Kind in der Kiste

Bilderbuch

Wenn man seine Eltern immer für sich hatte, ist es die reinste Zumutung, sie mit einem neuen Geschwisterkind teilen zu müssen. So geht’s dem Mädchen in „Kind zu verschenken“. Das Baby sehe aus wie ein Äffchen, findet das Mädchen, schreie und kacke nur herum. Was für eine Gemeinheit, dass die Eltern es den ganzen Tag betutteln! Das Kind beschließt, sich neue Eltern zu suchen, und setzt sich in eine Kiste, auf die es „Kind zu verschenken“ schreibt.

Was nun folgt, kann man seitenlang beobachten: wie es sich da auf der Straße feilbietet; wer nach und nach mit in die Kiste zieht – und sich wieder verabschiedet.

Das emotionale Wechselspiel des Kindes aus Wut, ­Traurigkeit und Zuversicht fängt Hiroshi Ito mit wenigen Strichen ausdrucksstark ein. Berührend und witzig zugleich! Ab 5.

Hier gibt es alle Medientipps als PDF: Medien_#5_2023

A taaavola! — Zu Tihisch!

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Von einer Reise nach Italien brachte ich meinem Enkel Egon ein Pappbuch mit. Es ist in italienischer Sprache geschrieben, die weder ich noch der einjährige Egon beherrschen. Doch als ich mir das Buch in Orvieto ansah, hatte ich das Gefühl: Das verstehe ich sofort. Zu Hause übersetzte ich die wenigen Texte mit Hilfe des Internets und merkte dabei, wo ich ein bisschen daneben lag. Aber die Grundidee war unmissverständlich: Schwarze und weiße Pädagogik wurden verspottet. Aber gründlich.

Worum geht es?

Die Mutter hat gekocht. Gemüsesuppe gibt es. Das Kind wird zu Tisch gerufen und kommt fröhlich angerannt. Doch Gemüsesuppe mag es nicht. Alle Überredungsversuche der Mutter scheitern. Also greift sie zum letzten Mittel: „Wenn du das nicht isst, frisst dich der Wolf.“

Pfff! Das glaubt das Kind nicht. Doch dann heißt es: „Lupo, a taaavola!“ Und tatsächlich kommt ein Wolf an den Tisch. „Man hat mich gerufen?“ Doch genau so, wie das Kind keine Gemüsesuppe essen möchte, mag der Wolf keine Kinder. Alle Überredungskünste nützen nichts, und so ruft die Mutter den „Orco“, vermutlich eine Art Menschenfresser-Riese, an dessen Existenz nicht mal der Wolf glaubt.

Orco mag natürlich keine Wölfe. Stattdessen würde er lieber diese leckere Suppe essen. Da ruft das Kind empört: „Das ist meine Suppe, und die esse ich!“ Wolf und Riese gehen leer aus.

Das ist so schön unpädagogisch! Je öfter ich Egons Buch ansah und anderen Leuten davon erzählte, desto stärker wurde der Wunsch, es auch zu besitzen. Außerdem wollte ich es gern in meinem Kindergarten vorlesen, am besten auf Deutsch und Italienisch.

Also besorgte ich mir mit Hilfe von Egons Papa mehrere Exemplare für die Arbeit, für mich und zum Verschenken. Beim Vorlesen in der Kita sprang meine Begeisterung allerdings nicht sofort auf die Kinder über. Vermutlich nahmen sie die Geschichte ernst. Deshalb fragte ich: „Würde denn eure Mama oder euer Papa so etwas machen – mit dem Wolf drohen oder einem Orco?“ Nein, natürlich nicht. Aber Juna meinte: „Ich würde das vielleicht als Mama zu meinem Kind später mal sagen.“

Zum Glück fand ich danach andere Zuhörer. Justus und Linus lasen sich die Geschichte selbst vor, in ganz eigener Version, und amüsierten sich sehr.

Als eins meiner Lieblingsbücher steht das Buch nun bei mir im Büro, wo es Justus wiederentdeckte. Mit Juna bat er mich, die Geschichte während des Spätdienstes vorzulesen. Immer wieder, auf Deutsch und Italienisch. Als sie abgeholt wurden, riefen die beiden laut: „A taaavola, a taaavola!“

 

Scheiße sagt man nicht!

Bilderbuch

 

„Scheiße sagt man nicht“, erklärt die weiße Maus mit erhobenem Zeigefinger. Warum denn nicht?

In kleinen Alltagsszenen bricht ein eigentlich gut gelaunter Handwerker in wütendes Geschrei aus – „Himmel-Arsch-und-Zwirn!“ –, wenn er seinen Daumen mit dem großen Hammer trifft. Sorgfältig wiederholt die Maus den unanständigen Ausdruck, bevor sie mahnt: „Sagt man nicht.“ Von Doppelseite zu Doppelseite nimmt das Geschimpfe zu. „Verdammte Scheiße!“ heißt es, wenn das Super-Rieseneis in runterfällt, „Pupsiwurst!“, wenn die große Schwester sich ärgert. Stets springt das Mäuslein auf und piepst: „Sagt man nicht.“

Zettel mit Hinweisen auf „Ausweichwörter“ sollen Abhilfe schaffen. Aber die Situationen, in denen einem die (Schimpf-)Worte fehlen, häufen sich, und schließlich landet sogar die weiße Anstandsmaus voll in der Scheiße. Was sagt sie da? Genau! „Das sagt man aber nicht!“ rufen jetzt alle anderen.

Auf der letzten Doppelseite finden sich übrigens ein paar pädagogische Hinweise, was man tun kann, um die Schimpferei nicht überhand nehmen zu lassen. Ab 4.

 

Es begab sich aber…

Bilderbuch

 

Spätestens seit der Illustration von Jutta Bauer, die die Heilige Familie vor einer Mauer zeigt, auf der „Asylanten raus“ steht, wird die Weihnachtsgeschichte auch anders als in früheren Zeiten erzählt. Armut und Heimatlosigkeit verkommen nicht zur Idylle.

In „Es begab sich aber zu der Zeit“ ist ein Paar in einem städtischen Viertel unterwegs. Es ist dunkel, nur wenige Menschen sind auf der Straße. Die beiden sind schon lange auf den Beinen, und die Frau, so verrät es der Text, ist schwanger. In einem Haus steht das Tor zur Garage – der Stall der Neuzeit – offen, und hier bringt die Frau ihr Kind zur Welt. Zu Besuch kommen eine Polizistin mit einem Pferd, Kinder, Erwachsene und immer mehr Leute. Sie machen Musik, sie singen und umarmen sich.

Erst auf den letzten Seiten wird all das mit der Geburt Jesu in Beziehung gesetzt, die wir natürlich schon im Hinterkopf haben, obwohl es weder Heiligenscheine noch Engel gibt.

Denn so oder ähnlich kommen überall Kinder zur Welt, denen man Geschenke bringen könnte und sollte.

Eine Bilderbuchgeschichte die den Blick darauf richtet, dass es Weihnachten nicht um Geschenke geht und dass eine Geburt in einem Stall oder einer Garage keine Idylle ist, sondern der Not gehorcht und vielleicht den Gedanken nahe legt, vom eigenen Überfluss etwas abzugeben. Ab 4.

 

 

Mein Freund passt nicht aufs Klo

Bilderbuch

 

Weil es draußen regnet, hat die Ich-Erzählerin es sich drinnen schön gemütlich gemacht. Da klingelt es, und Freund Fred, der Drache, steht vor der Tür. Sie weiß, dass er Würstchen und viel Kaffee liebt, und so geht es auch ihm bald richtig gut – bis ein pieseliges Geräusch ertönt und den Drachenfreund an seine übervolle Blase erinnert. Doch Menschen-Klos sind nicht für ausgewachsene Drachen gedacht. Nun beginnt eine immer dringlicher werdende Suche nach dem Örtchen für Drachenbedürfnisse. Dabei entdecken wir von Hunden, die das Bein heben, bis zu Brunnenfiguren aus Stein Beispiele für die vielfältigen Formen des Pinkelns. Doch das ist alles nichts für einen ausgewachsenen Drachen. Mit seiner Freundin fliegt er schließlich eiligst zu einer Bucht, in der zauberhafte Pinkelschlösschen auf ihre Besucher warten.

Die verregneten Bilder von Julie Völk sind alles andere als grau-in-grau, ein Goldton lässt Lampen leuchten und Bäume erglühen. Überall schimmern Pastelltöne durch das zarte Grau.

Ein Bilderbuch, das dem Pinkeln seine schönsten Seiten abgewinnt. Ab 3.

 

Federleichte Mami-Suche

Bilderbuch

 

„Mami, Mami“, schreien drei kleine Entchen, und wir erkennen sofort, was sie sind: Kinder! Ununterbrochen suchen sie etwas, aber Mutter Ente weiß immer ganz genau, wo alles ist. Immer, wenn sie es sich mit ihrem Buch gemütlich machen will, kommen die drei mit einer neuen Suchanfrage. Einmal sind sie so stürmisch, dass sie ihre Mutter unter einer Decke „begraben“ und nicht finden. Das bringt die Ente auf die Idee, sich auf dem Baum zu verstecken. Erst mitten in der Nacht finden die Entchen ihre inzwischen schlafende Mutter hoch oben in den Ästen und kuscheln sich an sie. Ab 3.

 

Das ist mein Papa!

Bilderbuch

Ein ganzer Tag mit Papa Johnny ist für Tim das Größte! Er freut sich und stellt seinen Papa stolz allen vor, die ihnen begegnen: der Würstchenverkäuferin, dem Kartenabreißer im Kino, dem Kellner in der Pizzeria und der Bibliothekarin an der Ausleihe. Ganz zum Schluss ist noch das kleine Café mit den Törtchen dran. Aber wichtiger als all das ist es, der Welt zu verkünden: Das ist mein Papa!

Die anrührende Bildgeschichte erzählt von den Gefühlen zwischen Vater und Sohn, von der stillen Schüchternheit der beiden, aus der die freudige Begeisterung, die starke Zuneigung hervorbricht. Eine innige Liebe, die die Trennung überdauert. Ab 4.

 

Das komische Gefühl

Bilderbuch

 

Hallo, du! Weißt du, wer ich bin? Ich bin das komische Gefühl. Dein komisches Gefühl! Was? Du siehst mich nicht? Ja klar, du kannst mich auch gar nicht sehen. Niemand kann mich sehen. Aber ich bin trotzdem da. Du kannst mich nur spüren. Meistens irgendwo so zwischen Bauch und Herz. Ich passe auf dich auf. Damit du merkst, wenn etwas nicht stimmt. Damit du nein sagst, wenn nötig. Oder dir Hilfe holst. Ein wunderbares Kraftbuch für alle Kinder ab 4.

Das NEINhorn

Bilderbuch

Im Herzwald kommt ein kleines, schnickeldischnuckeliges Einhorn zur Welt. Aber obwohl alle ganz lilalieb zu ihm sind und es ständig mit gezuckertem Glücksklee füttern, benimmt sich das Tierchen ganz und gar nicht einhornmäßig. Es sagt einfach immer Nein, sodass seine Familie es bald nur noch NEINhorn nennt. Eines Tages bricht das NEINhorn aus seiner Zuckerwattewelt aus. Es trifft einen Waschbären, der nicht zuhört, einen Hund, dem alles schnuppe ist, und eine Prinzessin, die immer Widerworte gibt. Die vier sind ein ziemlich gutes Team. Denn sogar bockig sein, macht zusammen viel mehr Spaß! Ab 3.

Alte Damen, alte Herren

 

Bilderbuch

Wer denkt, alte Damen und Herren sitzen den lieben langen Tag nur auf der Bank und füttern Tauben, der irrt. In Wirklichkeit ist es nämlich ganz anders. Alte Damen und Herren machen dies und das, sind sehr aktiv und hauen ordentlich auf den Putz, sind klug und weise und haben viel zu erzählen. Man muss ihnen nur zuhören. Zwei humorvolle Bilderbücher, die mit einigen Vorurteilen aufräumen.

Hundert

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Ein Buch wie das Leben selbst. Es besteht aus 100 kleineren und größeren Lektionen, die man im Laufe seines Lebens lernt. Über all die großen Themen: Liebe und Tod, Freundschaft und Glück, Angst und Schmerz, Hoffnung und Träume.

Hundert ist ein Buch für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, ein Buch zum Vorblättern und Zurückblättern, zum Fantasieren und miteinander ins Gespräch kommen. Es geht um alles, was man im Leben lernt: Der erste Purzelbaum, die erste Liebe, das erste Mal Kaffee trinken und die Erkenntnis, wie riesengroß die Welt ist. Später begreift man, dass man sich immer noch nicht erwachsen fühlt, auch wenn die mittleren Jahre längst erreicht sind. Und im hohen Alter lernt man nicht nur, wie kostbar die Zeit ist, sondern auch, Dinge zu verlernen. Und die Angst vor dem Tod zu verlieren. Das ist der natürliche Prozess des Lebens. Heike Faller serviert uns keine Lebensweisheiten, sie hat mit jungen und alten Menschen gesprochen und deren Erfahrungen in kurze Sätze gefasst, die sich zusammenhängend lesen wie ein schönes, anrührendes Gedicht über das Leben.

 

Was wird aus uns?

Bilderbuch

Die Welt, wie wir sie kennen, wird untergehen. Sie ist schon dabei. Und was kommt dann? Dieses Buch entwirft in knappen Texten und auf spektakulären Bildtafeln ganz verschiedene Szenarien für unsere Zukunft. Werden wir nur in Raumschiffen überleben können? Kommt eine große Dürre oder doch eher eine Flut? Könnte es vielleicht auch schön werden, zum Beispiel ohne Kriege und Grenzen? Wie wäre das Leben ohne Autos oder mit freien Tieren? In zwölf kühnen Visionen beschreibt Andrea Paluch die möglichen Unter- und Weitergänge unserer jetzigen Welt, immer mit Blick auf den konkreten Alltag einer Familie. Die leuchtenden, großformatigen Bilder, die Annabelle von Sperber dazu geschaffen hat, sind bedrückend und berückend und lösen eine Flut von weiteren Fantasien aus.

Wunderschön, schaurig und inspirierend – ein Bilderbuch voller Stoff für Visionen, Diskussionen und Träume. Ab 8 Jahre und für alle, die diese Welt lieben!