Darf es in der Kita Verstecke für Kinder geben?

Marie Sander, Erzieherin und Leiterin der Kita St. Thomas in Berlin-Kreuzberg:

Hier gibt es die Gute Frage als PDF: Kita Verstecke_#1_2026

Natürlich muss es in Kitas Versteckmöglichkeiten für Kinder geben, weil Kinder Orte brauchen, an die sie sich zurückziehen können, an denen sie nicht gleich gesehen werden, Höhlen bauen oder Geheimnisse austauschen können. Viel interessanter finde ich die Frage, ob Kinder sich in der Kita verstecken dürfen. Die hört sich zwar ganz ähnlich an, meint aber etwas anderes.

Wir haben Kinder, die sich verstecken, wenn sie Lust dazu haben oder wenn sie verärgert sind. Manchmal sind das Kinder, um die wir uns Sorgen machen. Ist eins von ihnen nicht zu sehen, fragt sofort jemand: „Wo ist denn Paula?“ Da steigt bei uns gleich der Puls, jemand rennt los und sucht die ganze Kita ab, weil es sein kann, dass Paula weggelaufen ist oder sich was getan hat.

Die Frage, ob sich Kinder verstecken dürfen, kann ich also nicht klar mit ja beantworten. Natürlich dürfen sie Verstecken spielen, dürfen Orte haben, an denen sie sich verstecken können. Aber ich würde nie erlauben, dass sie das bei uns jederzeit machen können, denn ich muss ja darauf vertrauen, dass sie sichtbar sind. Trotzdem muss und kann ich nicht immer alle Kinder in Blick haben. Das ist nicht notwendig, und die Aufsichtspflicht erfordert es auch nicht. Alle wissen das zwar, aber häufig streiten die Geister darüber und fordern: Es muss immer jemand von den Erwachsenen im Raum sein.

Wenn Kinder sich vor uns verstecken, ob aus Spaß oder weil sie sauer sind, dann kriegen wir Herzrasen. Deshalb würde ich das nie erlauben – außer im Spiel. Verstecken gespielt habe ich mit den Kindern schon oft, und sie haben mich immer gefunden.

 

Foto: Maksym Kaharlytskyi, unsplash

Marie Sander ist Leiterin der St.-Thomas-Kita in Berlin-Kreuzberg.

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