Kung-Fu-Huhn gegen Fuchs

Kinderbuch

Ein Huhn besiegt einen Fuchs. Klingt nach Quatsch. Ist aber passiert.Vindaloo, benannt nach einem scharfen Curry, lebt im Garten der Familie Power. Als ein Fuchs angreift, kontert sie – und gewinnt. Später vertreibt sie sogar einen Habicht. Die Geschichte basiert auf echten Ereignissen, wird aber herrlich ausgeschmückt. Mit wilden Kampfszenen, hypnotischen Blicken – und einem Huhn, das nicht aufgibt. Denn Vindaloo zahlt einen Preis: Sie wird schwer krank, verliert einen Flügel. Mit Hilfe einer Tierärztin und viel Fürsorge kämpft sie sich zurück. Eine Geschichte über Mut, Verletzlichkeit – und ein ziemlich zähes Huhn. Ab 5 Jahren.

 

Rotkäppchen sprengt den Rahmen

Bilderbuch

Neue Bücher aus alten Märchen – keine leichte Aufgabe.

Die einen finden die Geschichten überholt, zu brutal, zu gruselig. Die anderen winken ab: Schon wieder Rotkäppchen?

Delphine Bournay dreht den Spieß einfach um – und das schon auf dem Cover. Rotkäppchen und der Wolf sind so eng zusammengedrängt, dass das Mädchen die Nase plattdrückt und der Wolf in der Kniebeuge hockt, um nicht aus dem Bild zu ragen. Beide sehen ziemlich genervt aus. Verständlich. Denn sie stecken fest – in ihrer eigenen Geschichte.

Und die kommt gar nicht erst richtig in Gang. Kaum steht das Mädchen mit dem Kuchen im Wald, beschwert es sich: zu klein, kaum sichtbar neben dem lauernden Wolf. Also spricht es kurzerhand die Zeichnerin an: Ob sie es bitte größer zeichnen könne?

Damit kippt alles. Die Figuren treten aus der Geschichte heraus, verhandeln mit ihrer eigenen Schöpferin – und wachsen. Erst Rotkäppchen, dann der Wolf. Bis beide so groß sind, dass sie nicht mehr ganz auf die Seite passen. Und plötzlich wird klar: So lässt sich die Geschichte auch nicht mehr erzählen.

Dann reicht es der Zeichnerin. Das Märchen kenne ohnehin jeder, sagt sie, und räumt radikal auf: Rot für das Mädchen, Gelb für den Kuchen, Braun für den Wolf. Aus der Geschichte wird ein abstraktes Bild. Mit wirbelnden Farbflächen gelingt eine witzige, überraschende Neuinterpretation – und ganz nebenbei eine Einladung in die Welt der modernen Kunst. Und Rotkäppchen und der Wolf? Die haben natürlich das letzte Wort – bockig und herrlich! Ab 4 Jahren.

 

Wer darf „Mäh“ sagen?

BILDERBUCH

Auf dem Bauernhof gibt’s Streit: Schaf und Ziege wollen beide „Mäh“ für sich. Beide bestehen darauf, dass der Laut ihnen gehört. Diskutieren mit den tierischen Mitbewohnern hilft nicht. Dann landet ein Außerirdischer und schlägt vor: einfach teilen. „Wiffeln“, nennt er das – außerirdisch für Teilen. Klingt gut – nur hat er selbst noch nie geteilt. Warum es trotzdem funktioniert? Das müsst ihr vorlesen. Und am besten Zeit für Lachpausen einplanen. Ein Bilderbuch mit Tempo, Witz – und großartigen Tiergesichtern. Ab 3 Jahren.

 

Streit im Weltall – und wie man sich wieder ­verträgt

SACHBUCH

Nach 4,5 Milliarden Jahren reicht’s dem Mond. Er packt seinen Rucksack und zieht los. Mit Turnschuhen und Trotz stapft er durchs All – auf der Suche nach einem besseren Ort. Er besucht die Planeten, probiert sich aus, bleibt nirgends. Am Ende kehrt er zurück. Weil sein Platz doch bei der Erde ist. Und weil man manchmal Abstand braucht, um sich wieder zu vertragen. Eine einfache, kluge Geschichte übers Streiten – und eine erste Reise durchs Sonnensystem. Dazu dicke Filzstiftbilder, die sofort ins Auge springen. Ab 4 Jahren.

 

Freundschaft, Mut und Abschied

KINDERBUCH

Roffe wird sterben. Uno nimmt das erstaunlich gelassen. Roffe ist alt – und nicht mal sein richtiger Opa. Trotzdem fährt Uno mit seinem Papa ins Krankenhaus, um Abschied zu nehmen. Dort trifft er Katjes. Gleich alt, ziemlich besonders. Nicht nur wegen ihres Namens. Bei Katjes fühlt sich der schüchterne, Fremden gegenüber schweigsame Uno nicht falsch. Neben ihr wird er mutiger, spricht mehr, traut sich. Gemeinsam spielen sie im Aufenthaltsraum der Palliativstation Weltuntergang – mit Kometen, Fluten und allem, was dazugehört. Doch dann sagt Papa: Katjes gibt es gar nicht. Nur in Unos Kopf. Und tatsächlich – eines Tages ist sie verschwunden. War sie nur erfunden? Oder war sie genau das, was Uno gebraucht hat? Ab 8 Jahren.

Moor Myrte und das Zaubergarn

Bilderbuch

Sid Sharp erzählt von zwei Schwestern, die in bitterer Armut leben – und doch kaum unterschiedlicher sein könnten. Beatrice ist freundlich, neugierig und erfinderisch. Magnolia dagegen mürrisch, eigennützig und grausam, nicht zuletzt zu den Spinnen, denen sie genüsslich die Beine ausreißt.

Gerade diese Spinnen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Sie fangen Fliegen im zugigen Haus der Schwestern, spinnen Zauberseide und werden schließlich zu Arbeiterinnen, die sich gegen Ausbeutung wehren. Denn Beatrice erhält von der geheimnisvollen Moor Myrte – einem fabelhaften Spinnenwesen – magische Seide, aus der sie für Magnolia einen wunderbar warmen Pullover strickt. Als dieser zum Verkaufsschlager wird, will Magnolia mehr. Die Spinnen aber streiken.

Magnolia macht sich selbst auf die Suche nach neuer Zauberseide und trifft dabei auf Moor Myrte, die keinerlei Ausbeutung duldet. Alles im Wald hat seinen Platz, nichts ist entbehrlich. Als Magnolia schließlich auch noch den liebevoll gestrickten Pullover mit Füßen tritt, ist das Maß voll: Moor Myrte verwandelt sie in eine Fliege – und frisst sie.

Beatrice hingegen erschafft sich aus Spinnweben und Rattenschwänzen eine neue Schwester und lebt mit ihr weiter. Märchenhaft? Ja. Harmlos? Keineswegs. Mit grellen, grotesken Bildern und scharfem Humor hält Sid Sharp unserer Gesellschaft den Spiegel vor. Das Buch erzählt von Macht und Gier, von Ausbeutung und Widerstand – und davon, wie wichtig Umsicht, Solidarität und Mut sind.

Schlich ein Puma in den Tag

Bilderbuch

Am Anfang sind da nur ein paar helle Striche auf Weiß. Nichts Eindeutiges – nur ein Verdacht. Dann entsteht langsam ein Kopf, Augen blitzen auf: Raubtier. Löwe? Fast. Doch das Bild kippt, wird milchig, wird dunkel. Schwarz schiebt sich darüber, Seite um Seite, bis fast alles verschwunden ist. Fast.

Denn ein Auge bleibt. Und plötzlich ist klar: Kein Löwe. Ein Puma. „Schlich ein Puma in den Tag / regte sich / bewegte sich.“

Das Staunen bleibt nicht nur im Bild: Das Gedicht wächst mit jeder Wiederholung, tastet sich vor, hält Spannung, setzt kleine Brüche. Und dann – als hätten wir selbst ein Kratzwerkzeug in der Hand – kommt das Tier zurück. Die Konturen tauchen wieder auf, Schritt für Schritt freigelegt. Später folgen weitere Wesen: Laubfrosch, Kugelfisch, Leguan, Schleiereule. Immer wieder dieses Leise: Werden, Verschwinden, Wiederauftauchen.

Wenn man das Buch zuklappt, fühlt es sich an, als würde etwas weitergehen. Als könnte gleich das nächste Tier im Papier rascheln – und als wären wir es, die es hervorlocken. Ab 5.

Schlammland

Bilderbuch

„Ich habe einen schlechten Charakter.“ Mit diesem Gedanken beginnt Yukis Weg. Sie fühlt sich übersehen, ungeliebt, falsch. Als ihr Bruder sie widerwillig von der Schule abholt, wirft sie den Haustürschlüssel in einen Gully – und steigt hinab in eine unterirdische Welt ihrer Gefühle.

In Beatrice Alemagnas Bilderbuch wird diese Reise zum Abstieg durch Angst, Wut und Einsamkeit. Orte wie Schlammland, Ärgerwald oder das Museum der Zornobjekte geben Yukis Emotionen Gestalt. Herrscherin dieser Welt ist „Ihre Hoheit Matsch“ – furchteinflößend und zugleich fürsorglich. Sie wächst, wenn jemand gemein war, spiegelt, statt zu verurteilen.

Yuki begegnet Wesen, die Schuldgefühle machen, aber auch trösten. Sie lernt, dass ihre Gefühle Raum haben dürfen. Schritt für Schritt verwandeln sich Angst in Mut, Scham in Selbstvertrauen. Diese inneren Bewegungen spiegelt die Bildsprache: Zeichnung, Kreide und Aquarell treffen auf leuchtendes Neon-Gelb, Pink und Blau.

Als Yuki schließlich wieder auftaucht, ist sie verändert. Sie weiß nun: Sie ist nicht allein mit ihrer Wut. Und sie kennt den Weg zurück zu sich selbst – einen Weg, den sie jederzeit wieder gehen kann. Ab 5.

Das Wunder der Flunder

Bilderbuch

Schon am ersten Schultag wird Moritz missverstanden. In seinem Selbstporträt fehlen die Arme, weil er sie sich hinter dem Rücken denkt – einen schönen Stein haltend. Fußball spielt er nicht, er klettert lieber auf Bäume. Im Kunstunterricht übermalt er die Blumen, weil ihn ihr Streben zum Licht interessiert. Doch Lehrkräfte reagieren mit Unverständnis und Korrektur.

Daniela Leidigs Bilderbuch erzählt sensibel von einem Kind, dessen Wahrnehmung nicht in schulische Erwartungen passt. Immer wieder zeigt sich die Spannung zwischen Anpassung und Entfaltung: Fantasie ist gefragt, aber nur innerhalb enger Grenzen. Pausen sollen frei sein, werden aber gelenkt. Eigene Lernwege sind offiziell erwünscht, scheitern jedoch oft an vorschneller Bewertung.

In Collagen aus Aquarell, Kinderzeichnungen, linierten Papieren und wechselnden Perspektiven macht Leidig diese Schieflage sichtbar. Besonders eindrücklich ist die Geschichte der Flunder im Klassen-Aquarium. Moritz fühlt sich ihr verbunden, malt sie aus dem Gedächtnis – mit beiden Augen auf einer Seite. Die Lehrerin verspottet ihn. Doch im Wunder der Geschichte wandern die Augen der Flunder genau dorthin, wo Moritz sie gesehen hat.

Gemeinsam mit Lana befreit er das Tier und bringt es zum Bach. Dort kann die Flunder endlich tanzen – so wie Moritz seine Buchstaben tanzen lässt. Am Ende gibt es keine Glasscheibe mehr, nur noch Farbe, Nähe und Raum für eigene Sichtweisen. Ab 5.

Kindheit West

COMIC

Kindheit – das ist, wenn man mit der blödesten und liebsten Schwester der Welt darum streitet, ob sie am Eis lecken oder abbeißen darf. Kindheit – das ist, wenn man sich beim Streiche-Spielen vor Lachen fast in die Hose macht. Kindheit – das ist, wenn man zwischendurch große Angst hat, aber auch getröstet wird.

In ihren herrlichen Comics erinnert sich Anke Kuhl an ihr Aufwachsen im Westen der 70er und 80er: ehrlich, komisch, gnadenlos direkt. Kein Kind und erst recht kein Erwachsener wird dieses Buch vor dem Umblättern der letzten Seite wohl aus der Hand legen können.

Für alle ab 7.

Kindheit Ost

COMIC

Wie fühlt sich Kindheit an – nicht erzählt, sondern erinnert in Gerüchen, Bildern und kindlichen Gedanken? Nadia Budde spürt in „Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln“ den kleinen Zumutungen und großen Rätseln der Erwachsenenwelt nach. Entstanden ist ein ungewöhnlich sinnliches Erinnerungsbuch, das weniger erklärt als erlebbar macht. Nadia Budde wählt einen sinnlichen, atmosphärischen Zugang zur eigenen Kindheit.

In zehn Kapiteln hält sie Erinnerungen vor allem in Bildern fest, begleitet von knappen Texten, die an entscheidenden Stellen schweigen und Raum für Deutung lassen. Typisch für ihren Blick sind die kindlichen Wahrnehmungen und eigensinnigen Schlussfolgerungen – in einer Zeit, in der man „manchmal unsichtbar ist“ und vieles gründlich missversteht: Begriffe wie „friedliche Chorexistenz“, den wandernden Schnupfenschleim im Kopf oder die Unterschiede von „Stadttod“ und „Landtod“. Buddes Erinnerungen entfalten sich über alle Sinne: der Nackengeruch des Großvaters, der Dunst einer frischen Dauerwelle, ungewaschene Kinderkleidung, dazu die gleichartigen Wohnzimmer im Plattenbau, die sofort Vertrautheit auslösen.

Ein großartiges Buch zum Schwelgen und Staunen, Kichern und Nachdenken. Für alle Kinder von früher und heute.

Märchenbücher

MÄRCHEN

Die schönsten Märchen sind etwas Besonderes, denn in ihnen wird das scheinbar Unmögliche auf einmal Wirklichkeit. Nikolaus Heidelbachs Illustrationen zu Märchen der Brüder Grimm, Hans-Christian Andersen und den Märchen aus aller Welt haben die Sicht auf die Märchen verändert.

Selten wurden sie so hintergründig genau illustriert, so schillernd, schaurig und schön. 53 der bekanntesten und reizvollsten Märchen sind in diesem Prachtband versammelt.