An sich
Sei dennoch unverzagt. Gib dennoch unverloren.
Weich keinem Glücke nicht. Steh ’ höher als der Neid.
Vergnüge dich an dir, und acht es für kein Leid,
hat sich gleich wider dich Glück ’, Ort, und Zeit verschworen.
Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren.
Nimm dein Verhängnis an. Laß ’ alles unbereut.
Tu, was getan muß sein, und eh man dir ’s gebeut.
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.
Was klagt, was lobt man doch? Sein Unglück und sein Glücke
ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an.
Dies alles ist in dir. Laß deinen eiteln Wahn.
Und eh du förder gehst, so geh ’ in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist, und sich beherrschen kann,
dem ist die weite Welt und alles untertan.
Kein Heft ohne Gedicht. Ausgesucht hat es Marie Sander. Sie fand es in: Der EWIGE BRUNNEN. Deutsche Gedichte aus zwölf Jahrhunderten. Gesammelt und herausgegeben von Dirk von Petersdorff.
C. H. Beck 2023, S. 677
Foto: Andrii Leonov