Unteilbare Kinderrechte

Jedes Kind hat das Recht auf eine Kindheit. Das garantiert die UN-Konvention über die Rechte des Kindes, die am 20. November 1989 verabschiedet und von
195 Staaten ratifiziert wurde, auch von der Bundesrepublik Deutschland. Obwohl inzwischen viel erreicht wurde, bleibt mehr noch zu tun, auch in Deutschland.

Dies bewog die Mitglieder des Berliner Bündnisses „Willkommen KONKRET“, anlässlich des Jubiläums mit einer eher ungewöhnlichen Aktion darauf aufmerksam zu machen, dass die Kinderrechte unteilbar sind.

Der Plan

Da das Bündnis „Willkommen KONKRET“ sich vor allem für Kinder geflüchteter Familien einsetzt, stand fest, dass diese Kinder im Mittelpunkt einer Aktion stehen sollten, die die Öffentlichkeit über ihre Lage informieren und für ihre Belange sensibilisieren sollte. Doch welche Art von Aktion würde ihnen Aufmerksamkeit sichern, sie in ihrer Individualität und Persönlichkeit sichtbar machen? Wodurch könnte darauf aufmerksam gemacht werden, wie unterirdisch die Situation mancher Kinder ist, wie sehr sie auf ein Ankommen in dieser Gesellschaft und auf ihr Recht auf Bildung und Beteiligung warten?

Mit Puppen zu arbeiten, die quasi endlos unterwegs sein können, war eine verlockende Idee. Mitglieder des Bündnisses könnten die Puppen inkognito begleiten und beobachten, wie Menschen auf die „Kinder“ reagieren. In den Arbeitstreffen des Bündnisses entstand bald ein Text, der die Anliegen der Aktion zusammenfasst:

 

Die Umsetzung

Mit dem Text >Ankommen< wurden Ende August dieses Jahres vier Puppen ausgestattet, Kinder aus Pappe. Sie hießen Maria, Ali, Ayşe und Junis. Jede Puppe bekam zusätzlich ihre Kurzbiografie umgehängt:

 

 

 

 

 

Die Aktion

Mit diesen Puppen machten sich vier Frauen aus dem Bündnis und eine Fotografin auf den Weg in die Öffentlichkeit. Das heißt: Sie bestiegen U- und S-Bahnen am Wochenende und an einem Arbeitstag, fuhren quer durch die Stadt, setzten die Pappkinder auf leere Plätze und beobachteten, was geschah. Hier einige Zitate:

• „Wir fuhren mit der U5 von Frankfurter Allee zum Alexanderplatz, hatten uns in zwei Gruppen geteilt und sahen: Eine Frau mittleren Alters guckte sich die Puppen an und schien den Text aufmerksam zu lesen. Dabei zeigte sie ein bewegtes Mienenspiel.“

• „Im Abteil gegenüber saßen zwei Kinder und ein Vater. Die Kinder waren irritiert und fragten sofort nach. Ihr Vater las den Text, sagte: ‚Da geht es um die Kinderrechte ‘ und erklärte, dass sie für alle Kinder auf der ganzen Welt gelten müssen. Dann kamen drei Hipster, die auch sofort guckten und lasen. Aber ich war schon zu weit weg, um zu verstehen, was sie sagten.“

• „Ich hatte ein Paar neben mir. Die Frau beugte sich zu den Puppen vor, als ob sie etwas in einem Schaufenster betrachten möchte, und sagte zu dem Mann: ‚Guck mal!‘ Aber der Mann, einer mit Schlips und Kragen, wehrte mürrisch ab. Da fuhr die Frau ihr Interesse runter, versuchte noch ein bisschen, den Text zu entziffern, und ließ es dann. In dem Moment kam eine von uns rein, setzte sich wie ein Fahrgast neben die Puppen und las die Texte. Dadurch wurde der Typ mit dem Hund neugierig, der gerade eingestiegen war, und las den Text auch.“

• „Ein älteres Paar saß eine Bank entfernt. Plötzlich stand der Mann auf, ging zu den Puppen, guckte sich den Text kurz an, kehrte zu der Frau zurück und sagte: ‚Ist wegen Kinderrechte für alle.‘ ‚Ach so, na dann…‘, sagte die Frau.“

• „Ein junger Mann hielt sich an der Stange fest und schaute verstohlen nach den Puppen, aber las – so unter dem Arm weg – die Texte genau. In der Nähe saßen zwei arabisch sprechende Männer. Einer war interessiert, guckte immer mal zu den Puppen, aber der andere redete auf ihn ein und lenkte ihn ab.“

• „In den Waggon stiegen zwei arabische Frauen mit ihren Söhnen. Der ältere Junge las sich den Text komplett durch. Ich setzte mich ihm gegenüber und fragte ihn: ‚Was steht denn da?‘ Er sagte: ‚Da steht was über die Kinderrechte.‘ Ich nahm die Puppe, damit sie auffällt, und sagte: ‚Das will ich auch mal lesen.‘ Kurz darauf stieg eine Familie ein, die einen Fahrradanhänger dabei hatte und sichtlich von einem Ausflug kam. Ein etwa zwölfjähriges Mädchen holte sich einen von den Zetteln, die an den Puppen befestigt waren, und sprach mit den Eltern darüber. Dann kam ein Junge, vielleicht acht Jahre alt, und sagte: ‚Die sind echt gut gemalt, sehen ganz lebendig aus.‘ Ich sagte: ‚Ich finde sie auch schön. Guck mal, die haben Zettel dabei. Du kannst dir einen rausnehmen.‘ ‚Hat meine Kusine schon gemacht ‘, sagte er. Ich kapierte, dass er auch zu der Familie gehört, und fragte: ‚Hat deine Kusine gesagt, worum es geht?‘ ‚Ja ‘, sagte er, ‚um die Kinderrechte.‘ ‚Hast du schon mal was davon gehört?‘ fragte ich. ‚Ja‚ in der Schule. Und heute waren wir auf einem Fest, auf dem es um die Kinderrechte ging.‘ Er fand es total blöd, dass es obdachlose Kinder gibt. ‚Willst du etwa ohne Wohnung sein?‘ fragte er mich. Von dem Fest hatte er noch einen Satz im Kopf, den er jetzt wie einen Aufruf wiederholte: ‚Wohnungen für Obdachlose!‘ Dann saß ich den Puppen wieder allein gegenüber. Da kamen zwei jungen Frauen mit Rucksäcken. Ich sagte: ‚Ihr könnt euch hinsetzen, ich steige sowieso gleich aus.‘ Also stand ich auf. Sie saßen den Puppen nun frontal gegenüber, nahmen sich Zettel, lasen und freuten sich. Ich kam mir komisch vor, als ich die Puppen später griff und mit ihnen ausstieg.“

• „Mehrere Leute stiegen ein, sahen die Puppen und diskutierten, ob sie sich da hinsetzen sollten. Ein Mann schob die eine Puppe so auf die andere, dass man den Text nicht mehr sehen konnte. Ein weiterer Mann, der sichtlich auch zu den Leuten gehörte, sagte zu dem neben den Puppen sitzenden Mann: ‚Na, haste ´nen neuen Kumpel?‘

• „Ich setzte mich dem Junis gegenüber. Da kam ein junger, spanisch sprechender Mann, betrachtete die Puppe, lächelte ihr zu, schob sie zart etwas beiseite und setze sich neben sie. Der Mann, der neben mir saß, sagte zu mir: ‚Die sehen sich ähnlich.‘ Ich: ‚Vielleicht sah der junge Mann so aus, als er klein war.‘ Später kam eine Frau mit einem Mädchen, das ich auf sechs, sieben Jahre schätzte. Intensiv beschäftigte es sich mit der Puppe. Die Mutter las den Text, erklärte ihrem Kind, worum es geht, und sagte: ‚Ja, die Kinder dürfen alles so haben wie du.‘ ‚Auch Schuhe?‘ wollte das Mädchen wissen und streichelte die Puppe. ‚Ja ‘, sagte die Mutter. Ein alter Mann setzte sich neben das Mädchen und fragte: ‚Hast du den gebastelt? Wer ist denn das?‘ Weil die Mutter zuvor die biografischen Daten der Puppe vorgelesen hatte, sagte das Mädchen: ‚Das ist Junis. Gibt’s den wirklich?‘ fragte es die Mutter. ‚Vielleicht ‘, sagte sie. Als der alte Mann ausstieg, setzten Mutter und Tochter sich links und rechts neben Junis und machten ein Spiel: einander auf die Nase tupfen. Junis bekam auch immer einen Tupfer ab und erwachte förmlich zum Leben. Irgendwann standen die beiden auf, und das Mädchen sagte: ‚Tschüss, Junis!‘ Vorher hatte die Mutter Junis fotografiert und versprach, zu Hause auf der angegebenen Web-Seite zu gucken, wer die Puppe gemacht hat. All das weckte natürlich Aufmerksamkeit im Umfeld. Die Leute guckten, nahmen Anteil und lasen den Text.“

• „Der junge Mann neben der Puppe beugte sich eine Zeitlang weit vor, weil er den Text las. Dann kam eine Frau mit Kopftuch und beanspruchte den Platz, auf dem die Puppe saß, denn die U-Bahn war voll. Sie guckte mich so auffordernd an, dass ich die Puppe auf den Schoß nahm.“

• „Schließlich gingen wir in ein Café auf dem Alexanderplatz und setzen zwei Puppen an den Nebentisch. Niemand interessierte sich für sie. Nur die Serviererin schaute hin, als sie den Tisch abräumte, und fragte uns, ob die Puppen uns gehören. Wir boten ihr das Info-Blatt mit dem Text an, sie nahm es und bedankte sich. Als wir fragten, ob wir die Puppen wegräumen sollen, sagte sie: „Nein, nein. Das ist in Ordnung.“

Fazit

Mit so viel Interesse für die Aktion hatten die fünf Frauen nicht gerechnet. Sie hatten sich vielmehr auf Desinteresse oder gar böse Blicke vorbereitet, denn es könnte ja wie eine Provokation wirken, wenn Pappkinder begehrte Sitzplätze besetzen – selbst wenn sie für die Unteilbarkeit der Kinderrechte werben. Doch solche Blicke trafen weder die Frauen noch die Puppen.

Beeindruckend war, wie unmittelbar und neugierig Kinder auf die Puppen reagierten, während Erwachsene eher verstohlen versuchten, sich sachkundig zu machen. Auf Kinder schienen die Puppen lebendig und ebenbürtig zu wirken.

Was könnte man vor einer Wiederholung der Aktion verbessern? Vielleicht den Text größer machen? Für anderssprachige Menschen einen QR-Code angeben? Sich auf das Wochenende konzentrieren, weil die Aktion am Sonntag erfolgreicher war?

Eines ist sicher: Es wird nicht der letzte Ausflug von Maria, Ali, Ayşe und Junis gewesen sein. Ohnehin sind sie seither unterwegs, sitzen zum Beispiel unermüdlich und freundlich in Seminaren oder anderen Veranstaltungen und werben dafür, in unserer Mitte ankommen zu dürfen.

Idee und Figuren: Dorothee Jacobs

Text: Erika Berthold

Fotos: Lena Grüber

Kinder brauchen Maschinen!

Meine persönliche Lieblingsforderung an die Welt: Jedes Kind sollte einmal eine richtig große Maschine bauen. Mit vielen anderen Kindern, die viele andere Vorstellungen haben, wie das Ding aussehen soll. Mit genug Materialien, um tagelang weiterbauen zu können. Mit Erwachsenen, die so vertieft dabei sind, dass sie als Helfer manchmal unbrauchbar sind. Mit Pädagogen, die nicht…

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Die Blindschleiche

„Schau mal, Siegunde, was ich hier habe!“ ruft Emil und kommt, mit einer Ziplock-Tüte wedelnd, auf die Erzieherin Siegunde zu. „Na, da bin ich mal gespannt“, sagt Siegunde und schaut neugierig auf die Tüte. „Da ist eine Blindschleiche drin“, erklärt Emil. „Eine lebende oder eine tote?“ fragt Siegunde. „Eine tote! Eine lebende könnte doch nicht…

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Im Klangschloss: Wenn der König komponiert

Klangerforschung mit Kindern „Alle Bewohner des Schlosses müssen dem König dienen.“ Zu dieser Erkenntnis kamen 13 Schüler*innen aus der 4. Klasse der Peckwisch-Grundschule in Berlin-Reinickendorf. Damit meinten sie nicht nur das Personal. Einen König wie Friedrich Wilhelm I. umgaben im Berliner Schloss des 18. Jahrhunderts selbstverständlich Scharen von Bediensteten, die für warme Kachelöfen, leuchtende Kandelaber,…

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Das Pädiko- Medienatelier

Digitale Kompetenz als eine von 100 Sprachen Unsere Kita „Colorito“ des Vereins Pädiko e. V. liegt zentral in der Kieler Innenstadt. Auf einem Hinterhof gelegen bieten wir Erfahrungsräume für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren. Wesentliche Impulse für unsere Arbeit gibt uns die Reggio-Pädagogik. Wir verstehen sie als eine „Pädagogik des Werdens“. Das…

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Das ist auch unsere Baustelle!

Anlass und Idee

Sumpf, Dominikanerkloster, Berliner Schloss, Aufmarsch­platz, Palast der Republik, Zwischennutzung, Kulturbaustelle, Wiese – an kaum einem anderen Ort in Berlin haben sich in den letzten 800 Jahren gesellschaftliche, städtebauliche, politische und kulturelle Entwicklungen so verdichtet wie auf dem heutigen Schlossplatz.

Mit dem Humboldt Forum beginnt ein weiteres Kapitel. Der Bauprozess des Humboldt Forums im Herzen Berlins ist in der Geschichte des Ortes ein Moment. Ein Moment mit offenem und durchaus nachhaltigem Fortgang. „Daher ist es zwingend“, so die Kuratorinnen Barbara Falkner und Petra Larass, „dass die zukünftigen Nutzer dieses Gebäudes, die Kinder und Entscheidungsträger der Zukunft, Stimme und Raum erhalten: Was bedeutet dieser Ort für mich? Was sollte er in Zukunft leisten? Es lohnt sich genau hinzuschauen und offen in diese Dialoge zu gehen. Wir wünschen uns das Humboldt Forum als einen Ort, der immer wieder von kreativen Dialogen im vielstimmigen Miteinander erobert werden darf!“

Wie genau das gelingen kann (und verstetigt werden sollte!!! – Die Redaktion), zeigt das folgende Großprojekt: Die Riesenbaustelle, wo einst ein Schloss, später ein Palast stand, ist Anlass für 176 Kinder aus acht Berliner Schulen die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ortes zu erforschen. Gemeinsam mit 29 Künstlerinnen und Künstlern und unterstützt von Expertinnen und Experten. Ausgangspunkt sind Fragen aus der Lebens-und Erfahrungswelt der Kinder.

In mehrmonatigen Projekten entstehen eine Fülle spielerischer Auseinandersetzungen, u. a. die zum Entdecken und Weiterspielen verlockende Ausstellung: Das ist auch unsere Baustelle!* Sie eröffnet Einblicke in das komplexe Geschehen vor Ort, lädt ein, ­unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen und dabei eigene Spuren zu hinterlassen.

Zahlreiche Fragen und Antworten aus den offenen Forschungsprozessen von Kindern, Künstlerinnen, Künstlern, Expertinnen und Experten finden sich in acht phantastischen Erlebnisräumen der Ausstellung wieder:

 

1

Tanzfassade

„Am ersten Tag habe ich eine Statue nachgestellt. Am zweiten Tag haben wir uns verkleidet und am dritten Tag haben wir große Papiere bekommen und unsere Bilder raufgeklebt. Toll, dass wir uns verkleiden durften.“

„Wir machen die Welt bunt und gestalten unseren eigenen Palast, unser eigenes Schloss. Die Fassaden der Fantasie-Gebäude reagieren auf mich und ich tauche ein, mache mit, bewege mich, hüpfe, springe. Mit spezieller Technik haben wir die Collagen der Kinder lebendig werden lassen. Sie erfuhren, welche Möglichkeiten das kreative Programmieren bietet und wie man sich auf diese Weise spielerisch die Welt erobern kann. Aus einer Sprache der Kinder wurde eine fantasievolle Sprache der Zukunft, die hoffentlich auch ihren Platz im Humboldt-Forum finden wird.“

 

2

Zeitmaschine

„Uns hat an diesem Projekt sehr gut gefallen, dass wir die Kisten und Maschine selbst gestalten durften. Wir haben viel gebastelt, gemalt, gebaut und viele Ausflüge gemacht…“

„Zu Beginn lagen knapp 900 Jahre Stadtgeschichte vor uns! Wie konnten wir einen Ort mit so vielen Geschichten und Veränderungen nachvollziehen?

Und dann war es ganz einfach: Neugier und Forscherdrang führten die Kinder zu 16 für sie wichtigen Ereignissen. Mit dem Berliner Stadtschloss und dem Palast der Republik lernten wir unterschiedliche politische Systeme kennen und entwickelten interaktive Stadtpläne. Am Ende entwarfen wir diese Maschine, um Einblicke in einzelne Geschichten zu geben und unsere Begeisterung beim Entdecken spannender historischer Ereignisse mit allen zu teilen.“

 

3

Stadt der Paläste

„Ich fand es ganz toll, dass wir aus diesem Papier Räume gemacht haben, für uns selbst, aber auch für andere.“

„Wenn ich in einem Schloss leben würde wie Humboldt, fänd’ ich es ein bisschen eng.“

„Mir hat gefallen, dass wir ein Haus gebaut und uns verbunden haben.“

„Was ist ein Palast? Wer wohnt da? Wie fühlt es sich an, Königin oder König zu sein? Und ein Palast, der für alle da ist? Warum sieht jede/r von uns andere Räume, wenn es still wird, die Augen geschlossen sind und wir uns vorstellen, eine Tür öffnet sich: ‚Tadaa’. Jede/r von uns hat besondere Qualitäten, im Inneren einen eigenen Palast. In unserer Projektwoche haben wir gemeinsam eine Welt geschaffen, in der wir alle mit unseren Stärken verbunden sind, einen sicheren Platz haben und aus diesem guten Gefühl heraus Verbindungen mit anderen eingehen. Wir laden Dich herzlich ein in unsere Stadt der Paläste!“

 

4

Baustellensymphonie

„Ein Sumpf. Tausend Mücken. Ein Schloss mit König. Auf die Zerstörung folgt eine Wiese. Danach ein Palast. Für das Volk. Abriss. Hier lebt nur ein Fuchs. Dann: eine Riesenbaustelle und wir.

Eine alte Kamera, ein Projektor, Aufnahmegeräte. Denn unser Film ist stumm. Nur der Projektor surrt und schnurrt. Wir sammeln Töne.

Wie klingt die Baustelle? Wie klang der Sumpf? Und die Pferdehufe vor dem Barockschloss? Das Klopfen der Bildhauer, damals und heute. Eine Sinfonie. Unsere Sinfonie!“

„Ein Kloster, ein Schloss, eine Ruine, ein Palast, eine Ruine, eine Wiese, ein Schloss. Ein Ort inmitten der Stadt. Eine Baustelle wird zum Instrument. Mit einer 16 mm-Filmkamera näherten wir uns der Baustelle. Ein Stummfilm entstand, inspiriert vom bekannten Film: Berlin – Die Sinfonie der Großstadt.

Anschließend wurden mit Aufnahmegeräten Klänge gesammelt und Musik komponiert. Die Kinder experimentierten mit den Klängen des Alltags und mit Musikinstrumenten. Filmmaterial trifft auf wechselnde Klanglandschaften, immer neue Bilder entstehen.“

 

5

Kosmos

Am Anfang des Projekts habe ich mich gefragt, warum man im Museum nur alte Dinge ausstellt. Jetzt habe ich eine Antwort darauf: damit man sehen kann, was es früher alles gab. Ich habe heute im Märkischen Museum zum Beispiel gelernt, dass man früher keine Gabel benutzt hat. Man hat mit den Messern rein gestochen!“

„Kann man im Humboldt Forum etwas über ‚normale Menschen’ sehen? Mit dieser Frage haben die Kinder eine Sammlung über sich selbst zusammengestellt und vor der Kamera gezeigt: Was macht sie selbst aus, was ist ihnen wichtig? Die Leitfrage hierfür war, was sie den Kindern der Zukunft aus ihrem heutigen Leben zeigen möchten. Dadurch haben die Kinder ihre Welt für sich greifbar gemacht. Und sie haben erfahren, dass Museen die Welt erklären möchten und über das Leben erzählen. Ich wünsche mir, dass sie künftig die Welt der Museen mit der ihren verknüpfen und Sammler ihrer Zeit bleiben.“

 

6

Klangschloss

„Wir waren in Potsdam. Wir haben uns verkleidet als Prinzessinnen, Königin, Prinz und Könige und sind im alten Schloss von Friedrich II. rumgelaufen. Dann haben wir Menschen auf Französisch begrüßt. Wir waren im Probenraum von ensemble mosaik und haben mit den Musikern Musik gemacht. Wir haben nämlich selber Noten hergestellt und Musik. Ich habe mit meinen Freundinnen ein Stück komponiert. Es heißt: Der Traum. Jede von uns hat zwei ‚Instrumente’ gespielt: Eda den Wasserfall und Friedrichs Uniform. Daria den Frosch und das Schlafen, und ich habe den Friedrich und das Pferd gespielt.

7

Aktion Freiraum

„Uns hat gefallen, dass wir mit verschiedenen Materialien gearbeitet haben. Das Gestalten von seinem eigenen Freiraum und das Schreiben von eigenen Performances hat sehr viel Spaß gemacht.“

„Ich habe gelernt, dass man Materialien anders benutzen kann als sie gedacht waren und dass Freiräume fast für jeden etwas Anderes sind. Wir haben gelernt, dass es fast überall Freiräume gibt, man muss sie nur finden. Und dass die Geschichte von Berlin ziemlich interessant war.“

8

Tastwerkstatt

„An einem Projekttag war ich in der Schlossbauhütte. Wir haben mit Steffen gearbeitet. Steffen ist Bildhauer. Ich habe mich dort mit Gipsabgüssen beschäftigt. Dafür braucht man als erstes eine dreißig Zentimeter große Tonplatte. Und dann modelliert man etwas rein. Wenn man etwas auf den Ton drauf macht, dann ist es später auf der Gipsplatte drinnen und umgekehrt. Zum Schluss haben wir mit den Gipsplatten eine Fassade gebildet. Ich fand es toll, dass wir als Gruppe ein gemeinsames Objekt gestaltet haben.“

Lebensgroße Adler aus Gips, Silikon und Sandstein laden zum Ertasten und zum Kennenlernen von handwerklichen Prozessen ein.

„Ton ist weich und feucht. Er lässt sich mit Händen und Werkzeug bearbeiten.

Gips ist staubig und trocken. Er verbindet sich mit Wasser und fließt in die Löcher im Ton. Ein Abguss entsteht.

Der Gips wird warm, dann fest, dann kalt. Negativ wird positiv und positiv wird negativ. Links wird rechts und rechts wird links.

Wann wird das Material zur Form? Wann wird die Form zum Kunstwerk? Was ist das Original und was ist die Kopie? Beim Modellieren müssen wir unsere Vorstellungskraft benutzen. Beim Tasten auch. Das Kunstwerk entsteht im Kopf.“

 

 

 

 

 

Wovon träumst du?

  Paulina Westerlind, Fotografin aus Stockholm, fotografierte mit fünf- und sechsjährigen Kindern aus der Berlin Cosmopolitan School (BCS) Kindergarten & Preschool.   Jasmin: Ich bin Prinzessin Jasmin mit einer Blume im Haar. Ich gehe in mein Schloss, um ein Buch zu lesen. Ich bin im Geneland, wo es fliegende Teppiche gibt. Ich leihe mir einen…

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Das Gute muss siegen

  „Star Wars“ – ein Projekt, in dem Geschichten wanderten In Westheim bei Hammelburg wohnen seit 2012 junge Jedi-Ritter. Sie gingen in den Kindergarten St. Peter und Paul. Maria Förster, die damalige Leiterin, erzählte Erika Berthold, wie es dazu kam, dass Meister Yoda auftauchte und verschwand, dass Mutproben bestanden wurden und dass das Universum plötzlich…

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Geboren & Willkommen

Das Geheimnis meiner Geburt

Fotos: Eva von Schirach

Ayca: „Ich wurde in 40 Körnern Reis gebadet.“

Aycas Vater kommt aus der Türkei. In seiner Familie werden alle Babys auf diese Art im Leben willkommengeheißen. Wurdest du auch mit einem Ritual in deiner Familie begrüßt?

Artikel 14, UN-KRK: Alle Kinder haben das Recht, zu glauben und zu denken, was sie möchten und richtig finden.

 

Henri: „An meinem Geburtstag esse ich immer Eis. Das muss einfach so sein.“

Vielleicht kommt Henris Liebe zu Eis daher, dass es am Tag seiner Geburt eiskalt war. Was tust du am liebsten an deinem Geburtstag?

Artikel 12, UN-KRK: Alle Kinder haben das Recht auf eine eigene Meinung und darauf, dass diese angehört und berücksichtigt wird.

Marie: „So sieht mein erstes Foto aus.“

Maries Eltern sind neugierig und sehr glücklich über ihr zweites Kind. Die Familie wächst und verändert sich. Wer gehört für dich zu deiner Familie unbedingt dazu?

Artikel 8 und Artikel 27, UN-KRK: Alle Kinder haben das Recht auf ein liebevolles Zuhause.

Arno: „Ich habe als Baby in einer kleinen, gemütlichen Kiste geschlafen.“

In Finnland werden viele finnische Neugeborene in einen Willkommens- Karton gebettet. Wo hast du an deinen ersten Tagen auf der Welt geschlafen?

Artikel 6 und Artikel 23, UN-KRK: Alle Kinder haben das Recht, sich bestmöglich zu entwickeln und bekommen die Hilfe, die sie ­brauchen.

Rolly: „Am Tag meiner Geburt hat mir mein Vater eine Blume mit ins Krankenhaus gebracht.“

Ähnlich wie Pflanzen, brauchen Kinder zum Großwerden viel Liebe und Pflege. Woran merkst du, dass du von deinen Eltern gut umsorgt wirst?

Artikel 19, UN-KRK: Alle Kinder haben das Recht auf ein Leben ohne Gewalt.

Lilli: „Ich wurde als Baby mit Öl massiert.“

Es ist wichtig zu wissen, was Babys gut tut. Nicht nur das Öl schützt die Haut. Auch die Berührung durch das Massieren und Streicheln stärkt die Abwehrkräfte. Was weißt du über die Pflege von Babys?

Artikel 28, UN-KRK: Alle Kinder haben das Recht, zu lernen und Bescheid zu wissen.

Linus: „Als ich bei meiner Mutter im Bauch war, hat sie am liebsten Lakritze, Fisch, Ei und saure Gurken gegessen.“

Die werdende Mutter ernährt das in ihr wachsende Baby mit. Oft ent­wickeln schwangere Frauen dabei ungewöhnliche Essensgelüste. Weißt du, auf was deine Mutter Heißhunger während der Schwangerschaft hatte?

Artikel 24 UN-KRK: Alle Kinder haben das Recht auf angemessene Gesundheitsvorsorge. Das ungeborene Kind im Bauch der Mutter natürlich auch.

Akhlima: „Diese süßen Schuhe haben mir unsere Nachbarn geschenkt.“

Zur Feier ihrer Geburt haben Akhlima und ihren Eltern von anderen Hausbewohnern viele Babysachen geschenkt bekommen. Wie haben die Erwachsenen und Kinder in deiner Umgebung gezeigt, dass sie sich über deine Geburt freuen?

Artikel 3, UN-KRK: Alle Menschen haben die Aufgabe, sich um das Wohl der Kinder zu kümmern.

Jonathan: „Meine Eltern lieben die Geschichte von der Möwe Jonathan.“

Als Jonathan auf die Welt kam und seine Eltern ihn das erste Mal sahen, war ihnen sofort klar, dass dieser Name zu ihm passt. Wie bist du zu deinem Namen gekommen?

Artikel 8 und Artikel 7, UN-KRK: Alle Kinder haben ein Recht auf Unverwechselbarkeit und einen eigenen Namen.

 

 

Hosentaschen-Bücher

Liebe Leserin, lieber Leser,
dieser Ausgabe liegen drei neue wamiki-Hosentaschenbücher bei.

             

Wie bei „Herr und Frau Baum“, „Fräulein Gras“ und „Onkel Kürbis“, die schon erschienen sind
und die Sie im Shop der wamiki-Website finden, können Sie sie in kleine Projektbücher verwandeln, wenn Sie sie zerschneiden und falten.

 

 

 

 

Bevor die Kinder und Sie das Projektbüchlein mit einem Gummi, Nadel und Faden oder Heftklammern binden, können weiße, transparente oder farbige Papiere in entsprechender Größe eingefügt werden, damit die Kinder Platz für ihre eigenen Ideen zu Vetter Kohl, Tante Kartoffel oder Mutter Zwiebel haben.

Zusätzliche Seiten können zum Beispiel nach Belieben auch an den Seiten mit Klebe­band befestigt werden und als Aufklappseiten auseinandergefaltet werden.

Apropos Kinder: Alle sechs Büchlein eignen sich als Geburtstagsgeschenke, als Erinnerungen an die Kita-Zeit, wenn die Kinder zur Schule kommen, oder als Mitbringsel, wenn man jemanden besucht.

Viel Freude mit den Hosentaschenbüchern wünschen Dagmar Arzenbacher, die Kinder aus der Ev. Kita St. Thomas in Berlin-Kreuzberg und die wamikis

Fotos: Uli Malende

Und so gehts:

1.

2. 3.

 

Und hier gibt es die Anleitung als PDF zum herunterladen!