Pädagogik aufräumen:
Pädagogik lebt von Ritualen, heißt es. Erzieher, Lehrer und *innen machen alles Mögliche, weil es nun mal derzeit üblich oder sogar vorgeschrieben ist. Egal, ob es Sinn hat oder nicht. Sinnvoll ist es aber auf jeden Fall, ab und zu auszumisten. Deswegen stellt diese Rubrik pädagogische Gewohnheiten aufs Tapet und fragt ganz ergebnisoffen: Ist das pädagogische Kunst oder kann das weg?
Hier gibt es das Allerletzte nebst Ausstellungsterminen als PDF: Pädagogik aufräumen_#1_2026

„Heute ist Donnerstag. Wer weiß, was das heißt? Richtig, Florentine, heute ist Musikkurs. Beeilt euch, damit ihr pünktlich mit Manuela anfangen könnt, und danach geht’s ohne Freispiel zum Mittagessen.“
Ist das übertrieben? Vielleicht, aber der Musik- oder Yogakurs gehört in vielen Kindergärten nicht nur zum Alltag, sondern dominiert ihn manchmal auch. Eingerichtet werden die Kurse meist auf Wunsch der Eltern, und Erzieherinnen mögen denken: Wir müssen sie ja nicht bezahlen, jemand nimmt uns Arbeit ab, und auf der Homepage machen sich die Angebote auch ganz gut.
Passiert denn beim Musikkurs etwas, das Erzieherinnen nie anbieten könnten? Nicht unbedingt. Sind die Kursleiterinnen besser für das Arbeiten mit der Gruppe geeignet als die Erzieherinnen? Oft ist es eher andersherum. Gehören Musik-Machen, Malen oder Entspannungsübungen nicht ohnehin zum Bildungsauftrag des Kindergartens? Eigentlich schon.
Was würde sich ändern, wenn Erzieherinnen den Kurs übernehmen? Vielleicht eine ganze Menge: Das Musikangebot würde besser zum aktuellen Projektthema der Kinder passen. Weil deren Bindung zur Erzieherin intensiver ist als zur Kursleiterin, nehmen sie mehr von den Inhalten auf. Der Gruppen-Alltag wäre nicht so fragmentiert, und es wäre leichter, die Musikstunde mal zu verschieben oder zu kürzen, weil Spielen gerade wichtiger ist. Und es könnte sein, dass die Eltern wahrnehmen: Diese Erzieherinnen haben wirklich fachlich jede Menge drauf – sogar in punkto Musik, Yoga, Fremdsprache oder Ballett.
Statt Musikkurs ginge auch Yogakurs. Oder Malkurs. Oder Tanzkurs.
Foto: getty images, unsplash
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