieher*innen haben ihren Platz – nämlich da hinten vorm Putzraum, wo kein Kamera-Objektiv hinreicht.
Ich sehe viel besser aus als wie du! Im KI-ndi der Zukunft hört man den Satz nicht mehr. Alle Kinder tragen das Lieblingssohn-Einheitsgesicht und tolle Standardlocken. Für eine Prise Individualität sorgt das Recht, sie unter einer Teddyohrenmütze zu verbergen.
Julia Klöckner mit ihren innovativen Ideen im Kampf für moderne Familienformen ist im KI-ndi der Zukunft immer noch ein gern gesehener Gast. Hier erklärt sie alles, was KI-ndheitspädagoginnen über das Thema „Digitale Medien“ wissen müssen, und hat auch gleich ein wunderbares Präsent für das ganze Team dabei: ein nagelneues iPhone 1.
Im KI-ndi der Zukunft geht´s aktiv zu, von früh bis spät. Einer der wichtigsten Tagesmomente ist die Aufziehzeit, in der die unsichtbaren, am Rücken der Kinder angebrachten Aufziehfedern gespannt werden, wonach die Kinder sich wie Roboter im Gleichtakt in Bewegung setzen. 
Im KI-ndi der Zukunft bekommen Kinder den Raum und die Zeit, die sie für ihre Entwicklung brauchen. Dieser Knabe braucht zum Beispiel den Gruppenraum der sechziger Jahre, schön mit Prilblumen-Deko. Den sollen er und sein plüschiger Ko-Konstrukteur Moppi natürlich auch haben.
Erzieherinnen sind Kaffeetanten? Das denkt im KI–ndi der Zukunft angesichts engagierter junger Frauen wie KI-mberley und KI-rsten niemand mehr! Höchstens du – und das liegt an deinen Vorurteilen. Oder siehst du hier irgendwo Kaffeetassen?


Unbelegte Plätze? Im KI-ndi der Zukunft gibt’s sowas nicht. Das liegt an Erziehern wie unserem KI-anu Schäufele aus Dimpfeldingen, der selbst Hand… ähem… angelegt hatte, um die neue Generation Gruppenkinder zu erzeugen. Hier sieht man ihn übrigens beim gemeinsamen Vernichten der verräterischen DNA-Testsequenzen, aus denen die Kinder Papier-Blumenkohl kneten.
„Bei Bauvorhaben wie diesen Türmen steht nicht das Ergebnis im Mittelpunkt, sondern…“, erklärt die Leiterin, „… die Bauwerke dienen uns als Inspiration, um eine der größten Aufgaben unserer Generation zu lösen, nämlich: Spiegel-Selfies für TikTok anfertigen.“
Trotz der erfreulichen Zunahme des Männeranteils spielen Frauen auch im KI-ndi der Zukunft eine nicht wegzudenkende Rolle. Egal, wie zurückhaltend sie agieren – hier Erzieherin KI-rstin, die aus Angst vor einer Spielzeugallergie Bausteine nur mit Schutztuch anfasst –, optisch sind sie immer noch eine Bereicherung. Erst recht in Schürzchen!
Ein guter KI-ndi der Zukunft prägt seine Kinder fürs ganze Leben. Unvergesslich wird für KI-m, 1, wohl der Tag bleiben, an dem Erzieherin KI-ra ihn mit der Behauptung foppte, seine vier Lieblingskuscheltiere hätten sich während seines Mittagschlafs über seinem Bettchen aufgeknüpft.


Im KI-ndi der Zukunft arbeitet man nach dem Konzept der vorurteilsbewussten Bildung. Genau deshalb wird das Thema „Leseförderung“ mit einer herrlich tapsigen Brillenträgerin illustriert.
Zwar lebt der KI–ndi der Zukunft das Konzept der vorurteilsbewussten Bildung. Aber trotzdem darf man ja wohl noch feststellen: Beim Thema „Trommeln“ gehen die Kinder mit diesem südlichen Migrationshintergrund immer viel mehr ab als unsere Mini-Kartoffeln. Sorry, wird das jetzt genauso gedruckt? 
Mit manchen Kindern entwickeln die Fachkräfte im KI-ndi der Zukunft besondere Beziehungen. Sie tragen die gleichen Pullis, Jeans und Frisuren. Die Bausteine tasten sie auf die gleiche Art nur ganz leicht an und schauen dabei entrückt aneinander vorbei. Herzchen-Emoji!

Im KI-ndi der Zukunft arbeitet man kultursensibel. Das heißt: Die Herkünfte der Kinder werden aktiv einbezogen. Zum Beispiel werden Kinder mit asiatischem Aussehen mittels Speisekarten angeregt, über das Essen in ihrer Heimat zu berichten. Egal ob Pho, Nasigoreng oder Dürüm – Hauptsache, japanisch!
S`isch halt Brauch im Ländle:
Mülltrennung ist oberstes Bildungsziel im KI-ndi der Zukunft. Kein Kind ist schul- beziehungsweise ländlefähig, bevor es nicht mit dem seligen Lächeln eines echten südwestdeutschen Mülltrenners jeden Reststoff der passenden Tonne zuordnen kann.

Auch der KI-ndi der Zukunft kommt am Trend-Thema „true crime“ nicht vorbei. Zum Beispiel im Rollenspiel: „Ich sage es dir jetzt auf den Kopf zu:
Du hast den Keks aus der Dose geklaut! Leugnen ist zwecklos. Heulen erst recht.“
Beobachtung ist im KI-ndi der Zukunft Action pur! Mal ernsthaft: Gibt’s was Geileres, als chillig im Stühlchen zu sitzen und Kindern bei ihren random-Ritterspielen zuzuschauen, um dann im Beobachtungsbogen zu notieren: maximale Engagiertheit.
Auch im KI-ndi der Zukunft leben Kinder Gewalt aus, aber auf eine unendlich zarte Weise. Mit Antischwerkrafttüchern ist es schmerzlos möglich, bis zum Rausch aufeinander einzuprügeln.

Im KI-ndi der Zukunft darf jeder essen, was er am liebsten mag. Erzieherin KI-ra zum Beispiel liebt Pancakes über alles. Ein wunderbarer Bildungsmoment für die Kinder, die lernen, dass man eigene Bedürfnisse der KI-ndheitspädagogin zuliebe auch mal zurückstellen und stattdessen in steinhartes Obst beißen kann.

Auch im KI-ndi der Zukunft gehören Spiritualität und übersinnliche Kräfte zum Alltag.
Hier versuchen drei Kinder, einen schweren Gruppentisch nur mit der Kraft ihrer Gedanken schweben zu lassen. Klappt sehr gut – aber bitte festhalten, damit das Ding nicht gegen die Lampe kracht.
Im KI-ndi der Zukunft sagt man ja zur Integration! Jeder hat seinen Platz: KI-lian, der noch nicht weiß, dass eine Schaukel ohne Schwung nicht funktioniert. KI-m mit dem Sauberkeitsfimmel, der sich nie ohne Isomatte in den Sand legen würde. Und KI-ara, die weiß, dass man selbst mit dem Rollator Spaß im Garten hat, wenn man den Weg nicht verlässt.


Ist ein Kind übergewichtig? Das ermittelt man im KI-ndi der Zukunft mit einem ganz einfachen Trick: Das Kind muss sich auf die kurze Seite einer Wippe setzen. Senkt sie sich entgegen der Physik nach unten, während ein anderes Kind auf der langen Seite sitzt, ist klar: Zu schwer, Ernährungsberatung nötig.
Selbstverständlich gibt es auch im KI-ndi der Zukunft Konflikte. Zum Beispiel unter den Geschwistern KI-an und KI-ko, die sich den ganzen Tag darüber streiten können, welches der beiden roten Fahrzeuge nun ihres ist. Erzieherin KI-ra mischt sich nicht ein, sondern bittet die Brüder lediglich, eine Lösung zu finden, bevor alle steife Beine haben.

Trotz all der Genderei gilt im KI-ndi der Zukunft eine goldene beziehungsweise silberne oder metallicblaue Regel: Echte Jungs wollen Ritter sein, die wunderschöne Prinzessinnen in Glitzerkleidern erobern.
Im KI-ndi der Zukunft gehören Experimente dazu.
Dabei gilt jedoch: Ein übelriechender, von Ameisen besetzter hölzerner Riesenpenis mag zwar spektakulär aussehen, ist aber kein Grund, darüber so albern zu lachen wie diese beiden Kinder.

Auch im KI-ndi der Zukunft sorgt das Dosentelefon für Tüftlerspaß. Während Experten bisher behaupteten, man müsse in die offene Dosenseite sprechen und die Verbindungschnur spannen, beweisen diese Kinder das Gegenteil: Man kann auch in die geschlossene Dosenseite sprechen und die Dose wie einen Telefonhörer ans Ohr halten – man versteht trotzdem jedes Wort. Vorausgesetzt, man steht direkt nebeneinander.
Matsch ist ein wunderbar sinnliches Erlebnis. Aber warum muss er immer so matschig sein? Im KI-ndi der Zukunft gibt es neuartigen Fake-Matsch, der keinerlei Flecken an der Bekleidung hinterlässt. Derzeit erproben Forscher, die an der wiederverwendbaren Einwegwindel tüfteln, ob und wie sich das Material auch als KI-nderkacke einsetzen lässt.

Text: Anke Filmich










Vorheriger Artikel
Nächster Artikel