Das Lied von der Ausnahme

Hier gibts den Artikel als PDF: Das Lied von der Ausnahme_#5_2020

Der kleine Fritz aus Trusetal

verschmähte einst beim Mittagsmahl

im Eintopf alle Möhren.

Der Rest der Elefantengruppe

löffelte eifrig seine Suppe,

ließ sich davon nicht stören.

Doch die Erzieher krähten:

„Ja, wenn das alle täten?“

 

Die Annabell aus Haselünne

sprach ernst: „Ich bleib heut lieber drünne.“

Zur schönsten Rausgehzeit!

„Ich glaube wohl, ich hör nicht recht“,

sprach schwer erzürnt Frau Lieberknecht:

„Mein Fräulein, tut mir leid!

Denn wenn das alle machten,

wer wär dann noch im Gachten?“

 

Die Karolin aus Lüntenbeck,

die lief auf Socken ziemlich keck

durch’s Außenspielgelände.

Die andren Kinder dachten sich:

Das wäre höchstens was für mich,

wenn mir ein Schuh verschwände.

Doch die Erzieher bellten:

„Soll jeder sich erkälten?“

 

Der Adalbert aus Bacharach

verkündete: „Ich bleibe wach,

statt mittags stets zu schlafen.“

Doch Dörte knurrte: „Sei jetzt brav,

und mache deinen Mittagsschlaf.

Zwar will ich ungern strafen,

doch weiß ich, wohin’s führte,

wenn ich’s erlauben würde:

Am Ende wär ganz Bacharach

mittags ständig wach!“

 

Ein Praktikant in Byhleguhre

sprach zu den Kindern: „Hier im Flure

bau’n wir ein Haus aus Pappen.“

Die Kinder waren fix dabei.

„Momentchen“, sagte Hauswart Frey,

„det dürfte so nich klappen.

Wat, wenn sich jeda traute

und auf dem Fluchtweg baute?“

 

Die Isabel aus Iserlohn,

saß in der Schule manchmal schon

ganz gerne unterm Tisch.

Die andren Kinder riefen: „Cool!“

Und saßen lieber auf dem Stuhl.

Frau Nolte sprach: „So nich!“

Und murmelte, dass Inklusion

auch Grenzen hat in Iserlohn.

 

 

Dem Kinderhaus in Mechernich

gönnte man einen Neuanstrich.

Ausschließlich in Pastell.

Die Meisengruppe sagte sich:

„Das ist uns viel zu puschelig.

Wir hätten’s lieber grell.“

Der Bürgermeister sprach: „Ihr spinnt!

Auch eure Räume werden mint.

Setz ich jetzt keinen Riegel vor,

würd unsere Welt multi-color!“

 

Die Cosima aus Santewitt,

die brachte in die Kita mit

zwei eigne Teddybären.

Sprach Kerstin: „Was, wenn jeder käme,

und sich sein Kuscheltier mitnähme?

Da müssen wir uns wehren.

Wenn wir nicht konfiszieren,

ersticken wir in Tieren!“

 

Foto: Miss X, Photocase

Der Verschwörungstheorien- Generator

Es gibt keine dummen Fragen.

Hier gibts den Artikel als PDF: verschwoerungsgenerator_#4_2020

Besonders weise sind die typischen Corona-Nachfragen, denen wir uns alle immer mal wieder widmen: Kann es sein, dass diese ganze Corona-Nummer nur ein Trick von denen da oben, da hinten oder da drüben ist, um uns pädagogische Fachkräfte in erzwungener Kurzarbeit fett werden zu lassen, damit wir im nächsten Schritt zu nahrhaften Menschenfleisch-Burgern für die nächste Generation Reptiloide verarbeitet werden können? Stecken die Islaminsten hinter der Maskenpflicht – Rache für das Kopftuchverbot? Oder waren es diese pädagogischen Gutmenschen, die uns durch ganzjährige Maskierung den Fasching verleiden wollen, damit sich keiner mehr als Indianer mit und ohne *In verkleidet?

Was früher die Fernreise für das soziale Prestige bedeutete, gilt heute für die Verschwörungstheorie: Man braucht eine, um mitreden zu können.

wamiki bietet allen Leuten, die vor lauter Hohmschuling und Notbetreuung keine Zeit zum Irrlichtern hatten, einen präventiven Service: Mit unserem Generator erhalten Sie handgefertigte pädagogische Verschwörungs­theorien frei Haus.

So geht’s:

In jeder Spalte ein Feld aussuchen, vorlesen und fürchten.

Auf Datenschutzjagd nach DSGVO

Ganz Deutschland hat ein bisschen Bammel, seit die neue DSGVO erlassen wurde. Also, die Datenschutz-Grundverordnung. Besonders im Kindergarten macht sich Angst breit, denn wo viele Menschen sind, sind leider auch deren Daten. Gut, dass es Kindergärten wie die „Dallgower Datenzwerge“ gibt, die rechtzeitig Vorsichtsmaßnahmen ergriffen und sich jetzt sogar „Haus der gesicherten Daten“ nennen dürfen. Grund genug, die rührige Leiterin des Hauses, Frau Danuta Dathe, zu Wort kommen zu lassen. Bitte, Frau Dathe, berichten Sie über Ihren Weg ins DSGVO-Glück!

Der Artikel als PDF zum Herunterladen: Datenschutzsatire_#3_2020

„Guten Tag, Herr Redakteur! Gerne erzähle ich Ihnen, wie wir das mit dem Datenschutz praktizieren. Eine Kita-Führung kommt natürlich nicht in Frage, aber hier im Vorraum steht es sich ja gut. Leider kann ich ihnen auch keine Bilder der Räume zeigen, denn da wären Kinder drauf oder deren persönliche Sachen. Oder per Kunsturheberrecht geschützte Bauwerke. Und fragen Sie mich nicht nach Details! Stellen Sie sich einfach vor, wie es bei uns aussieht, aber bitte nicht zu konkret. Wer weiß denn, ob diese Bildrechte nicht auch für Vorstellungsbilder gelten …

Ein stressiger Schritt auf unserem Weg zur datenschutzgerechten Pädagogik war natürlich die Sache mit den Portfolios. Herrje, was da an persönlichen Daten über jedes Kind zusammenkommt! Wir hatten zunächst nur bei Fotos, auf denen andere Kinder sind, deren Gesichter geschwärzt. Das sah aber doof aus – lauter geschwärzte Kinder neben dem einen ungeschwärzten Portfolio-­Besitzer! Also haben wir das Portfolio-Kind gleich mitgeschwärzt. Beziehungsweise für die People-of-colour-Kinder geweißt, das wäre ja sonst unfair.

Dann mussten wir aber noch die Lernbeweise im Portfolio verändern, weil die viel zu viele datenschutzrelevante Infos über jedes Kind enthalten. Nicht auszudenken, wenn jemand erfährt, dass Kind X am soundsovielten irgendeine Kompetenz erworben hat! Also haben wir auch das Datum geschwärzt und die Kompetenz so abstrakt formuliert, dass keine Rückschlüsse auf die Person möglich sind. Schauen Sie, so sieht das dann aus. Ich lese es mal vor: ‚Lernbeweis 3-17, erbracht Mitte 2018. Kind A kann jetzt R. Herzlichen Glückwunsch und weiter so!‘

Nicht so einfach war die Sache mit den Gruppenfotos. Da geht es ja auch um Emotionales! Deshalb fanden unsere Muttis und Vatis diese schwarzen Balken vor den Augen der anderen Kinder aus der Gruppe doch zu düster. Sandy, unser Teamküken, hatte dann die rettende Idee: Warum nicht einfach die Kinder auf dem Bild durch genauso niedlich guckende Kuscheltiere ersetzen? Sehen Sie mal, hier ist die Igelbabygruppe. Schauen die nicht niedlich? Ich bin übrigens der rosafarbene Plüschhahn. Süß, oder?

Mit unseren Foto-Regeln war es natürlich nicht getan, Datenschutz steckt ja überall drin. Unsere Kita hat nämlich – leider, sage ich aus heutiger Sicht – solche Riesenfenster. Da kann jeder Krethi und Plethi reinschauen. Und wer weiß schon, wer das tut und warum? Also haben wir beschlossen, die Fenster mit Folie zu verkleben, um die Kinder zu schützen. Das funktioniert auch andersrum: Die Kinder können die Leute draußen nicht anstarren oder gar knipsen. Zum Verkleben haben wir übrigens Milchglasfolie genommen, obwohl Hannelo… äh, eine Kollegin, gleich krähte: ‚Das kann ich doch alles mit meinen alten Window Colours zumalen, da gibt’s sooo schöne großflächige Motive!‘ Aber das Milchglas sieht einfach cooler aus und hat den Vorteil, dass sich die Kinder beim Rausgucken gleich an eine verpixelte Welt gewöhnen. Christian – der Kindername ist natürlich geändert – sagte gestern: ‚Die Häuser draußen sehen jetzt genauso aus wie unser Haus bei Google Maps!‘ Und Liese fand, dass bei ihrer Oma, wenn sie nach dem Bringen von draußen reinzugucken versucht, gar keine Falten mehr zu sehen sind. ‚Wie bei Instagram ‘, freute sie sich.

Als wir dachten, das Wichtigste geschafft zu haben, fiel unserm Praktikanten zum Glück noch eine superwichtige Sache ein: ‚Hey, was ist mit den Ausflügen? Da kann doch jeder die Steppkes sehen, sich die Gesichter einprägen und sie später aus dem Kopf nachmalen?‘ Gut, dass es im Mäcgeiz gerade diese schwarzen Schlafbrillen gab. Wir haben gleich vier Zehnerpacks gekauft. Seitdem sind die Ausflüge nicht nur viel DSGVO-gerechter, sondern auch ruhiger. Und weil immer mal jemand stolpert, nehmen die Kinder das Anfassen in Zweiergruppen endlich ernst.

Dann fiel uns plötzlich die Sache mit den Geburtstagen auf. Geburtstag feiern ist toll, vor allem für das betroffene Kind.Was nicht so toll ist: Alle Kinder in der Gruppe kriegen dabei ausgesprochen sensible Daten mit, und manche merken sie sich ewig. Ich weiß zum Beispiel den Geburtstag von Ilse Linnekogel, meine Banknach­barin in der dritten, immer noch. Ach, Gottchen! Bitte vergessen Sie den Namen gleich wieder. Man hat ja heute ratzfatz eine Anzeige wegen Datenverraten an der Backe.

Zurück zum Thema: Wir haben dann jedem Kind einen neuen, neutralen Geburtstagstermin zugewiesen. Ist erstens einfacher, weil man die Feiern besser mit den anderen Kitaterminen abstimmen kann. Zweitens hat jedes Kind reihum mal im Sommer Geburtstag.

Kurz bevor wir uns zum Wettbewerb ‚Datenschutzgerechteste Kita Deutschlands ‘ angemeldet hatten, war Irene noch eingefallen, an die Namensanonymisierung zu denken. Offen gestanden war es auch bei uns üblich, die Eltern mal mit Vor-, mal mit Nachnamen anzusprechen und auch die Namen der Kinder ganz unbefangen zu erwähnen. Da konnten Mithörer sofort zwei und zwei zusammenzählen und hatten den kompletten Datensatz gehackt! Seit uns das klargeworden ist, sprechen wir die Eltern nur mit ‚Liebe Mutter ‘, ‚Lieber Vater ‘ oder bei Bedarf mit ‚Liebes Diverses ‘ an. Zu uns sagen sie weiterhin: ‚He, Sie da!‘

Die Kinder sprechen wir natürlich erst recht nicht mit Namen an, weil ja sonst alle in der Gruppe automatisch jeden Namen lernen. Wir verwenden konsequent Kosenamen. Das klappt gut. Wenn niemand in der Gruppe Malte als Malte kennt, aber alle als „Unser Kamuffelchen“, ist Datenmissbrauch kaum mehr möglich. Zumal wir ab dem nächsten Monat vorhaben, die Namen regelmäßig rotieren zu lassen.“

Ich bin beeindruckt und möchte mich verabschieden: „Vielen Dank, liebe Frau Dat… äh?“

„N. N. Oder bloß N., wir sind ja beim Du“, antwortet die Leiterin charmant.

 

Fotos: Lena Grüber

Der Rechtsruck bei den ­Braunbären

„Ich finde schlümm…“, sagt John, „dass die Schüldkrötenkinder einfach zu uns rüberkommen und unsere Spielsachen wegnehmen. Das dürfen die nicht!“ Erzieherin Sarah erklärt geduldig, dass der Kindergarten nun schon eine Weile offen arbeitet, weshalb alle Kinder aus allen Stammgruppen außerhalb der Morgenkreiszeit in alle Räume dürfen. Davon profitieren auch die Braunbären und können bei den Schild…

„Die kommen aber nur zu uns“, ereifert sich Joscha, „weil wir das schönste Spielzeug haben!“

„Wir könnten denen was abgeben“, schlägt Cora vor. Als die anderen die Augen verdrehen, greift der kleine Kurt vermittelnd ein: „Ich finde gut, dass andere Kinder zu uns dürfen. Aber nicht die Schildkröten! Da sind richtig böse dabei! Eine große Kröte klaut sogar Sachen aus unseren Garderobenfächern!“

„Hey, stoppi!“ ruft Sarah. „Selbst wenn das stimmen sollte – dann sind doch längst nicht alle Schildkrötengruppenkinder Diebe.“

„Aber fülleicht fast alle“, jammert John.

„Kinder, wenn die Schildkröten nicht mehr zu uns dürften“, simuliert Sarah Nachdenklichkeit, „dürften wir noch in den Schildkrötenraum?“

„Iiih, keiner will zu denen! Die haben sooo doofes Spielzeug!“ krakeelen die Braunbären.

„Heute muss ich was ganz Schlümmes erzählen“, berichtet John anderntags bei der Braunbären-Kinderkonferenz. „Einer aus der Krötengruppe hat Baby Anna voll fies geschubst. Jetzt kommt die nie mehr in die Kita! Die ist verletzt!“

„Schubsen darf keiner, weder ihr noch die Schild…“, will Sarah intervenieren, aber die Kinder sind nicht zu bremsen: „Alle Kröten sind Klopper!“ „Die können richtig zwicken, Sarah! So!“

„Aua, Malte, das tut weh!“

„Frau Meister soll die alle aus dem Kindergarten rausschmeißen“, schluchzt Annika hemmungslos.

„Macht doch eine Demo“, schlägt Sarah vor. „Für friedliches Miteinander!“

Die Kinder sind begeistert und skandieren lautstark: „Bärenraum für Braunbären, Krötengruppe raus!“ Jemand malt eine Schildkröte auf eine Pappe, streicht sie schwungvoll durch, und das Demo-Poster wird im Triumph durch den Raum getragen. Ein Heidenspaß! Nur Sarah bekommt Hektikflecken.

Derweil widmen sich ein paar Demo-Teilnehmer schon den Details. „Die Kröten sehen hässlich aus“, findet Lara. „Eine heißt Babett und ist fett, sooo fett!“ Mit beiden Händen deutet Lara einen riesigen Bauchumfang an.

„Das sagt man aber nicht!“ ruft Sarah tadelnd.

„Soll ich etwa sagen, die ist sooo dünn?“ kontert Lara und markiert einen Strich. „Soll ich etwa lügen?“

„Man darf nicht Kaka und Pipi sagen, nicht Fett-Babett und Scheiß-Krötengruppe!“ empört sich Malte. „Darf man nur sagen, was die Azia erlauben?“

„Wir müssen ganz klar dagegen steuern. Das geht ja gaaar nicht!“ verkündet Ilona Meister, die Leiterin, bei der Teambesprechung, und Sarah verspricht sofort: „Morgen oder spätestens übermorgen rede ich Klartext mit den Kindern, ein richtiges Donnerwetter. Danach holen wir die Schildkrötengruppe rüber, feiern ein Jeder-ist-hier-willkommen-Fest und überreichen allen Schildkröten selbstgemachte Freundschaftsbändchen.“

„Realistisch bleiben, Sarah“, mahnt die Leiterin. „Ein kleines Dönnerchen tut es auch. Und um den Druck aus der Sache zu nehmen, sollten wir die offenen Zeiten etwas verkürzen. Wir könnten zum Beispiel festlegen, dass die Gruppen während des Angebots und des Morgenkreises unter sich sind. Mittags und beim Ruhen sind sie es ja ohnehin. Früh- und Spätdienst lassen sich auch gruppenweise gut organisieren. Während der Freispielzeit bleibt zwar alles offen wie gehabt, aber es gibt die glasklare Regel, dass man vor Betreten des Raums fragen muss, ob die Nachbargruppe besucht werden will. Und natürlich müssen die Besucher, also zum Beispiel die Schildkröten, bei den Bären nachfragen, ob sie das Spielzeug benutzen dürfen – und welches. Denn die Braunbären haben in ihrem Heimatraum natürlich glasklar Vorrang. Wär das was?“

Sarah nickt erleichtert, und Ilona spricht das Schlusswort: „Wir schaffen das.“

 

Foto: Julia Kuzenkov/Unsplash

Jahresvorschau 2020

Februar

Die Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes beginnt, und die 5,5 Milliarden werden verteilt. Während Organisationen in der Nähe der kräftig sprudelnden Geldquelle frohlocken – „Seit Tagen schwimmen wir hier in Geld! Der Keller unseres Bürohauses ist schon überflutet!“ – erwartet man weit draußen auf der sogenannten Praxisebene den Geldfluss sehnsüchtig. Leider kommt es infolge lang­anhaltender finanzieller Trockenheit unterwegs zu erheblichen Versickerungsprozessen, sodass es nur ein bis zwei Geldtröpfchen bis in die pädagogische Provinz schaffen. „Das geben wir aber nicht gleich für eine Plastikschaufel aus“, beschließt das Team der „Mäusekiste“ in Flöha einstimmig.

März

Im März eröffnet die didacta ihr Pforten, aber der Zustrom lässt nach. Offenbar fühlen sich viele Menschen durch die zahlreichen Digital-Mottos der vergangenen Messen veranlasst, einer Real-life-Veranstaltung fernzubleiben. Wahrscheinlich fürchten sie, als zu analog zu gelten. Nach kurzer Beratung beschließt das didacta-Präsidium, beim nächsten Mal Neuland zu betreten und die Messe nur noch digital stattfinden zu lassen, also per Besuch im Netz. „Eine Schlüsselrolle wird unser digitaler didacta-Assistent mit dem Namen DiDi Dackta spielen, der das Publikum durch die virtuellen Hallen geleitet“, erläutert Präsident Froschmann. Als besonderes Highlight sei eine App vorgesehen, die – vorausgesetzt, die Besucher verfügen über 3D-Drucker – das Ausdrucken der beliebten Sport-Thieme-Poolnudel erlaubt. Druckzeit: 37, 5 bis 264 Stunden, je nach Datenverbindung.

Mai

Im Elterninitiativkindergarten „Billy n’Gual…“ in Berlin-Prenzlauer Berg kommt es zu einer Massenvergiftung. Ein offenbar völlig verpeilter Vater hatte anlässlich des vierten Geburtstags seines Sohnes Jörg-Björn-Thorben einen Kuchen mitgebracht, der sowohl Milch, Eiweiß, Butter, Zucker und möglicherweise sogar Spuren von Mehl enthielt. Diese Ingredienzien lösten schwere Symptome von Glutenunverträglichkeit, Weizenallergie, laute Zöliakie-Furze und zuckerinduzierte Hyperaktivität aus. Auch Verschmutzungen auf einem hochwertigen Biofilzmarkenpulli blieben nicht aus.

Zur gleichen Zeit vertilgen 40 Kinder im benachbarten Wedding reichlich aus Amerika importierten Marshmellowfluff in rosa, pink und glow-in-the-dark-phosphor­grün. Ohne wahrnehmbare Folgen.

Juli

Neue Plagiatsvorwürfe gegen Franziska Giffey: Im Juli wird offenbar, dass die Familienministerin in ihrer Broschüre „Das Gute-Kita-Gesetz – gute Bildung gemeinsam weiterentwickeln“ zahlreiche Textstellen aus anderen Werken benutzt hat, zum Beispiel „KitaPlus: Weil gute Betreuung keine Frage der Uhrzeit ist“, „Gut ist Kita, wenn die Kleinsten eine Rolle spielen“ und „Kita-Einstieg: Brücken bauen in frühe Bildung“. Insbesondere die inflationäre Verwendung von Worten wie „gut“, „frühe Chancen“ oder von Satzbausteinen wie „Gut ist Kita, wenn sie alle stark macht“ hatte die Plagiatsjäger auf die Spur gebracht. Zu ihrer Entschuldigung verweist die Ministerin darauf, dass die Sätze – teils noch von Ursula von der Leyen stammend – nach wie vor Gültigkeit haben, denn „umgesetzt wurde ja seit cirka 1975 von all den Forderungen eh nix“.

September

Der Fachkräftemangel treibt immer schlimmere Blüten. In Siegburg gelingt es Kindern aus dem Kindergarten „Steppenstrolche“, einen den Gehweg fegenden Mitarbeiter einer Reinigungsfirma mit einem Schwungtuch zu fesseln, ins Haus zu zerren und tagelang unbemerkt als Erzieher im Bau-Raum schuften zu lassen.

Rechtskonformer ist die Idee eines der verarmten norddeutschen Bundesländer, Kinder im Vorschulalter einen „Krippi-Führerschein“ erwerben zu lassen, der sie zur Tätigkeit als Hilfserzieherlein in der Krippe berechtigt. Voraussetzung: ein mindestens Zweijähriger assistiert ihnen. Eine kleine Prüfung, die fröhlich-bunte „Ernennungsurkunde“ und ein Miniatur-Erzieherschreibtisch für die neuen U3-Pädagöglein können übrigens komplett aus Mitteln des Gute-Kita-Gesetzes finanziert werden, stellt die zuständige Ministerin in Aussicht.

November

Kitaleiter Trampe ist zurück. Der teils verschriene, teils bewunderte Pädagoge hat nach seinem Verschwinden – „wamiki“ berichtete – die Amtsgeschäfte in seinem Kindergarten urplötzlich wieder aufgenommen. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, erklärt er auf der Elternversammlung und fügt drohend hinzu: „Und Sie mir sowieso nichts!“

In den nächsten Tagen agiert Trampe wie gewohnt: Erst überrascht er den Ortsbürgermeister mit der Offerte, den S-Bahnhof und die City-Arkaden als Zusatzbauraum für 3.000 Euro Spielgeld kaufen zu wollen. Dann bietet er dem stets gehänselten Außenseiter August aus der Ameisengruppe an, ihn vor den rüden Vorschulkindern zu beschützen, falls August sich bereit erklärt, belastendes Material gegen seine Gruppenerzieherin Elke zu liefern.

Dezember

Weihnachten steht vor der Tür – und damit der mittlerweile traditionelle Vorweihnachts-Shitstorm, in dem die zünftigen AfD-Trolle wieder einmal den Untergang des christlichen Abendlandes anprangern, weil irgendeine Kita „Lichterfest“ oder „Laternenfest“ feiert. Erst nach Wochen aufgeregter TV-Diskussionen und BILD-Zeitungs-Berichte können einige Vorwürfe entkräftet werden:

Erstens hieß Berlin-Lichterfelde wirklich niemals Weihnachtsfelde.

Zweitens wurde der Dresdener Weihnachtsmarkt tatsächlich umbenannt. Aber das geschah schon um 1500, als man ihn anlässlich der Erfindung des Stollens Striezelmarkt nannte.

Drittens hatte PeKita-Leiter Rico Rätzsch aus Roitzsch tatsächlich die Bezeichnung „Weihnachtsfeier“ untersagt, aber damit wollte der des Gutmenschentums völlig unverdächtige Volkspädagoge lediglich dagegen protestieren, dass „von dieser aus dem Morgenland eingewanderten christlich-römischen Mischreligion ja unsere schöne germanische Jul-Weihe-Kultur verdrängt wurde“.

 

Illustration: Tasche

Hurra, wir experimentieren!

Kittel an, Schutzmaske und Schutzbrille auf! Seit es das Wort MINT für den Kindergarten gibt, ist verantwortungsvollen Kita-Teams mit und ohne Plakette klar: Jede Woche muss ein Experiment stattfinden, weil Deutschlands Kinder sonst die Zukunft verschlafen, den Exportstandort Deutschland gefährden und uns alle zum Agrarvolk machen.

Leicht gesagt, schwer getan, denn: Das Experiment mit dem Vulkan aus Essig und Backpulver haben Sie ja bereits durchgeführt. Gibt es etwa noch was?

Jawohl, und zwar hier!

Das Experiment mit den GummiBärchen im Wasserglas

So geht’s:

Kinder auf Stühlchen, Gummibärchen in Schälchen setzen. Schälchen auf Wasser setzen, den frechen Jim wieder aufs Stühlchen setzen. Becher drüber stülpen – über das Bärchen, keine Angst, Jim! Becher hinunterdrücken. Darüber sprechen, dass man sieht, dass das Gummibärchen jetzt nach unten gedrückt wird, ohne dass es nass wird, was zumindest Sie theoretisch ja anders erwartet hätten und auf jeden Fall hoffentlich die Kinder – auch du, Jim! Dazu erklären, dass damit bewiesen wurde, dass Luft ein gasförmiger Stoff ist, der schwerer –oder leichter? – als Wasser ist und somit von oben auf das Gummibärchen drückt, das, um den Druck, der auf es einwirkt, keine andere Wahl hat, als… äh… Tja, wenn man jetzt Fachmensch wäre…

Das können Sie beobachten:

Kurz nach Beginn Ihrer Erklärungsversuche entfernen sich die anwesenden Kinder sternförmig vom Experimentiertisch. Nur der freundliche, allerdings taubstumme Eginhardt bleibt bei Ihnen stehen.

Erklärung:

Kinder sind flüchtige Stoffe, die auf Wortblasen aller Art stark reagieren, indem sie ihr Interesse-Atom auf andere Dinge, zum Beispiel das Legozeugs, ausrichten.

Das Experiment mit den Gummibärchen im Wasserglas auf dem Elternabend

So geht’s:

Setzen Sie die Eltern auf die Stühlchen. Informieren Sie die Eltern, dass sie nun einen Einblick in das Lernen ihrer Kinder erhalten. Führen Sie das Experiment durch, indem Sie – siehe oben.

Das können Sie beobachten:

Anders als die Kinder verfolgen die Eltern das Experiment mit großem Interesse. Schon nach wenigen Minuten fragen die Eltern: „Ähem, ist das Gummibärchen denn auch vegan? Was machen Sie, Gundi, wenn die Kinder das Bärchen anschließend essen wollen? Konterkarieren Sie damit nicht das von uns Eltern erarbeitete zuckerfreie-Kita-Konzept? Isch das etwa koi Spiel mit Läbänsmittel, wo in unsre Gemoinde verbode isch? Furchtbar! Sie setzen das niedliche Gummibärchen der Bedrohung durch Ertrinken aus! Kein Wunder, dass Sören-Gustaf nach jedem Experimentiertag nicht einschlafen kann!“

Erklärung:

Eltern sind super darin, Dinge genau zu beobachten und Folgen zu analysieren, wenn auch leider nicht auf naturwissenschaftlichem Gebiet.

Das Experiment mit dem Pinterest-Pin

So geht’s:

Suchen Sie auf Pinterest nach „Marvellouse Hands-on Sensory Experiments For Kids“. Klicken Sie das schönste Bild an. Nutzen Sie für die Anleitung Google Translator („Bilden Sie magischen Schlamm von einer Kartoffel in drei easy Schritten!“). Bestellen Sie die Zutaten im US-Amazon-Store. Legen Sie ohne Vorwarnung mit dem Experiment los, indem Sie eifrig Johnston’s Puffy Corn Starch mit Elmer’s Glue und Goo Gone Original Liquid Safe Remover sowie zwei Dosen Car Scents Cherry Flavour mixen.

Das können Sie beobachten:

Anders als auf dem Foto von Samatha Fashion Life aus dem Mittleren Westen entsteht kein beindruckender pinkfarbener Schaum mit Glitzer-Eruptionen, sondern die Flüssigkeiten vermischen sich träge zu einer grau-beigen Pampe, die nach Reinigungsmitteln riecht. Erst beim Säubern der Töpfe bemerken Sie eine schwache, wenn auch intensiv juckende Rotfärbung Ihrer Hände – auf den Händchen des freundlichen Eginhardts ebenfalls sichtbar.

Erklärung:

Da hat was nicht hingehauen, klaro. Zum Glück passen die meisten Zutaten auch zum Spooky-Jelly-O-Glow-In-The-Dark-Experiment. Oder war es der Quick Foam Home & Toilet-Cleaner? Egal, weitermachen!

 

Das Experiment mit dem Kindergarten für Bildungspolitiker

So geht’s:

Stopfen Sie 70 kleine Kinder und 10 Erzieherinnen in ein Gefäß aus Beton und stabilem Glas, zum Beispiel in ein modernes Kita-Gebäude, Modell „Architektentraum“. Gut durchschütteln! Beobachten Sie das entstehende Gemisch. Dann fügen Sie in kleinen Mengen Kinder hinzu und verringern gleichzeitig die Menge der Erzieherinnen, bis ein Verhältnis von 1 Teil Erzieherin zu 35 Kindern entstanden ist.

Das können Sie beobachten:

Nach einiger Zeit lösen sich einzelne Mitglieder aus dem Team heraus, bis schließlich nur noch ein bleiches Weiblein mit deutlich sichtbaren Abnutzungserscheinungen übrig bleibt.

Erklärung:

Zunächst findet in den Teammitgliedern die sogenannte Auslaug-Reaktion statt. Dann kommt es zum optisch gut wahrnehmbaren Vorgang des Ausbrennens, bis durch eine spektakuläre Kettenreaktion ein landesweiter Personalengpass entsteht. Beeindruckend!

Das Experiment mit dem Erfolg

So geht’s:

Gründen Sie mit einigen Aktienriesen und desinteressierten Ministerinnen eine Stiftung. Geben Sie ihr einen Namen, der irgendwie forsch, aber vertraut klingt. Erfinden Sie ein weltumfassendes Fortbildungssystem. Geben Sie ein paar Heftchen heraus. Lassen Sie ein paar Experimente (Tipp: Backpulver-Essig-Vulkan) in Kitas regelmäßig durchführen. Dazu laden Sie ein paar ältere Professoren ein. Informieren Sie die Ministerin und die Aktienriesen über diese grandiosen Erfolge.

Das können Sie beobachten:

Man schlägt Sie für das Bundesverdienstkreuz vor.

Erklärung:

Lieber keine.

 

Foto: aufrecht/photocase

Wie ich zum Ansatzstifter wurde

Als ich wieder einmal einen meiner Vorträge über Beobachtung und Dokumentation im halboffenen, montessoreggi-orientierten Funktionsraumkindergarten mit mittelgroßer Altersmischung hielt, klopfte es. Ehe ich „Herein!“ rufen konnte, hatte sich schon ein freundliches älteres Männlein neben meinen Dozententisch gestellt und sich vorgestellt: Er sei der Bildungsvizediktator von St. Hochniederkleinstein, dem oft so schmählich übersehenen europäischen Zwergstaat zwischen Großdänesien, Östermark und der Krokraine. Schon ein Weilchen habe er an der Tür gelauscht. Meine Ausführungen hätten ihm gut gefallen, und er habe darum entschieden, mich höflichst anzufragen, ihn in sein Vaterländchen zu begleiten, um an der Etablierung einer neuen Pädagogik mitzuwirken.

Gleichzeitig verstört und gebauchpinselt, überging ich die aufmunternden Zurufe der Teilnehmerinnen, die vielleicht nur auf einen verfrühten Schluss der Veranstaltung hofften.

Wie meine Stelle denn genau definiert sei, fragte ich, und der Vizebildungsdiktator lächelte gewinnend: „Sie allein legen unseren pädagogischen Ansatz fest. Sie sind unser Montessorius. Oder der große Ansetzer.“

Schon am nächsten Tag fand ich mich an einem St. Hochniederkleinsteiner Kindergartentisch wieder, umgeben von schüchtern speisenden Kindern und Erzieherinnen mit gezückten Notizblöcken. Was sage ich bloß, um mit irgendeinem Ansatz zu punkten?

„Jedes Kind hat das Recht, sich beim Frühstück sein Essen aussuchen zu dürfen“, fiel mir mit Blick auf die von Erwachsenenhand gefüllten Tellerchen ein. Die Damen erbleichten, notierten den Satz und unterstrichen ihn sorgfältig mit Linealen.

Zaghaft hob sich eine Hand, und eine Stimme fragte leise: „Welche Speisen stellen wir zur Auswahl?“ Ich erwiderte unsicher: „Vielleicht Biobutter, Johannisbeermarmelade, diese Teewurstsorte und Toggenburger Käse?“

„…ggenburger Käse, ist notiert“, repetierte die Dame und fragte: „Den Käse rezent, mittelreif oder würzig?“ Ich improvisierte: „Genau sechs Monate Reifung!“ Als die Damen sich über so viel Klarheit sichtlich freuten, ergänzte ich keck: „Und regelmäßig Schmelzkäse!“ „Täglich?“ Ich schüttelte den Kopf: „Kinder brauchen Wochenhöhepunkte! Schmelzkäse nur an Dienst- und Donnerstagen.“

Wie mir die Auswahl an Möbeln gefalle, wollte man später wissen. Diese Holzstühle gefielen mir gar nicht, erklärte ich streng – das erwartete man offenbar von mir. Stattdessen seien rote Hocker mit grünen Beinen vorzuhalten. „Gilt das für das ganze Land?“ fragte man vorsichtig, und ich nickte.

„Was ist Ihre Meinung zur Digitalität?“ ging es weiter. „Soll es Smartphones geben, Tablets oder beides?“ Leicht gelangweilt berichtete ich, dass mein Ansatz sich klar für die systematische Heranführung der Kinder an Tablets im 8,5 Zoll-Bereich ausspräche, wohingegen kleinere und größere Displays als absolute Kindeswohlverletzung eingestuft würden. Sofort begann man, aufgeregt im Hintergrund zu telefonieren.

„Ich sehe, Sie haben bereits gut in Ihre Rolle gefunden“, ertönte eine schon vertraute Stimme, und der Vizebildungsdiktator betrat schmunzelnd den Raum: „Weiter so!“

Ich sei, ließ ich die immer noch eifrig mitschreibenden Pädagoginnen wissen, sehr unzufrieden mit der uneinheitlichen Wandfarbgestaltung in den Kindergärten St. Hochniederkleinsteins. Ein Farb- und Gestaltungskonzept scheine es in diesem Lande ja nicht zu geben. Schwungvoll schlug ich vor, die Räume aller Kindergärten, die übrigens ab sofort Kinderparks zu nennen seien, umgehend folgendermaßen zu streichen: Schlafräume in Mauve, meiner heutigen Lieblingsfarbe. Den Bauraum in Zinnoberrot mit einem blauen Punkt in der rechten Ecke. Das Bodenturnkabinett jedoch in Nachtblau.

Man habe gar kein Bodenturnkabinett, nur eine Art Bewegungsraum, unterbrach eine Dame mich kleinlaut. Ich erhob mich: „Dann ist dieser landesweit einzurichten – sofort.“

Während die Kinder an meinem zweiten Tag in St. Hochniederkleinstein in den wenigen, von Anstreich- und Neumöblierungsmaßnahmen verschonten Räumen zu spielen versuchten, begab ich mich in mein neues Büro, um ein pädagogisches Grundlagenwerk mit Leitbildcharakter für das Land zu verfassen. „Kinder brauchen….“ stand bereits in meiner Word-Datei, aber dann stockte ich. Was, wenn der Vizebildungsdiktator gleich seine ersten Erlasse verkünden wollte?

Ich gab mir einen Ruck und tippte: „Kinder brauchen tägliches Harfentraining, das sie unabhängig vom Wetter in frischer Luft absolvieren. Kinder brauchen das Spiel mit einem hellhaarigen Bären, der nach dem Vorbild meines Teddys Petzi heißen soll und am Ende jedes Tages in ein ansprechendes Vollholzteddybett zu legen ist, während der sogenannten Teddybettungszeit. Kinder und deren Eltern sind anzuhalten…“

„Gefällt mir ausgesprochen gut“, freute sich der leise hinzugetretene Vizediktator und zeigte mir auf seinem Smartphone die Webcam-Übertragungen der ersten, noch unbeholfen wirkenden Teddyhuldigungen in den Kindergärten.

Bald war der größte Tag meiner Amtszeit als Ansatzstifter gekommen. Im schönsten Kindergarten von St. Hochniederkleinstein saß ich – zu Tränen gerührt und bekleidet mit Talar, Baskenmütze und Nickelbrille – inmitten der Kinder, die, durch meine Anwesenheit ebenfalls zu Tränen gerührt, das „Petzi-Lied“ sangen.

„Hat es euch gefallen, Erdenker des ewigen Ansatzes?“ fragte ein Mädchen. Eine ganz Kleine hielt mir ihr Brot unter die Nase, es roch käsig, und ich hörte das Kind sagen: „Danke für den zweifachen Schmelzkäsetag.“

Ein bisschen genervt von so viel Ehre schlug ich vor, eine Runde Fußball mit den Kindern zu spielen. „Eine gute Idee“, lobten die anwesenden Herrschaften, „aber leider sind seit der Verkündung Ihrer Materialliste keine Spielgeräte im Kugelformat zulässig. Sollen wir den Erlass ändern und den für die Umsetzung zuständigen Fachberater auspeitschen lassen? Oder sollen die Kinder mit einem der verpflichtend in jeder Kita zu züchtenden Kürbisse Fußball spielen?“

„Kinder brauchen keine als Fußball missbrauchten Kürbisse!“ schrie ich mit überschlagender Stimme. „Sie brauchen nichts dringender als pralle, überreife Melonen und ein aus Lakritzstangen gewebtes Fußballtor! Wer das nicht weiß, verdient nicht, nach meinen Ansatz zu arbeiten!“

Das gesamte Personal einschließlich des Vize-Bildungsdiktators zuckte zusammen, rannte erst verwirrt hin und her und dann schnurstracks zum nächsten Obstmarkt. Ich aber nutzte die Gunst der Stunde und entschwand aus St. Hochniederkleinstein.

. . . . . . . . . . . . . . . Auf Nimmerwiedersehen!

 

Foto: kallejipp/photocase.de

Gewaltfrei kommunizieren

Wenn Du A tust, lieber Leser, dann fühle ich B. Weil ich nämlich das Bedürfnis nach C habe, mein Freund. Nur deshalb bitte ich Dich jetzt, D zu tun! Wie wär das für Dich? — Nicht verstanden? Weiter lesen…

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Neue Namen braucht das Land!

„Gute-Kita-Gesetz“ heißt das Teil. Egal, was drin steht: Mit dem Namen hat das ­Familienministerium Maßstäbe gesetzt. Freilich auch für sich selbst. Falls jemals ein weiteres Gesetz zur Verbesserung des Kindergartens herauskommt, wie sollte man es dann nennen?

Hier folgen Vorschläge zur Umbenennung des derzeitigen Gute-Kita-Gesetzes, gratis zur Verfügung gestellt von der Gute-Gesetzesnamen-Entwicklungs-Redaktion.

 

Vielleicht ist es besser, dem jungen Gesetz schnell noch einen ehrlicheren Namen zu verpassen, um ein künftiges „Wirklich-Gute-Kita-Gesetz“ auch so bezeichnen zu können.
Die GGE-Redaktion

Das Lied vom Per–so–nal

Ist ein Kind recht wohlgeraten,

dies für dessen Eltern spricht.

Neigt´s jedoch zu schlimmen Taten,

bittet und bedankt sich´s nicht

und dient jedermann zur Qual,

trägt die Schuld das Personal.

 

Ist denn unsrem Kindergarten

Sauberkeit seit kurzem schnuppe?

Lilys Kleid ziert Rinderbraten

und ihr Hemdchen Erbsensuppe.

In den Haaren klebt Ponal.

Schuld daran: das Personal.

 

Unterm Garderobenschranke

krabbelt Martin auf dem Bauch,

knurrt ironisch: „Mädels, danke,

jetzt fehlt Johnnys Hausschuh auch.“

Letzte Woche war´s der Schal…

Schuld hat nur das Personal.

 

Neues Spielzeug hat der Träger

grad erst vor acht Jahr´n spendiert.

Und schon sind die Softballschläger

wieder völlig ramponiert!

Wer verschleißt das Material?

Schuldig ist das Personal.

 

„Eins ist klar“, sagt Adelene,

die des Sohnes Zeugnis sieht.

„Unser Hans hat beste Gene,

weil er sehr nach uns geriet.

Notendurchschnitt 4? Skandal!“

Schuld ist das Lehrpersonal.

 

Unsre Pupsi®-Pädagogik,

die Frau Chefin ausgeheckt,

strotzt vor Anspruch, Ziel und Logik.

Jedes Kind gelingt perfekt.

Ist die Umsetzung fatal?

Dann trägt Schuld das Personal.

 

„Kinder brauchen digitale

Bildung“, predigt ein gelackter

Referent. Man klatscht im Saale

beim Vortrag auf der Didacta.

„Keene Zeit für Digital“,

meckert rum: das Personal.

 

Diplomierte Pädagogen,

haben wieder was erstellt:

„Engagiertheitseinschätzbogen“

heißt das Ding. Es staunt die Welt.

Wer beguckt das Blatt nicht mal?

Alles klar: das Personal.

 

„Frau Minister, Kitas streiken!“

textet bang der Referent.

Deren Antwort: Smiley-Icon,

weil sie ihre Tanten kennt:

Lange Streiks? Viel zu sozial

ist dafür das Personal.

 

Horst ist weg, und krank ist Gitte.

Und Ersatz wird nicht gefunden.

Leitung sagt: „Sie leisten bitte

unbezahlte Überstunden.“

Wer rennt gleich zum Personal-

Rat? Na, Leser, rate mal…

 

Eltern machen eine Welle:

„Kitaplatzrecht wird verletzt!“

Liegt wohl dran, dass manche Stelle

jetzt auf Dauer unbesetzt.

Und man registriert aschfahl:

Schuld ist: Gibt kein Personal!

 

Woher kriegt bloß Allemagne

mehr Erzieher? Helfen Sticker

oder eine Such-Kampagne

namens „Gehst du Kita, Digger?“

Der Erfolg ist minimal.

Schuld ist…