Mondrian. Bilderbuch

Medien Krawinkel

In „Krawinkel & Eckstein – Auf den Spuren von Piet Mondrian“ machen sich Spähwinkel und sein Hund Foxtrott auf die Suche nach dem Neuen in der Zukunft. Krawinkel und Eckstein folgen ihnen. In unbekannten Formen, Zeichen und Landschaften glauben sie, die Zukunft schon erkennen zu können, und landen schließlich in einer modernen Stadt, in der sie in einem Atelier Bilder in bis dato ungewohnten Farben und Formen finden. Das war wohl Mondrians Atelier.

 

Matisse. Bilderbuch

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Nach einem langen Leben als Maler der „frischen, reinen Farben“ schien eines Tages „die Sonne in seinem Bauch nicht mehr“. Henri Matisse wurde krank, und seine Leinwände blieben leer. Nach einer Operation erwachte er im Krankenzimmer. „Hier gibt es gar nichts Buntes. Das ist ja, als wäre ich tot“, sagte er und verlangte nach Farben. Aber es war schwierig, im Bett zu malen, und die Pinsel an langen Stangen waren zu schwer für den Kranken. Da entdeckte er, was man mit der Schere aus buntem Papier zaubern kann: „Das ist ja wie Zeichnen und Malen in einem!“

Annemarie van Haeringen hat „Monsieur Matisse und seine fliegende Schere“ in einem Bilderbuch zum Leben erweckt.

 

 

Kritische Sichten. Bilderbuch

Medien Pinocchio

Mit seinen akribischen Darstellungen zeigt Roberto Innocenti ein Stück Architektur- und Städtebaugeschichte, übt aber auch Kritik am Städtebau. In der Rotkäppchen-Adaption „XXXY“ führt der Weg des Mädchens nicht durch den dunklen Wald, sondern in alptraumhafte Konsumtempel und von menschlichen Raubtieren bewohnte Vorstädte. Innocenti warnt vor diesen menschenfeindlichen Räumen, die sich in allen Großstädten der Welt finden und nahtlos in die Elendsquartiere der Ärmsten übergehen. Doch die Bilderbücher von Innocenti gestatten auch Einblicke in mittelalterliche Städte, zum Beispiel in „Pinocchios Abenteuer“, und in deutsche Kleinstädte zur Nazizeit: „Rosa Weiß“.

 

 

Perspektivwechsel. Bilderbuch

Medien HerrSchnuffels

David Wiesners „Herr Schnuffels“ ist in mehr als einer Hinsicht genial und bekam 2015 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Bilderbuch. Erzählt wird die Geschichte der Landung Außerirdischer, für die ein modernes Wohnzimmer riesig ist. Sie verbünden sich mit den Ameisen und Marienkäfern, die hinter der Heizung leben, und verständigen sich mit ihnen wie vorzeitliche Höhlenbewohner mittels Wandgemälden. Die Geschichte spielt – fast ohne Worte – mit Sprache und Schrift: die der Außerirdischen, der Ameisen und der Marienkäfer. Sie spielt aber auch mit Räumen und Perspektiven.

Offensichtlich kommen die Außerirdischen aus einer Welt, deren Bewohner klein wie Insekten sind. In ihrem Raumschiff führen sie alles mit, was sie brauchen, und sind in der Lage, den größten bekannten Raum, den Weltraum, zu bereisen. Am intelligentesten scheinen jedoch die kleinen grünen Männchen in einem Miniweltraumfahrzeug zu sein, denn sie stellen den Kontakt zu den Ameisen und Marienkäfern her: Kommunikation ist möglich, und Welten treffen aufeinander, ohne dass Menschen es bemerken.

 

Räume in China. Bilderbücher

Medien OmatrinktimHimmelTee

„Oma trinkt im Himmel Tee“ ist eine Geschichte vom Abschied, geschrieben von der taiwanesischen Autorin Fang Suzhen. Die Bilder von Sonja Danowski lassen darauf schließen: Die Illustratorin kennt sich mit chinesischen Verhältnissen, mit den Innenräumen im Dorf der Großmutter und in der Wohnung von Mutter und Kind so gut aus, dass sie dem Betrachter Einblicke gewähren kann.

Ähnlich realistisch wirken die Straßenzüge und Wohnräume in einer rotchinesischen Stadt zur Zeit vor und während der Kultur-Revolution, die der chinesische Illustrator und Autor Chen Jianghong für das Buch „An Großvaters Hand – Meine Kindheit in China“ entwarf. Er zeigt das Leben dreier Generationen in einer Ein-Raum-Wohnung, die sich beim Ausbruch der Kulturrevolution von traditionellen Gegenständen trennen müssen. Ein in Wort und Bild faszinierendes Buch vom Überleben historischer Alltagskulturen in modernen Zeiten.

 

Weihnachtliches Chaos

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„Advent, Advent die Bude brennt“. Im wahrsten Sinne abgebrannt sind Lucas, seine Mutter und Schwester Katharina. Und das nicht nur vor Weihnachten, sondern auch noch kurz vor der Geburt eines Geschwisterchens. Zudem ist der Vater ausgezogen und bereist gerade den hohen Norden.

Eine vergnügliche Geschichte über die Suche nach einer neuen Bleibe und über die syrischen Freunde von Lucas, die heimlich für ein Weihnachtswunder in Tantes Gartenhäuschen sorgen, obwohl sie nicht Weihnachten feiern. Amüsant, ein bisschen unheilig und chaotisch. Aber: Mit Happyend!

 

wamiki-Tipp: Einwohlt, I./Schulz, T.: Advent, Advent, die Bude brennt – Die Weihnachtsgeschichte nach Luca. Klett Kinderbuch 2015, 128 Seiten, 12,95 Euro. Ab 8 Jahren

Die Zeitreise

Nacht des Kometen Cover

Franz Hohler verbindet seine Weihnachtsgeschichte mit dem Erscheinen eines Kometen, der mitten im Sommer für einen Riss in der Zeit sorgt: Zwei Kinder landen in der Nähe von Bethlehem, ohne zu ahnen, wo sie sind. Der Felsen in der Form eines Kamelrückens, auf dem sie in den Schweizer Alpen saßen, ist nun ein Kamel, und sie laden eine schwangere Frau ein, darauf zu reiten.

Dass es sich bei ihrem Erlebnis um die Weihnachtsgeschichte handelte, begreifen die Kinder erst, als sie in die Gegenwart heimgekehrt sind – mit dem Hirten Samuel, der ihnen sagt, wo sie waren: in der heiligen Nacht in Bethlehem.

Kathrin Schärers Bilder zeigen das Wunder der heiligen Nacht nur auf einer Doppelseite: ein vergnügter Engel-Chor, der – nebst Murmeltier, Frosch und Eule – aus voller Kehle singt. Auch diese Geschichte kann man Kindern unterschiedlicher Religionen und Nationalitäten vorlesen.

 

Das Weihnachtskind

Das Weihnachtskind Cover

Rose Lagerkrantz, eine bekannte schwedische Kinderbuchautorin, wusste als Kind nicht, warum jedes Jahr Weihnachten gefeiert wird. „Bestimmt geht es auch heute manchen Kindern so“, vermutet sie und erzählt von dieser Nacht, in der alles so ruhig und friedlich war, dass die Menschen sich bis heute daran erinnern: „Und sie hoffen noch immer.“

Da wandern ein Mann, Josef, und eine Frau, Maria, nach Bethlehem, weil die römische Besatzungsmacht das fordert. Maria ist hochschwanger und bekommt ihr Kind in einem Stall, denn es gibt keine Unterkunft mehr. Als die beiden erfahren, dass allen Jungen unter zwei Jahren in Bethlehem der Tod droht, sind sie schon auf der Flucht nach Ägypten.

Lagercrantz erzählt, dass die Hirten und die drei Könige erfuhren, es sei ein Kind geboren worden, „das für Frieden auf Erden sorgen würde“, und dass man sich später in Nazareth fragte, wie der Junge diesen göttlichen Auftrag denn hätte erfüllen können. Jemand sagte, „dass er es wohl schaffen würde, denn er war Gottes Sohn“. Deshalb solle man sich an den Frieden erinnern, der in jener Nacht für eine kurze Weile herrschte, als der Löwe bei den Lämmern lag. Und die Menschen? „Sie hoffen noch immer.“ In jedem Jahr halten sie in dieser Nacht inne „und zündet Kerzen an, die an Bethlehems Stern erinnern“.

Diese Geschichte kann man in der Vorweihnachtszeit Kindern aller Religionen und Nationen vorlesen.

 

 

Groß genug

etwas ganz großes Cover

 

Der Kleine ist wütend, weil er klein ist und gern etwas ganz Großes machen würde. Bei einem Spaziergang am Meer will er mit dem Großen herausfinden, was das sein könnte. Auf dem Heimweg entdeckt er einen Fisch, den das Meer in ein Wasserloch gespült hat. Behutsam trägt er ihn zurück ins Meer und rettet ihm das Leben. Da sagt der Große: „Weißt du, ich glaube, das, was du da gerade gemacht hast, war etwas ganz Großes.“

Die Bilder von Ingrid Godon zu Sylvie Neemans Geschichte „Etwas ganz Großes“ lenken den Blick mittels weniger Striche in warmen Rot-, Grün- und Blautönen auf das Wesentliche. Es überwiegen leichte, durchscheinende Linien, die an Berge oder Schiffe erinnern. Alles bleibt im Fluss wie der Gedankenaustausch der beiden Protagonisten, in dem der Kleine erfährt, dass er Großes bewirken kann.

Schönheit und Gier

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Prachtvolle Papageien in gelben, roten und goldenen Farbtönen drängen sich auf dem Titel von „Der goldene Käfig“. In ihrem Gefieder verschwindet die kleine Prinzessin fast. „Sie hieß Valentine und war unausstehlich“, hatte alles und hielt seltene Vögel in 100 Käfigen, während viele Diener den Kopf verloren – „Hack, hack, hack“ –, weil sie sich Vögel wünschte, die es gar nicht gab. Für den 101. Käfig, den goldenen, wünschte sie sich einen sprechenden Vogel, den sie im Traum gesehen hatte. Damit meinte sie keinen Papagei, sondern einen Vogel, der sich wirklich mit ihr unterhalten kann. Weil niemand so einen Vogel finden konnte, tötete sie immer mehr Menschen: „Das Kaiserreich färbte sich blutrot.“ Sie verkaufte alle ihre Besitztümer, um neue Diener und neue Reisen bezahlen zu können. Da versprach ein junger Bursche, ihr den Vogel zu bringen, wenn sie ihm verspreche, Geduld zu haben. Eines Tages brachte er ihr ein winziges Ei und sagte, es sei vom sprechenden Vogel. Nun müsse sie warten… „Sie wartete, wartete und wartete.“

Das Ende der Geschichte: Entweder versucht die Prinzessin, einer Amsel das Sprechen beizubringen. Oder es schlüpfte tatsächlich ein sprechender Vogel aus. „Nur hatte er nichts zu sagen.“

Die Illustrationen: fantastische, beeindruckende Bilder schöner Vögel in ihrer paradiesischen Farbenpracht und Bilder verstörter Menschen, die der Prinzessin ausgeliefert sind. Ein Buch zum Schwelgen und Nachdenken.

 

Berge versetzen

Chen Jianghongs Geschichte „Ich werde Berge versetzen“ beginnt mit einer Naturkatastrophe: Eine Steinlawine verschlingt fast alle Felder eines Dorfes, dessen Bewohner beschließen, das Tal zu verlassen. Nur eine Familie bleibt, weil sie ein Baby erwartet. Dieses Kind, Sann, kommt mit einem Lächeln zur Welt. Als Sann sieht, wie sich die Familie über die Berge zu den Feldern kämpfen muss, um zu überleben, beschließt er, die Berge zu versetzen, selbst wenn das sein ganzes Leben lang dauert. Tag für Tag schleppt er Steine. Dann begegnet ihm ein weiser Mann, der drei weiße Drachen herbeiruft, die die Berge weit in den Norden versetzen.

Jianghong, C.: Ich werde Berge versetzen

Von der traditionellen chinesischen Malerei inspiriert, erzählt Chen Jianghong die Geschichte des Jungen, der Berge versetzen will und das mit Hilfe mythischer Mächte auch schafft.

 

Der große Freund

Ein Rabenmädchen hat einen Freund gefunden und stellt ihn der Mutter vor. Die erschrickt, denn ein Elefant steht vor ihrem Nest. Doch die Kleine findet, dass sie gut miteinander spielen können, wenn er in die Höhe springt und sie tiefer fliegt. Die Rabenmutter hingegen fürchtet, dass der Koloss das Mädchen erdrücken oder zertrampeln könnte. Darüber lacht das Rabenkind und sagt: „Mama, mach dir keine Sorgen… Er ist ein Elefant, ein einfacher Elefant.“

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„Ein großer Freund“ ist die erste Geschichte des persischen Autor Babak Saberi, die ins Deutsche übersetzt wurde. Baberi lebt im Iran und war zur Frankfurter Buchmesse eingeladen, doch die Ausreise wurde ihm – wie vielen iranischen Verlegern und Künstlern – kurz vor der Messe verweigert. Er erzählte: Auch seine Mutter wollte, dass er „mit gleich Großen spielt“, aber er fand: „Größe hat viele unterschiedliche Bedeutungen…, und in einer Freundschaft können wir aneinander wachsen.“

Auch der Illustrator Mehrdad Zaeri kam im Iran zur Welt und lebt, seit er als Jugendlicher Flucht aus seinem Heimatland floh, in Deutschland. Weil seine Eltern große Angst um ihn hatten, ist die Geschichte auch die seine. In gedämpften Farben und gemischten Techniken brachte er sie zu Papier. Wie Scherenschnitte in sanftem Oliv ragen die Bäume in die Seiten, schwarz sind die Raben abgesetzt, in Ocker- und Brauntönen springt der Elefant ins Bild und räkelt sich im Gras. Nur in den Sorgen-Gedanken der Mutter ist er blauschwarz, riesig und bedrohlich.