Spiele, die dich zur Schnecke machen

Für den 5-Minuten-Weg zum Laden um die Ecke überreichlich viel Zeit einplanen: 90 Minuten.

Ein Handy auf ein Stativ im Garten stellen und mit der App „Zeitraffer“ Schnecken filmen.

Dinge, die leicht verrotten, in den Garten legen – zum Beispiel 20 angefaulte Äpfel – und sie jeden Tag besuchen: Was hat sich verändert?

5 Minuten lang die Sekunden zählen.

Nach alten Fotos von draußen oder drinnen suchen und genau am gleichen Ort neue Fotos machen.

Einen Stock als Sonnenuhr in den Boden stecken und alle 15 Minuten den Schattenverlauf markieren.

Eine Brotscheibe 20-, 200-, 500-mal kauen.

Eine Murmelbahn mit ganz geringem Gefälle bauen.

Am Boden liegen und den Gang der Wolken beobachten.

 

„Allemeineentchen“ so langsam, aber mit Hall auf dem Klavier spielen, dass das Stück 4 Minuten dauert, vielleicht sogar 8.

 

Die Antwort auf eine eilige E-Mail als Brief versenden. Oder per Bote?

Mikado spielen – weil der Schnellste dabei meist verliert.

Für das Erklimmen einer langen Treppe pro Stufe 5 Minuten einplanen, eine Stoppuhr zur Kontrolle einsetzen – und gespannt sein, wann man oben ist.

Zähen Schleim aus Wasser und Stärkemehl anrühren, das Gefäß umkippen und zuschauen, wie die Masse sich langsam ihren Weg bahnt – vom Tisch hinab.

In ein Bächlein Steine legen und beobachten, wie das Wasser seinen Lauf verändert.

Ein schweres, langes Pendel – nach Foucaultschem Vorbild – hoch oben aufhängen und seine langsamen, und vielleicht bis zur Kreisbewegung reichenden Schwünge betrachten.

Spiele mit Geschwindigkeitswechsel spielen: Jetzt schnell bewegen! Jetzt stoppen! Jetzt gaaanz langsam!

Sein Gegenüber anstarren: Wer zuerst zwinkert, hat verloren.

Auf einem gut geölten Karussell sitzen, sich schnell drehen lassen und bis zum vollständigen Stillstand sitzen bleiben.

Jemanden in einer fernen Stadt besuchen und dafür besonders langsame Regionalbahn-Strecken nutzen: über Gotteszell, Ruhmannsfelden, Wimbach-Untergscheid nach Berlin. Wahrscheinlich hilft die Bahn sogar dabei – mit Verzögerungen im Betriebsablauf.

 

Und jetzt du!

Foto: Ahkka / photocase.de

Den Helden spielen

Sich mit Poolnudeln oder Isolierrohren aus Schaumstoff bewaffnen und heldenhaft gegeneinander kämpfen

Orden herstellen – siehe 1€ Pädagogik: Blech – und jemanden, der es verdient, würdevoll damit dekorieren

Puppen oder Kuscheltiere mit Goldfarbe bepinseln und als Heldendenkmäler aufstellen

Eine Aufgabe übernehmen, vor der sich alle drücken, und sich danach selbst auf die Schulter klopfen

Etwas tun, das man immer eklig fand – mit ­Styropor quietschen, ein Teewurstbrot essen, ein ödes Computerspiel mitspielen, den muffigen Hund vom Nachbarn streicheln – und sich dabei ganz kühn vorkommen

Beim Schokolade-Aufteilen auf das eigene Stück verzichten

Die fast komplette Fußballbild-Sammlung feierlich ins Lagerfeuer werfen

Dem Bettler in der U-Bahn 5 Euro geben und sich großzügig finden

Sich ohne Licht durch die Kellergänge tasten

Über eigene peinliche Momente sprechen, obwohl Leute zuhören, die man nicht mag

Über Momente sprechen, auf die man stolz ist, obwohl Leute zuhören, die das total angeberisch finden

Mit dem größten Unsympathen aus der Nachbarschaft ein nettes Gespräch führen

Aus einem alten Stuhl einen Thron bauen, ihn in die Öffentlichkeit schleppen, sich selbst oder jemand anderen draufsetzen und verehren lassen

Leuten Heldenepen schreiben: Für Uschi, die den vollen Windeleimer bezwang

 

Und jetzt du!

Hubstebcan

Buchstaben kann man ihrem Gebrauchszweck entsprechend zu Wörtern zusammenstellen – unter Berücksichtigung der Rechtschreibung. Oder man nutzt sie als Kreativ-Spielzeug und stellt den Sinn, der sonst immer Vorrang hat, hintenan. Spielt doch mal Buchstaben- und Wortspiele, zum Beispiel diese:

Spiele der Ü-18-Kinder

Was brauchen Erwachsene, um zu spielen? Einen Kasten, darin ein Spielbrett, Spielsteine, Aufgabenkarten, der sechsseitige Dopplerwürfel sowie Astrid und Holger, ein befreundetes Pärchen? Es geht auch anders. Wohl jeder von uns spielt heimlich ­Ein-Personen-Spiele mit Spielmaterialien des Alltags. Wir haben uns umgehört und gesammelt, was unser Umfeld für Spiele mit sich selbst spielt. Weiter lesen