Pädagogik aufräumen:
Pädagogik lebt von Ritualen, heißt es. Erzieher, Lehrer und *innen machen alles Mögliche, weil es nun mal derzeit üblich oder sogar vorgeschrieben ist. Egal, ob es Sinn hat oder nicht. Sinnvoll ist es aber auf jeden Fall, ab und zu auszumisten. Deswegen stellt diese Rubrik pädagogische Gewohnheiten aufs Tapet und fragt ganz ergebnisoffen: Ist das pädagogische Kunst oder kann das weg?
Hier gibt es das Allerletzte sogar als PDF, mit den Terminen: Das Allerletzte_#5_2025
„Den Eltern zuliebe…“
„Ich habe in der Werkstatt alle Hämmer weggeräumt, um Stress mit den Eltern zu vermeiden“, erzählt die Erzieherin im Seminar. Im Garten der baumreichen Vorortkita sind Stöcke tabu, befürchten doch Eltern Rohheitsdelikte. Im Bildungsbürgerkiez weicht die Freispielzeit einem Yoga-Kurs, denn: „Die Eltern wollen das so…“
Zeugt es von kooperativer Elternarbeit, solcherart Wünsche von Müttern und Vätern umzusetzen? Nein, eher von Selbstaufgabe. Erzieherinnen wissen eigentlich ganz genau, dass Hämmer zum Werken nützlich sind und diesbezügliche Regeln beachtet werden, dass Kinder Freispiel mehr als Yoga brauchen und dass Stöcke kreatives Baumaterial sind. Verzichten Erzieherinnen darauf, sich mit ihrer Überzeugung durchzusetzen, gefährden sie erstens ihren Ruf als Profis. Zweitens schaden sie allen Beteiligten: Die Kinder müssen statt Hämmern und Spielen herabschauende Hunde markieren. Und die Eltern werden um ihr Recht gebracht, allseits gebildete und in Risiken geschulte Kinder zu haben. Sie werden darum gebracht, erklärt zu bekommen, warum es für ihre Kinder wichtig ist, solche Dinge zu tun, und wie gut man als Fachkraft Sicherheit und Bildung unter einen Hut bringen kann.
Eltern haben das Recht, dass ihnen Erzieherinnen selbstbewusst vermitteln: „Wir haben gute Gründe für unser Tun und verzichten nicht darauf. Auch Ihnen zuliebe!“
Foto: getty-images, unsplash

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel