Abhauen im Spiel

Kinder hauen selten ab – außer im Spiel. Dort erkunden sie gerne, was es heißt, irgendwo festgehalten zu werden und sich mit List oder Kraft zu befreien. Vielleicht auch, welche Gründe es geben könnte, das Undenkbare zu tun: auszureißen.

Hier gibts den Artikel als PDF: Spielwiese_#3_2021

Spielt mit den Kindern Abhau-Spiele!

Geht gemeinsam ins Gefängnis…

… zumindest im Spiel oder in Gedanken: Baut mit Kindern Verließe, Kerker, Miniaturgefängnisse, um über Strafe, Gerechtigkeit und die Lust am Ausbrechen zu reden.

Spielt Zoo…

… um vielleicht auf ein Dilemma zu stoßen: Der Löwe will bestimmt abhauen, aber die Kinder im Zoo haben Angst davor und wollen ihn immer wieder besichtigen. Wer darf über wen bestimmen?

Sprecht über Kinderrechte…

… nämlich die Frage: Dürfen Große Kleinen vorschreiben, dass sie nicht abhauen dürfen? Was ist, wenn Abhauen die beste Lösung ist?

Lest Abhau-Geschichten…

… von Kindern, die aus Not oder Lust abhauen, zum Beispiel die fröhliche Pippi Langstrumpf mit Tommi und Annika, aber auch der schlecht behandelte Bosse in „Mio, mein Mio“. Wann wäre es gut,
selbst abzuhauen?

Spielt „Plumpsack“

Alle stehen im Kreis und sehen nach innen, einer geht rum und lässt den Plumpsack hinter ein Kind fallen. Jetzt heißt es für dieses Kind, mit dem Plumpsack-Werfer um die Wette den Kreis zu umrunden, und wer nicht als erster die Lücke wieder füllt, muss weiter Plumpsäcke verteilen. Fangspiele sind gut, weil man das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, spielerisch erkunden kann.

Spielt „Wenn der Kaiser durchs Land geht…

… mag er kein grün“. Also dürfen, wenn die Kaiserin das so möchte, alle Kinder gefangen werden, die nicht rechtzeitig abhauen. Gute Frage: Warum darf der Kaiser das entscheiden?

Ähnlich geht: „Herr Fischer, welche Fahne weht?“

Fesselt Kinder…

…die Lust auf Entfesselung haben. Entfesseln ist die einfachste Form des Escape-Room-Spiels: Wie kriege ich Knoten auf, wie trickse ich den Fessler aus?

Erzählt Abhau-Geschichten…

… aus der eigenen Erinnerung. Wahrscheinlich kennen alle Kinder das Gefühl, vor Wut die Familie oder die Freunde verlassen zu wollen. Gut, wenn man hört, dass Erwachsene es auch kennen – und erzählen, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Haut zusammen ab…

… und zwar auf Experimentellen Reisen. Das geht zum Beispiel so: Erste Straße rechts gehen, zweite links, dritte wieder rechts. Die Idee dahinter: Wer ohne Ziel „abhaut“, erlebt die meisten unerwarteten Dinge.

Spielt „Wer hat Angst vorm…

… schwarzen Mann?“ Übrigens hat das uralte Spiel nichts mit Hautfarbe zu tun, denn die dunkle Gestalt ist der Tod, sagen HistorikerInnen. Trotzdem – und weil es lustiger wird – ersetzen wir beim Fangspiel, bei dem es darum geht, das Spielfeld ungefangen zu queren, den düsteren Herrn durch: die gelbe Frau, den gepunkteten Saurier, das rosa Krokodil.

Foto: Andrew Neel / unsplash

Sag ’s, wie ’s ist!

Schreib-, Sprech- und Aufwärm-Spiele

Durch die Umgestaltung der Schlafsituation zu einem ganzheitlichen Moment des Innehaltens und Ausruhens im Sinne des Neuschöpfens von Kräften, an dem die Kinder partizipativ beteiligt…
Nee, mit dem Quatsch überzeugst du weder die Eltern, den Träger noch die KollegInnen – und erst recht nicht dich. Bevor du dir über kokonstruktive Kommunikationsformen und individuell initiierte Interaktionspartner-Auswahl Kopf und Zunge zerbrichst, probierst du besser diese Sprach-Lockerungs-Übungen aus.

Weiter lesen

Essbare Spiele

Mit Lebensmitteln spielt man nicht, erklärt Tante Agathe. Nie gelernt oder vergessen hat sie, dass Kinder alles im Spiel erforschen müssen, um herauszufinden, was man damit machen kann. Vielleicht isst nur Brokkoli, wer sich im Spiel von seiner Harmlosigkeit überzeugt hat? Probiere es aus, indem du Kinder zum Spiel mit Lebensmitteln einlädst, zum Beispiel: Weiter lesen

Mal die anderen sein

Immer sind wir wir – und die Anderen die Anderen.
Langweiliger geht es nicht. Aber andersherum geht es gut.

Spielt mit den Kindern – oder vielleicht auch mit Erwachsenen – Spiele, in denen ihr die Perspektive wechselt und die seid, die ihr sonst nie seid.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schluss- mach-Spiele

Weil Wandel nun mal zum Leben gehört, ist es ratsam, Aufhören zu üben. Wer Schlussmachen spielt, kann die Angst vor Veränderung abbauen, weil sich zeigt: Immer kommt etwas Neues nach.

Hier sind Spiele mit großen und kleinen Schlussmach-Momenten:

 

Vergängliche Kunstwerke erschaffen: Ein Bild malen, sich freuen, es übermalen. Dabei bedenken: Auch Musik verschwindet, sobald sie verklungen ist.

 

Dinge auf einer Liste sammeln, die in Gefahr sind, aber die man nicht vermissen möchte. Für deren Erhalt kämpfen.

 

Aus Bausteinen ein großes Schloss bauen und es mutig gleich wieder zerstören. Fotos machen verboten!

Vielgeliebte, aber überholte Lieblingsdinge über Nacht verschwinden lassen und testen, ob wer was merkt. Merkt keiner was, endgültig verschwinden lassen. Merkt wer was, fragen: Brauchen wir das wirklich?

Beim spektakulären Ausflug eine Kamera ohne Speicherkarte mitnehmen, um Bilder zu knipsen, die ausschließlich im Kopf zu behalten sind.

 

Dinge, die sich zersetzen, gemeinsam vergraben. Eine ganze Weile später nachschauen: Ist noch etwas da?

 

Einen Weggebe-Kalender einrichten, bei dem als Gegenstück zum Adventskalender jeden Tag ein schönes, aber überflüssiges Ding feierlich verabschiedet und weggegeben wird.

 

Miteinander „Die besten Beerdigungen der Welt“ spielen, mit vielen falschen Tränen. Nachher freuen: War nur Quatsch.

 

Schluss mit Tisch da, Teppich dort, Verkleideecke da hinten. Alles im Raum ein Mal im Monat komplett umstellen, damit der Raum neu erlebt werden kann.

 

Von der Zahnfee lernen: Neue Rituale erfinden, um die Loslösung von liebgewonnenen, aber langweilig oder überflüssig gewordenen Dingen zu begleiten. Wie wäre ein „Mein Handschuh ist verschwunden“-Klagelied?

 

Spielen: Was wäre, wenn es plötzlich kein Telefon, Spielzeug oder Brot, keine Bücher oder Bausteine mehr gäbe? Das Spiel einen Tag lang ganz ernsthaft durchhalten.

 

Vorlieben-Lotterie spielen: Hans liebt Lego, Lea liebt Spagetti. Wie fühlt es sich an, wenn wir für einen Tag die Vorlieben tauschen?

 

Ein Erinnerungs-Museum einrichten: Für Dinge und Menschen, die verschwunden sind – Kolleginnen, Schulkinder, der alte Baum vorm Haus, Saras Kaninchen –, ein Gedenkbuch anlegen, das man durchblättern und sich erinnern kann.

 

Ein Wegschmeiß-Fest feiern, bei dem – als Gegenstück zu Weihnachten – auf einem Gabentisch unnötige Dinge versammelt werden, die weggegeben oder vernichtet beziehungsweise recycelt werden können.

 

Das Rollenspiel „Auswandern“: Was wäre, wenn wir wie Hänschen klein in die weite Welt gingen? Wer trauert wie lange, wer erlebt wann etwas Neues?

 

Erprobte Reaktionen verändern: Was sage ich normalerweise immer in diesem Fall?

 

Was könnte ich ab heute ganz anders sagen? Welche neuen Erlebnisse verschafft mir das?

 

Mintspiele

Nee, heute mal keine Experimentier-Stunde mit Anwesenheitspflicht, weil dabei das Portfolioblatt „Ich experimentiere gern“ entsteht. Heute wird gespielt – und zwar mit naturwissenschaftlichen Kernthemen:

Kriegsspiele

Keiner mag Kriegsspiele – außer Kindern und uns, als wir noch Kinder waren.

Wer Kriegsspiele ablehnt, hat natürlich Recht, weil Krieg doof ist, aber auch Unrecht, weil Kriegsspiele kein Krieg sind, sondern Spiele. Es ist ein Unterschied, ob man mit täuschend echten Waffen virtuell auf Avatare zielt oder sich sommers mit weichen Wasserbomben bewirft und das Schlacht nennt. Übrigens sind Schach, Dame oder Halma Kriegsspiele, und niemand bricht in Tränen aus, wenn beim Solitärhalma nur noch ein einziger Überlebender auf dem Holzbrett steht. Außerdem ist „Die gegen uns“ immer ein gutes Grundmotiv beim Spielen – egal, ob Indianer gegen Cowgirls oder Räuberinnen gegen Gendarmen kämpfen.

Gönn dir und den Deinen ab und zu eine eskalierende Schlacht, um den Frieden danach zu genießen.

 

 

 

 

 

Sich was einfallen lassen

Dir fällt mal wieder nix ein? Dir fällt ausnahmsweise nix ein? Egal, wie es um deinen Einfallsreichtum bestellt ist: Abhilfe schaffen die folgenden Kreativitäts-Spieltipps.

 

 

Ziellos sein

Wer erst einmal alles liest, betrachtet oder anhört,
das irgendwie zum Thema passt, gibt seinem Gehirn Nahrung, so dass Ideen reifen können. Wichtig: Nicht bewerten, welcher Gedanke wirklich weiterhilft.

 

Blätter beschmieren

Statt grübelnd dazusitzen, hilft es, noch so dumme Ideen, Satzanfänge oder Skizzen auf Papier zu kritzeln oder Computerdokumente damit zu füllen.
Oft schält sich aus sinnlosem Geschreibsel
plötzlich ein guter Satz heraus.

 

Andere bequatschen

Um ein Problem klar umreißen zu können, empfiehlt es sich, möglichst ahnungslosen Menschen davon zu erzählen. Nicht, weil die etwas dazu beitragen könnten,
sondern weil Sprechen die Gedanken ordnet.

 

Kommissar Zufall befragen

Schlag ein Buch auf, tippe blind auf drei Wörter und überlege, ob sie bei der Ideenfindung helfen. Oder ziehe Karten, schreib das ABC auf und finde zu jedem Buchstaben ein passendes Wort zum Thema, denn: Zufallsverfahren machen locker.

 

vom Gegenteil ausgehen

Statt zu darüber zu sinnieren, was die beste Lösung
wäre, kann man nach der dümmsten, peinlichsten, gefährlichsten Lösung fahnden, um hintenherum
wirklich auf Ideen zu kommen. Vor allem, wenn die Ideen so dumm sind, dass man lachen muss.
Gelächter ist einer der besten Kreativitäts-Helfer.

 

total aufregen

Manchen Leuten hilft es, Schmierzettel zu zerrupfen,
mit den Füßen zu stampfen, zu fluchen, Kuscheltiere zu hauen oder in den Wutball zu beißen.
Bei solch einem Ausbruch entlädt sich kreativitätsfeindlicher Erfolgsdruck. Empfehlenswert: Familienangehörige vorab warnen und schonen.

 

vertagen

Kreativität braucht Zeit, weil Gedanken im Gehirn neu sortiert werden müssen. Deshalb ist es gut, sich drei Tage Zeit zum Ideenentwickeln zu lassen:
Erster Tag zum Loslegen und frühen Vertagen, dann schlafen, am nächsten Tag weitermachen und sich ärgern, noch mal schlafen und plötzlich loslegen können. Manchmal sind es auch vier oder sieben Tage…

Nebenbeschäftigungen suchen

Wer etwas Dringendes erledigen muss, hat oft unbändige Lust, stattdessen eine weniger dringliche Sache anzugehen. Es tut gut, mehrere Projekte gleichzeitig
am Start zu haben, um die Schubkraft der „Ich mach jetzt aber lieber…“-Energie zu nutzen.

 

pausieren

Pausen sind kreativitätsfördernd, wenn das Gehirn unterdessen nicht gefordert ist. Also: An nix denken. Computerspiele und Kreuzworträtsel
eignen sich nicht als Pausenbeschäftigung, weil Denken damit verbunden ist. Betätigungen wie Yoga, Laufen, Radeln oder Stricken eignen sich hingegen perfekt – außer wir lenken uns dabei mit irgendwelchen Medien ab.

Das Problem durch den Wald jagen

Bei Spaziergängen durch Wald, Feld oder Park
kommen uns plötzlich ungeahnte Lösungen in den Sinn.
Der Grund: Uns geht’s gut, es gibt wenig Ablenkung, und wir widmen uns einfachen körperlichen Aktivitäten.

 

Ins Bad verschwinden

Badezimmer sind ideale Orte, um kreative Ideen auszubrüten, weil man unter der Dusche oder auf
dem Klo ganz „Körper“ ist, sinnlich erlebt
und Gedankenblockaden abbaut.

 

aufräumen

Kreatives Chaos wird überschätzt. Gerade in einer Denkpause macht es Sinn, den Schreibtisch, den Teamraum, die Küche oder gar den Garten aufzuräumen.
Mit doppeltem Effekt: Nachher sieht es schön aus –
und beim langweiligen Tun fließen die Gedanken
unbewusst weiter.

 

Bis zum letzten Drücker warten

Doof, aber oft unvermeidlich ist, dass kreative Ideen sich erst einstellen, wenn der entscheidende Termin kurz bevorsteht. Hören wir einfach auf, uns vorzunehmen,
beim nächsten Mal „rechtzeitig“ anzufangen,
um den Schub durch Termindruck auskosten zu können.

Freuen

Ist eine Idee umgesetzt, sollten wir uns feiern und uns eine besonders schöne Pause gönnen, statt sofort an die unerledigte Steuererklärung zu gehen. Für die nächste Ideenfindung hilft es, das mit dem Erledigen verbundene Glücksgefühl voll auszukosten.

 

Lobduschen

Allein gefreut ist halb gefreut!
Holen wir uns für unsere megageile Idee die Bewunderung,
die sie verdient.

Foto: photocase, joto