Kinderbuch der Woche: Neues aus der Murkelei

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse.

Ein Gerücht macht die Runde: Gesine Wolkensteins schwarzer Laden soll Kinder verschlucken. Ausgerechnet diese Dame meldet sich auf Mamas Suchzettel nach einer „Nachtfrau“. Das ist ein Babysitter für die ganze Nacht, sind sich Merle (11) und Moritz (8) einig. Doch was ist peinlicher als ein Babysitter für so selbständige Kinder wie sie? So etwas brauchen sie nicht! Aber weil Mama in Zukunft nachts arbeiten muss, ist sie unerbittlich: Sie lässt die Kinder nicht allein.
Seit Papa nicht mehr da ist, haben Merle und Moritz nur ihr Weltempfänger-Radio, um mit ihm in Verbindung zu bleiben. Und ihre Erinnerungen an die vielen Geschichten, die er ihnen erzählt hat. Besonders an die aus der Murkelei. Dieses Land hatte der Schriftsteller Hans Fallada einmal für seine eigenen Kinder erfunden.
Gesine Wolkenstein mit ihrer sich ständig verändernden Augenfarbe und ihrem unheimlichen Wissen über Merles Denken und Fühlen weckt Misstrauen und Abwehr in der Ich-Erzählerin Merle. Daran ändert auch Gesines verführerische Schokolade nichts.
Mitten in der Nacht wachen Merle und Moritz auf. Licht fällt durch die Türschlitze. Plötzlich ist die Tür schwarz und voller aufwändiger Schnitzereien. Die Kinder wollen sie öffnen, und ihre letzten Hemmungen fallen, als sie das Schild auf der Tür lesen: Murkelei.
Das ist doch das Land, aus dem die Geschichten stammen, die ihnen Papa erzählt hatte! Obwohl Moritz sich fürchtet, öffnet Merle die Tür. Dahinter erleben die Kinder unglaubliche Abenteuer und entkommen den Spitzzahntrollen, die sie verführen wollen, ganz viel Schokolade zu essen, nur mit Mühe. Schnell merkt Merle, dass ihr Schokolade futternder Bruder beginnt, sich in einen Spitzzahntroll zu verwandeln. Mit knapper Not gelingt den Geschwistern die Flucht aus der Murkelei, einem Land, in dem Frau Wolle offenbar das Sagen hat.
Doch weil sie ihren Weltempfänger vergessen haben, müssen sich Merle und Moritz in der nächsten Nacht noch einmal in die Murkelei wagen, um ihn wiederzufinden. Schließlich landen sie im dunklen, verlassenen Laden der geheimnisvollen Frau Wolkenstein, die sie bereits erwartet und alles über die Murkelei zu wissen scheint. Das hat sie uns Lesern voraus. Deshalb ist es gut, dass das Buch mit „Fortsetzung folgt“ endet.
Mit Reimen und Gedichten, Zauberregeln und Rätseln führt Jutta Richter durch die nächtlichen Labyrinthe der Murkelei. Ihre Sprache entfaltet eine Magie, die auf bezaubernde Weise altmodisch wirkt – verglichen mit heutigen Fantasy-Abenteuern.
Ich empfehle „Frau Wolle und den Duft von Schokolade“ allen Kindern, die das Märchenhafte lieben, und alle Vorleserinnen oder Vorlesern, die eine begnadete Erzählerin zu schätzen wissen.

Kinderbuch der Woche: Ausreißen und heimkommen

Es ist ein großes Glück, wenn man einen guten Freund wie Berkan hat, der in der Nähe wohnt und in der Schule neben einem sitzt. Es ist ein großes Unglück, wenn man wegziehen soll, weil das Haus angeblich zu klein geworden ist. Als würden Häuser schrumpfen! Das sieht Hendrik nicht ein. Er zieht nicht um. Basta!
Weil keiner ihn versteht, packt er den Koffer und haut ab. Er will zu Berkan. Aber der hat Stress mit seinem Vater, weil er das große Bett künftig nicht mit seiner offenbar dementen Uroma teilen will. Also packt er ein paar Sachen in Hendriks Koffer, und beide ziehen mit dem sperrigen Gepäckstück los.
Doch Abhauen erweist sich als schwierig. Die Jungen kennen sich nicht aus und wissen nicht, wohin. Sie bekommen Hunger und Durst. Und sie haben kein Geld. Aber schlau sind sie schon. Sie sehen Kinder mit Instrumenten zum „Aperitif Konzert“ strömen und stellen sich vor, dass es dort Aperitif-Häppchen geben wird. Doch vor dem Essen kommt das Konzert. Berkan ist von der Musik völlig fasziniert, während Hendrik ungeduldig und nervös wird. Tatsächlich gibt es hinterher Brötchen. Weil die Jungen jetzt schon geübte Ausreißer sind, sorgen sie vor und stecken sich ein paar Brötchen in die Tasche.
Schließlich landen sie in einer Gegend, die ihnen fremd ist. Da sehen sie ein singendes Mädchen auf einer Kirchentreppe. Berkan kennt das Lied und spricht das Mädchen auf Türkisch an. Es stellt sich heraus, dass Pia aus einer kurdischen Familie stammt, die wegen des Krieges aus dem Irak floh und in die Türkei gelangte. Dort wollte man keine Kurden. Und in Belgien, wo die Geschichte spielt, darf die Familie auch nicht bleiben. Mit anderen Flüchtlingen lebt sie nun in der Kirche. Berkan muss alles übersetzen, was Pia erzählt. Auch dass ihr Vater und andere Männer in der Kirche nichts mehr essen. Sie wollen hungern, bis sie Papiere bekommen und bleiben dürfen.
Die Jungen verstehen das mit den Papieren nicht recht. Pia sagt, sie brauchen Papiere und eine Wohnung, sonst müssen sie zurück – dahin, wo sie auch niemand will. Da fällt Hendrik ein, dass er ein Haus zu viel hat: das neue, größere Haus, in das seine Familie ziehen will. Er aber nicht. Also bietet er es Pia an.
Zu dritt machen die Kinder sich auf den Weg, können das Haus aber nicht finden. Unterwegs erleben sie Abenteuer: von der Rettung eines kleinen Hundes bis zur freundlichen Hilfe eines Taxifahrers. Schließlich finden sie das Haus doch. Aber es ist nicht leer. Hendriks Vater hat mit dem Umzug schon angefangen. Die drei heimlichen Beobachter sehen, wie er telefoniert und davonstürmt, weil inzwischen eine Fahndung nach den Kindern läuft.
Mit Hilfe der Polizei kommen Eltern und Kinder wieder zusammen. Hendrik wird der Umzug durch das Versprechen erleichtert, dass er in seiner alten Schule und bei Berkan bleiben darf. Ob Pias Familie geholfen wird, bleibt offen. Auch Berkans Problem bleibt ungelöst. Pia tröstet es, dass sie das Hündchen behalten darf. Berkan ist froh, dass ihn die Mutter vor dem Zorn des Vaters bewahrt. Alle drei scheinen ein wenig Zuversicht gewonnen zu haben.
Die berührende Geschichte bleibt ganz auf der Ebene der Kinder. Sieben- oder Achtjährige können sie selbst lesen; sie eignet sich aber auch zum Vorlesen in Gruppen und Klassen. Marian de Smet trifft einen Ton, der Kindern Mut macht, und bewahrt eine hoffnungsvolle Leichtigkeit des Seins. Ich empfehle das Buch allen Bibliotheken, in die Kinder kommen, besonders auch die in den Schulen, und allen Erwachsenen zum Verschenken. Mein Tipp: Unbedingt selbst lesen, bevor man es weitergibt.

Kinderbuch der Woche: Gastfreundschaft

„Ein Sturm zieht auf, ein Sturm zieht auf!“ Die Waldbewohner verrammeln ihre Häuser, gefüllt mit Vorräten, Wärme und Licht. Sie machen es sich gemütlich. Da kommen Großer Bruder Bär und sein kleiner Bruder. Misstrauisch aus Gucklöchern beäugt, bitten sie höflich um Einlass. Ihnen ist kalt, sie haben Hunger, und sie haben Angst im Dunkeln. Aber niemand lässt sie ein. „Der Platz reicht schon für uns kaum aus. Geht weiter bis zum nächsten Haus.“ Nur Kleiner Fuchs läuft ihnen nach und bringt ihnen eine Laterne.
Abgewiesen landen sie auf einem eisigen Hügel. Doch sie haben Glück: Es beginnt zu schneien. Wie man aus Schnee Höhlen baut, das wissen die Bären. Als Familie Fuchs aus ihrer zusammenbrechenden Höhle fliehen muss, findet sie bei ihnen Unterschlupf.

„In einer Nacht ohne Ende
Und ohne Mondenschein
Öffneten zwei Fremde
Ihr notdürftiges Heim.“

Die kleine Geschichte wird in lyrisch-rhythmischer Sprache erzählt, in Reimen, die die Suche beschreiben. Tiere als handelnde Personen – das Buch könnte schon 100 Jahre alt sein. Trotzdem oder gerade deswegen bringt es das Thema „Gastfreundschaft“ bezaubernd auf den Punkt, das für viele Gemeinschaften überlebenswichtig war und ist. Mit lebhaftem Strich, ausdrucksstarken Figuren und einer Sprache, die sich fast von allein vorliest, überzeugte das Buch auch Gabriela Wenke.

Kinderbuch der Woche: Über die Freundschaft

Freundschaft, Liebe und der Unterschied

Ein Sommer auf einer griechischen Insel und drei ältere Kinder, die erleben, wie Freundschaften entstehen und wie Grenzen verschwimmen. Was ist noch Freundschaft, was schon Liebe? Worin besteht der Unterschied? Was darf man und was nicht?
Jakob (12) besucht nach Jahren seinen griechischen Vater auf dessen Heimatinsel, während seine niederländische Mutter mit dem neuen Freund Urlaub macht. Obwohl Jakob weder etwas mit seinem Vater und dessen Restaurant noch mit dem Dorf zu tun haben will, lockt der beharrliche Strahlemann Micha (13) ihn aus dem Haus. So beginnt eine traumhafte Ferienzeit am Meer und in dem kleinen Ort, in dem Jakob die – völlig vergessenen – ersten Jahre seines Lebens verbrachte. Aber Micha erinnert sich gut! Auch er ist eine griechisch-niederländische Mischung, aber sein niederländischer Vater blieb auf der Insel. Bald kommt es den beiden Jungen vor, als wären sie schon ewig und für immer Freunde.
Michas Freundin Puck wird die Ferien ebenfalls wieder auf der Insel verbringen. Sie ist so alt wie er, und für beide ist es die erste Liebe. Als Puck mit ihren Eltern aus den Niederlanden anreist, stimmt die Chemie zwischen allen drei Kindern, und sie träumen davon, dass sie später als Erwachsene zu dritt zusammenleben. Doch das Gleichgewicht auf der schmalen Kante zwischen Freundschaft und Verliebt-Sein ist fragil. Schon ein Moment verbotener Zweisamkeit zwischen Jakob und Puck kann es zerstören.
Die Erlebnisse mit Micha und Puck lassen Jakob über andere Liebesgeschichten nachdenken. Über die seiner Mutter und seines Vater zum Beispiel, die auf dieser Insel einige Jahre zusammenlebten, über Michas Eltern und über die junge Frau, die seinem Vater im Restaurant hilft. Plötzlich ändert sich sein Blick auf die Menschen in seiner Umgebung, und er kann seine Gefühle für den Vater endlich zulassen.
Gideon Samson hat für die ungewöhnliche und überzeugende Geschichte über Freundschaft und Liebe zwischen Heranwachsenden genau die richtigen Worte gefunden. Wunderbare Bilder vom Sternenhimmel und der nächtlichen Landschaft ziehen Leserinnen und Leser in den Bann großer Gefühle. Unbedingt lesen und lesen lassen, findet Gabriela Wenke.

Kinderbuch der Woche: 100 Gedichte für Kinder

 

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse 2019!

Gedichte sind ja eher nicht praktisch, sondern poetisch. Aber das Buch „Sieben Ziegen fliegen durch die Nacht“ mit 100 neuen Gedichten deutschsprachiger Autorinnen und Autoren ist sehr praktisch: Knallrot, so dass man es nicht übersehen und immer wiederfinden kann. Ein bisschen elastisch und nicht zu groß, so dass es in einen kleinen Rucksack passt, zum Mitnehmen und Rumtragen. Auf diese Weise hat man immer ein Gedicht zur Hand. Eins von Jutta Richter geht so:

Der Traum

Ich träumte einen schlimmen Traum
Und träumte ganz allein
Ich war in einem fremden Raum
Da wollte ich nicht sein
Ich wollte rufen und blieb stumm
Ich hatte die Stimme verloren
Im Zimmer krochen Spinnen herum
Mit großen Segelohren
Da endlich bin ich aufgewacht
Zu dir ins Bett gekrochen
Du hast im Schlaf mir Platz gemacht
Es hat nach dir gerochen
Ich rücke nah an dich heran
Bin sicher hier und warm
Ich weiß, dass ich jetzt schlafen kann

Uwe Gutzschhahn, der nicht nur für sein Lebenswerk als Übersetzer den Deutschen Jugendliteratur Preis erhalten hat, sondern Autor und insbesondere Lyriker ist, hat die 100 neuen Kindergedichte gesammelt, in denen viel Humor, Witz und Schabernack zu finden ist. Das sollte Erwachsene ermutigen, auch mal ein Gedicht vorzutragen. Wenn sie das oft genug tun, können die Kinder schon etliche auswendig, bevor sie lesen können.
Viele Namen kennt man aus Kinder- und Bilderbüchern, zum Beispiel Jutta Richter, Michael Rohrer, Franz Wittkamp, Franz Hohler, Paul Maar, Arne Rautenberg. Und mit 100 Gedichten kann man 20 Schulwochen Tag für Tag bestücken – a poem a day, keeps the Nachhilfelehrer away –, bis jedes Kind selbst so dichten kann wie Gerhard Rühm:

verunglücktes abzählgedicht

eins
zwei
drei
vier
fünf
sechs
sieben
acht
neun
zehen
eine fehlt

Die restlichen 98 Gedichte möge sich die geneigte Leserin, der amüsierte Leser selbst anschauen – nebst der wagemutig-farbenfrohen Bilder von Sabine Kranz.
100 Gedichte sind ein guter Beginn für ein poetisches 2019!

Kinderbuch der Woche: Andersrum?

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse 2019!

Andersrum?

Kinder beschäftigen sich ja nur noch – wisch und weg – mit ihren Smartphones oder Handys. Aber Juri hält Frau Asperilla stolz ein nett verpacktes Geschenk vor die Nase, um es ihr zu zeigen. Sie grabscht sofort danach, reißt die Verpackung ab und stellt enttäuscht fest: „Oje, ein Buch!“ Doch Juri will es trotzdem mit ihr anschauen. Frau Asperilla nimmt das Buch in beide Hände, wartet, dass etwas passiert, und wundert sich, dass es keinen Ton von sich gibt. Geduldig erklärt Juri ihr, dass man das Buch vorlesen muss, Seite für Seite. Das findet Frau Asperilla sonderbar: Man hört nicht, wenn es klopft. Man hat keine Auswahl, wie es weitergehen soll. Man ist dem Buch auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, auch wenn die Maus das Monster frisst. Statt umgekehrt.

Genervt greift Juri schließlich selbst zu dem Buch. Zwar kann er noch nicht lesen, doch die Geschichte erschließt er sich von Bild zu Bild: Wie die furchtlose Maus das Ungeheuer frisst, das sie nicht ins Haus lassen will, und wie sie den dreiköpfigen Drachen besiegt, der sie fressen will.

All das passiert nur, weil die Maus am Morgen die falsche Abzweigung erwischt hatte und nach links statt nach rechts gegangen war. Am nächsten Tag landet sie endlich bei sich zu Hause. Als sie der Familie erzählt, dass sie falsch abgebogen war, müssen die Mäusekinder lachen, denn das Haus der Familie liegt – von der Maus aus betrachtet – links. Da stellt die Maus fest: „Das kommt darauf an, von welcher Seite man es anschaut.“

Es geht also um ein Verwirrspiel übers richtige Hinschauen und Entscheiden. Und es geht um die Perspektive, die jemand einnimmt: als Maus, als Kind, als Erwachsener. Mit einem Buch oder mit einem Smartphone. Das merkt auch Juri. „Ja: Andersrum ist´s andersrum.“

Mit ihrem krakelig wirkenden, vereinfachenden Stil betont Miriam Zedelius die Komik der verschachtelten Geschichte, die Kinder wie Erwachsene mit der Frage zurücklässt: Ja, wie rum ist es denn nun richtig? Diesen hintersinnigen Spaß in Wort und Bild empfiehlt

Kinderbuch der Woche: Wolf, Ente und Maus

Eine kurze Geschichte für kluge Kinder und Philosophen

Eines Morgens trifft eine Maus einen Wolf, der sie frisst. Damit ist die Geschichte jedoch nicht beendet, denn der Wolf hat die Maus lebend verschlungen.

Mit ihrem lauten Klagen stört die Maus eine Mitbewohnerin im Wolfsbauch, nämlich die Ente, die schlafen will. Weil die Maus erklärt, es sei draußen Morgen, bietet die Ente erst einmal Frühstück an: gedeckter Tisch, Stühle, Tischtuch, Marmelade. „Du wirst dich wundern, was man in einem Wolf so alles finden kann“, sagt die Maus zufrieden und erzählt, sie habe draußen immer Angst gehabt, von einem Wolf gefressen zu werden. Die Sorge habe sie nun nicht mehr. Das überzeugt die Maus. Höflich fragt sie, ob sie bleiben darf. Klar – und das feiern die beiden mit Wein und Leckereien, so dass dem Wolf ganz schlecht wird. Das lockt einen Jäger an, doch der schießt daneben. Aber der arme Wolf ist so fertig, dass er nicht fliehen kann. Aus seinem Maul blasen Maus und Ente zur Attacke und vertreiben den Jäger. Der dankbare Wolf will sich bei den beiden revanchieren: Sie haben einen Wunsch frei. Natürlich wünschen sie sich, im Wolfsbauch wohnen bleiben zu dürfen. Seitdem heult der Wolf nachts immer den Mond an.

Seit Jona im Bauch des Wals gelandet war, hat sich niemand jemals Gedanken darüber gemacht, wie es dem Wal damit erging. Zwar waren die Größenverhältnisse anders – doch Jona war schon ein großer Brocken für jemanden, der sonst nur Krill frisst. Aber das ist eine andere Geschichte…

Die Geschichte „Der Wolf, die Ente und die Maus“ ist vorwiegend in Brauntönen mit gebrochenem Weiß gehalten. Ein wenig Rot, Orange und Grün gibt es nur im Bauch des Wolfes. Jon Klassen braucht nicht viele Farben und auch nur wenige, sehr abstrahierende Bilder, um die Geschichten zu erzählen. Trotzdem verstehen Große und Kleine sie auf wunderbare Weise.

 

Langsam leben

Bilderbuch

Die Zeit vergeht langsam in der Bergbausiedlung am Meer, wo die Bergleute tief unter dem Meer nach der Kohle graben. Das immer Gleiche an diesem Ort ist für den Jungen etwas Beruhigendes, Verlässliches: Der Vater, der jeden Morgen das Haus verlässt, die Mutter mit dem Baby in dem sonnendurchflutetem Zimmer mit Blick aufs Meer, dessen Glitzern und Funkeln im starken Kontrast zu den rhythmisch wiederholten Doppelseiten steht, die die fast völlige Schwärze der Kohle unter dem Meer zeigen, die schwach beleuchteten Bergleute, eingezwängt unter der dunklen Last. „Und tief drunten unter dem Meer gräbt mein Vater nach Kohle.“

Zwar hat der Gedanke an den Vater dort unten im ewigen Schwarz etwas Bedrohliches, aber es liegt auch eine Sicherheit darin, weil die Kohle Arbeit gibt. Für den Jungen ist ganz klar, dass er später auch hinunter fahren wird in die Dunkelheit der Flöze.

Die einfachen Linien, in denen das Alltagsleben der kleinen Familie geschildert wird, begleiten Farben, die an Erde, Sand und Holz erinnern. Das Leben über der Kohle ist licht und erscheint leicht. Das Vergehen der Zeit zeigen die Schatten der Fensterkreuze auf den schlichten Dielen.

Lange spielt der Junge mit seinem Freund auf dem Spielplatz über dem Meer. Nachmittags geht er gemächlich den kurzen Weg zum Einkaufen in die kleine Stadt. Er berichtet von einer Welt, die in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts angesiedelt ist: realistisch, bodenständig, ohne viele äußere Reize, eingebettet in eine Landschaft, die trotz der industriellen Einsprengsel von großer, gelassener Schönheit ist.

Die vier Doppelseiten, auf denen ein riesiger, tiefschwarzer Block die drückende Macht der Kohle, die Enge der Flöze und die Tapferkeit der Menschen darstellt, die da arbeiten, stehen für die dunkle Unterwelt, den Hades, die Schwere der Arbeit, während die Oberwelt das Leben der kleinen Familie so flirrend, leicht und licht erscheinen lässt. Das Leben ist langsamer als das heutiger Kinder, gelassener, mit großen hellen Freiräumen.

Ein anrührendes Bilderbuch über eine Welt, die es so nicht mehr gibt. Aber es gibt die Möglichkeit, sich auf ruhige Einfachheit zu besinnen.

Unbedingt vorlesen!

Helfen

Bilderbuch

Das zweite Buch in der gleichen Maltechnik erschien viele Jahre zuvor in Kanada. Die Geschichte von Großmutter und Enkel ist in bräunlich-roten Herbstfarben gehalten, mit kräftigem Pinselstrich aufgetragen, und zeigt die beiden beim Hagebutten-Sammeln. In großer Gelassenheit – man meint, die Langsamkeit sehen zu können – helfen Großmutter und Enkel einander beim Überqueren eines Bachs und bei der Hagebutten-Ernte.

Wie im Band „Warten“ spielt sich die Handlung in der Gegenwart ab: Man fährt mit dem Auto in die Natur, kommt aus einer modernen Wohnung, trägt einen zeitgemäßen Rucksack und erkennbar moderne Kleidung.

Diesmal endet das Buch mit der Zubereitung eines Hagebuttentees.

 

Warten

Bilderbuch

Die kleine Geschichte kommt mit wenigen Worten aus und präsentiert sich in großformatigen, in hellen Frühlingstönen gehaltenen Gemälden auf Leinwand, deren Struktur auch im Druck noch erkennbar bleibt. Fast glaubt man, sie zu tasten…

Ein Enkel berichtet vom Ausflug mit Großmutter und Mutter in Bildern, die durch Gesten und die Mimik der drei handelnden Personen und eines verspielt herumtol­lenden Hundes in Bewegung kommen. Die Malerin Caitlin Dale Nicholson fängt sie zwar wie mit einer Kamera ein, doch sie betonen die Langsamkeit der Geschichte: „Ich warte.“ „Mama wartet.“ Großmutter geht auf der Wiese umher, der kleine Ich-Erzähler beobachtet sie aufmerksam. Dann gehen er und die Mutter auch umher. Alle drei beten, für sich und in sich versunken, bevor sie beginnen, weiße Blüten zu pflücken. Während die Sträuße des Ich-Erzählers und der Großmutter immer größer werden, bläst die Mutter Pusteblumen in die Luft, als habe sie alle Zeit der Welt. Und die hat sie auch!

Auf der letzten Seite erfahren wir anhand eines Rezeptes für die Zubereitung von Schafgarbentee, dass die drei blühende Schafgarbe gesammelt haben.

Das Buch erschien in Kanada – auf Englisch und in der Sprache der Cree, eines der indigenen Völker Nordamerikas. Diese Sprache wird in der klassischen lateinischen Schrift und in der Silbenschrift dargestellt.

Zum Planen, Sammeln, Teilen …

 

Open Diary 2019

Das wertige Tagebuch-Kalenderplakat für Menschen, die ihr Leben gern teilen.

Facebook war gestern. Hier kommt die analoge Plattform, auf der Du Glücksmomente und Lebenswertes, Tages-Highlights, Urlaubserinnerungen und Begegnungen, Höhepunkte und Arbeitsleistungen teilen kannst, ohne von Algorithmen verfolgt zu werden. Du entscheidest, wer das alles sieht. In Abhängigkeit davon, wo Du Dein open diary aufhängst.

Open Diary 2019. The art of living – Kalender-Plakat. Gedruckt auf Fly 02 bläulichweiß 300 g/qm von Cordier in Sonderfarbe Optimistengrün Pantone 382U. Format 70 x 100 cm.

 

Der Kinder-Kalender 2019

Dass der Kalender mit 53 Gedichten aufwartet, ist Grund genug, ihn in Kinderzimmern, Schul- und Kita-Räumen aufzuhängen.

Seit Jahrzehnten bemühen sich deutsche Verlage, die Freude am gereimten und rhythmischen Text durch Bilderbücher und Gedichtbände zu fördern und zu stärken. Niemand scheint zu bezweifeln, dass Kinder sich Reime gut, gern und lustvoll merken. Warum werden dann so wenig Gedichtbände und gedichtete Bilderbücher verkauft?

Also, Leute: Lest Gedichte vor, so oft wie möglich. Sucht nach Lyrik in Buchhandlungen und Bibliotheken, wenn Ihr zu Hause zu wenig Auswahl habt, und besorgt Euch diesen Kalender. Er bietet eine lyrische Weltreise an, immer begleitet von einer Illustration aus der Original-Veröffentlichung.

Gedichte aus allen Erdteilen sind im Kalender zu finden, Verse unserer Nachbarn ebenso wie solche aus fernen Ländern. Sie lassen uns rätseln, staunen, sind mal verspielt und mal komisch wie der folgende Zungenbrecher von Moni Port:

Klitzekleine Katzen kotzen klitzekleine Kotze.

Klitzekleine Kotze kotzen klitzekleine Katzen.

Dazu hat Philipp Waechter eindrucksvoll kotzende Katzen gemalt. Man findet sie im März, am Rosenmontag.

Viel Spaß beim Blättern, Suchen, Lesen, Vorlesen, Schauen und Selber-Machen: Ein Blatt ist nämlich frei für eigene Dicht- und Malkunst.

 

Kalender 2019: Now is better

Hurra, da ist er: Frisch gedruckt, in Seidenpapier gewickelt und verschnürt – der Kalender für 2019 zum Planen von kleinen Freuden und zum Sammeln von großen Erinnerungen. Tage am Meer, Termine, Lottogewinne, Herzenssprünge, zufällige Begegnungen, überwundene Schweinehunde und alle sonstigen geplanten und ungeplanten Höhepunkte des Jahres können im Kalender farbig markiert und festgehalten werden. Je nach Wahl auf Schwarz oder Weiß. Dafür gibt es je 150 Klebepunkte in vier leuchtenden Farben, die vier individuell definierbaren Kategorien zugeordnet werden können.

Für Spaß und farbenfrohe Tage!

Designt wurde der Kalender Now is better von BOB AND UNCLE, einem Berliner Label, das sich mit großer Hingabe der Gestaltung von Papierprodukten verschrieben hat. BOB AND UNCLE liebt das Analoge, den Geruch von Farbe auf Papier und gutes Wetter. In diesem Sinne arbeitet BOB AND UNCLE mit Feuereifer daran, den Produkten jede Menge Entschleunigungspotential, Sinnesvielfalt und Klarheit mitzugeben.

 

Wochenplanerblock und Mousepad in einem!

Die Wochenklaviatur: Dein Jahr auf 60 Blatt!

Der Block zur übersichtlichen Wochenplanung und als Deskpad für Deinen Schreibtisch. Auf jedem Blatt findet eine Woche Platz. Jeder Block besitzt einen großzügigen Jahresvorrat an Vorlagen. Das offene wamiki-Lieblingspapier besitzt eine sehr schöne Haptik, verträgt sich bestens mit Mouse, Stift sowie Radiergummi und ist ausreichend stark, um deutlich mehr als eine Woche eine gute Figur zu machen.

Das Kinderbuch der Woche: Spielwörter und Wörterspiele

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse 2019!

 

Schon im Vorwort sagt Christoph Niemann, dass Zeichnen und Schreiben für ihn eng verbunden sind. Das macht den Witz der 352 Seiten voller Wörter und Zeichnungen aus. Auf Seite 9 steht nur das Wörtchen „ich“. Darüber ein äußerst reduziertes, lächelndes Gesicht, das sich in einem Rechteck spiegelt.

Manche Zeichnungen stehen allein auf einer Seite. Zum Beispiel ein Mann. Auf der Seite gegenüber ist ein Junge zu sehen, in der gleichen Kleidung wie der Mann, aber sie ist dem Jungen viel zu groß. So interpretiert und deutet Christoph Niemann das Wort „Mann“.

Es macht Spaß, das dicke Buch durchzublättern, wenn man schon lesen und sich Seite für Seite den Zusammenhang zwischen Wort und Bild erschließen kann. Liest jemand die Wörter vor, können jüngere Kinder die Zusammenhänge beim Blättern leicht entschlüsseln und ganz nebenbei sogar ein wenig Lesen lernen: Bilder und Wörter lesen.

Je nach Temperament und Sprachgefühl werden Kinder, die die Geduld haben, verlockt, sich dicke Wälzer wirklich anzuschauen, und finden jede Menge Ideen zu Zeichnungen und Wörtern. Wer weiß, worauf sie dabei kommen…