Augen auf bei der Kita­platzwahl

Junge Familien stehen heute unter Druck. Um ihrer Berufstätigkeit nachgehen zu können, brauchen die Eltern dringend Betreuungsplätze für ihre Kinder, aber die Zusagen bleiben häufig aus. Deshalb rückt der Fokus auf Konzeptionelles in den Hintergrund. Weil es drängt, steht die Zusage im Vordergrund, obwohl die Eltern sich die bestmögliche Förderung und gute Bildungschancen für ihre Kinder wünschen. Dies wird oft erst bedacht, wenn die Plätze gesichert und die Kinder gut angekommen sind.

Hinzu kommt, dass neue Einrichtungen junge Familie besonders reizen. Die moderne Architektur, die fröhlichen Farben und neuwertige Möbel versprechen innovatives, modernes Arbeiten. Aber als Laien können die Eltern nicht abschätzen, wie viel Zeit und Auseinandersetzung nötig ist, um ein qualitativ hochwertiges Kita-Konzept zu erarbeiten und umzusetzen. Und wie viel Zeit ein Team benötigt, um wirklich zusammenzuwachsen.

Wir empfehlen daher, das Profil der Kita zu schärfen und die gelebten Kitawerte transparent zu machen: mit einem treffenden Logo, einer ansprechenden Homepage und einer gut ausgearbeiteten Konzeption. Wir sind der Ansicht, dass gelungenes Marketing die Arbeit in der Frühpädagogik stärkt, und bedauern, dass noch viel zu wenig Träger bereit sind, dafür Geld auszugeben. Als Fachkräfte sollten wir darauf dringen, dass Familien die Chance haben und nutzen, den für sie passenden Kinder­garten zu wählen, denn: Eine Kita mit Kunstschwerpunkt ist nicht von vornherein das, was sich eine sport­affine Familie wünscht, aber vielleicht genau das, was sie als Bildungsanregung gut gebrauchen kann.

In unserer Kommune Benningen haben wir für die sieben Betreuungseinrichtungen den ersten Samstag im Februar als Infotag festgelegt. In der Zeit von 9.00 bis 12.00 Uhr sind alle Kindergärten und der Hort geöffnet. So können sich die Familien einen Vormittag lang Zeit nehmen, um alle Einrichtungen anzuschauen, zu vergleichen und herauszufinden, wo sie sich am wohlsten fühlen. Zwar gelingt es uns bei der Platzvergabe nicht immer, die Prioritäten aller Familien zu berücksichtigen, aber den Anspruch haben wir immerhin.

Wer sich viele Gedanken über das pädagogische Konzept gemacht hat, braucht auch das Rückgrat und die Stärke, es den Eltern nahezubringen, denn die fachliche Kompetenz liegt bei uns. Dies geschieht fairerweise vor der Anmeldung oder der Vertragsunterzeichnung.

In unserer Einrichtung gibt es zum Beispiel keine regelmäßigen Angebote wie Musik oder Englisch durch Externe, weil uns die Freispielzeit der Kinder wichtiger ist. Wer sich intensive musikalische Früherziehung wünscht, ist also bei uns falsch. Dafür stehen die Rechte der Kinder und ihre Mitbestimmung im Alltag im Vordergrund. Die Eltern sollten wissen und teilen, dass ihre Kinder viele Freiheiten und Entscheidungsmöglichkeiten haben. Außerdem machen wir sie darauf aufmerksam, dass sie in den meisten Fällen einen Vertrag, also eine Bindung für mindestens vier Jahre eingehen – bei Geschwister­kindern auch länger. Weil sie an dauerhafter Sicherheit und Struktur interessiert sind, wächst die Hemmschwelle, sich aus dem Vertrag zu lösen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Plätze knapp sind. All das sind Gründe für eine gute und bewusste Wahl des Kindergartens.

Foto: cottonbro von Pexels

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