Ein musikalisches Kita-ABC

Seid Ihr auf der Suche nach originellen Musik-Ideen für die Kita, nach schwungvollen Möglich­keiten, Musik und Spiel zu verbinden? Kein Problem! Von A wie „Alle summen ihren schönsten Ton“ bis Z wie „Zippel-Zappel-Tanz“ hält das musikalische Kita-ABC jede Menge Ideen bereit: von der Gestaltung kleiner Musik-Momente bis zum bühnenreifen Auftritt. Zu jedem Buchstaben des ABC…

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Freispiel

Über Sinn und Unsinn pädagogischer Gewohnheitswörter

Schauen wir uns den Tagesablauf in Kita und Grundschule an, dann finden wir einen Wechsel von gelenkten Zeiten und sogenanntem Freispiel. Die eine Zeit – von Erwachsenen vorgeplant – gilt gemeinhin als pädagogische Zeit. Die andere trägt den Charakter von Erholungspausen oder Übergangszeiten. Steckt dahinter nicht ein völlig verdrehter Begriff von Freiheit und Spiel?

Freispiel – sozusagen ein weißer Schimmel?

Der Wortteil „frei“ im Begriff „Freispiel“ legt verschiedene Assoziationen nahe: Freiheit – freie Wahl – freie Zeit – frei von der Dominanz Erwachsener – Unabhängigkeit – unbeobachtet sein…

Bei „Spiel“ fällt uns sofort ein: Lust – Vergnügen – Leichtigkeit – Ungezwungenheit – eigene Impulse – der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt – spielerisches Aneignen von Welt – Spiel ist Lebenstraining… Unwillkürlich denke ich bei freiem Spiel an den Gegensatz zu unfreiem. Gibt es das? Natürlich. Es gibt ja sogar den Begriff des gelenkten Spiels. Aber ist gelenkt zugleich unfrei und unfroh? Oh je, jetzt wird es philosophisch! Sowohl der Freiheitsbegriff als auch der Begriff des Spiels haben tiefere Dimensionen zu bieten. Zu tief für diesen Beitrag. Aber vielleicht nicht zu tief, um „Freispiel“ zu versenken.

Was heißt „frei“?

Gehen wir die Sache doch mal pragmatisch an. „Freispiel“ bezeichnet diejenigen Zeiten, in denen Kinder wählen können, was sie spielen wollen. Wo sie dies tun, das ist zumeist schon wieder vorgegeben: entweder alle drinnen oder alle draußen, schlimmstenfalls alle in einem Raum… Die Wahl der Spielpartner ist durch begrenzte Räume und Gruppenschranken ebenfalls eingeschränkt. Und selbst dort, wo Spielorte und Spielpartner frei gewählt werden dürfen, gibt es oft starre Regeln: Nur fünf Kinder zugleich in diesem Raum.

Wie realitätsnah ist also der Begriff? Was meint „frei“ heute? Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, in der wir vor und außerhalb der Schule unsere Spiele und Beziehungen wirklich frei von erwachsener Einmischung gestalten konnten, dann trifft der Begriff eher zu. Allerdings kannte ihn damals niemand. Spiel war immer frei. Natürlich gab es Vorgaben: „Wenn die Lichter angehen, kommst du nach Hause.“ Oder: „Ihr spielt nicht in den Ruinen.“ Aber niemand wäre auf die Idee gekommen, uns vorzuschreiben, was, wie und mit wem wir spielen. Wer da war, war da. Die Regeln des Zusammenspiels bestimmten wir selbst und haben uns im wahrsten Sinne des Wortes zusammengerauft. Es gab „Chefchen“ und Außenseiter. Was gespielt wurde und wer mitspielen durfte, das wurde immer wieder neu ausgehandelt. Zwar trugen wir manche Blessuren davon, aber das wunderbare Gefühl von Freiheit kann ich noch heute spüren.

Und unsere Kita-Kinder? Die Freiheit der Wahl hat ihre Grenzen in der Welt, die wir den Kindern bieten. Ist diese Welt sehr stark begrenzt, sind es auch die Spiel- und Freiheitsräume – und das bedeutet: die Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten. Dramatischer als gegebene Begrenzungen erscheint mir aber der grundsätzliche Irrtum, selbstbestimmte und spielerisch genutzte Zeit für nicht so bedeutsam zu halten wie pädagogisch gelenkte Zeit. Denn Bildung findet immer statt und – von Pädagogen unbemerkt – mindestens so nachhaltig im freien Spiel wie im gemeinsamen und geplanten Tun.

Fragen ohne Antworten

Was macht es uns Erwachsenen so schwer, die (Frei-)Räume der Kinder auszudehnen? Was hindert uns, ihren Impulsen „Futter“ zu geben, ohne sie zu dominieren? Was befürchten wir, wenn Kinder tun, was für sie von Bedeutung ist? Warum fällt es uns so schwer, die spielerischen Lernprozesse der Kinder wahrzunehmen und nicht zu unterbrechen? Warum sehen wir nicht die Ernsthaftigkeit in ihrem Spiel? Warum erkennen wir nicht, welche Potenziale sich im Spiel entfalten?

Haben wir Angst vor der ungezügelten Lebensfreude der Kinder? Misstrauen wir dem wilden Spiel der Kräfte? Sind wir gar neidisch? Befürchten wir, die Kinder könnten das Leben für ein Wunschkonzert halten und später böse erwachen? Treibt uns die Sorge um, dass sich bestimmte Fähigkeiten – Schere oder Stift halten zum Beispiel – nicht entwickeln? Fürchten wir uns davor, mehr und mehr überflüssig zu werden? Oder können wir einfach nicht mehr nachvollziehen, was bei den Kindern passiert, weil wir aus dem Stadium heraus sind, in dem Realität und Fantasie verschmelzen? Bedeutet, erwachsen zu werden, beides zu trennen?

Und halten wir es für einen päda­gogisch wertvollen Beitrag zur Entwicklung von Kindern, die Zeit zu be­schränken, in der sie die Realität nach eigenen Ideen fantastisch verwandeln?

Viele offene Fragen und keine Antworten. Aber das macht nichts. So viel können wir uns doch immerhin vornehmen: Wir sollten locker­er werden, gelassener und aufmerksamer. Versenken wir das Freispiel samt seinem Gegenüber und fischen wir stattdessen nach mehr Freiheit und Spiel für Kinder und für uns.

Wahrheitslügen. Ein persönlicher Blick zurück

„Ehrlich währt am Längsten.“ „Lügen haben kurze Beine.“ „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“ „Der liebe Gott sieht alles.“ Sind Sie auch mit solchen Sprüchen aufgewachsen? Wahrscheinlich. Denn ob mit oder ohne Verweis auf Gott – gegenüber Eltern galt die eiserne Regel: Sag die Wahrheit! Schon Verschweigen…

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Neues Positionspapier – Willkommen Konkret

In Willkommen KONKRET – dem Berliner Bündnis für Kinder geflüchteter Familien, arbeiten seit Anfang 2015 Menschen aus der frühpädagogischen Praxis und Theorie, aus Verwaltung, Beratung, Therapie, Fort- und Weiterbildung sowie weiteren Arbeitsfeldern zusammen.

Alle Beteiligten setzen sich dafür ein, dass Kinder geflüchteter Familien Zugang zu Bildung, Erziehung und Betreuung erhalten. Wie den schon immer in Berlin lebenden Kindern sollen ihnen die gleiche Aufmerksamkeit, Fürsorge und die gleichen Leistungen zukommen.

Begonnen hatte das Bündnis Willkommen KONKRET vor allem mit der Fürsorge für sehr junge Kinder, seit dem Sommer 2017 kümmern sich alle Beteiligten auch um etwas ältere Kinder bis etwa zum Ende des Grundschulalters.

Es geht um die Unterstützung pädagogischer Fachkräfte, um Vernetzung, Weiterbildung aber auch um deutliche Formulierung politischer Forderungen. 2015 und in diesem Jahr gab es dazu Fachtage.

Soeben wurde ein aktuelles Positionspapier verabschiedet, das wamiki unterstützt und deshalb auch gern verbreitet. Interessierte können es sich hier im PDF-Format herunterladen.

Download: Handout Positionspapier Willkommen Konkret

Weitere Informationen zum Bündnis findet Ihr auf: www.willkommen-konkret.de

„Wir lieben Kinder und Familien!“

Ein Besuch auf den Seiten des Kinder- und Jugendmarketings

Viele Pädagogen sehnen sich danach, Kinder zu prägen, und hoffen im Stillen, lebenslang in Erinnerung zu bleiben. Das können andere Leute viel besser – die Kinder- und Jugendmarketingprofis nämlich. Sie bestimmen, so meine These, die Entwicklung von Kindern stärker mit, als es uns Pädagogen und Eltern bewusst ist. Gut, dass sie im Netz freimütig – und nur an manchen Stellen ein wenig verhalten – berichten, wie sie das tun. Solche Netzfunde habe ich gesammelt und geordnet, auf dass die Leserschaft sich ein Bild mache: Wie und wo spricht das Kindermarketing Kinder an?


Wann sollte ich mit dem Kindermarketing beginnen? So früh wie möglich: „Je früher Marketingpräferenzen entstehen, desto stabiler und länger wird die Beziehung zu einer Marke oder einem Produkt anhalten.“ Ok.
Wie komme ich an kleine Kinder heran, um ihnen Markenprodukte und deren Vorteile zu präsentieren? Ich mache „Werbung in Kindergärten – denn die Kleinen entscheiden mit. Sie haben Mitspracherecht beim Kauf von Produkten und Lebensmitteln im Supermarkt, bei der Auswahl von Einrichtungsgegenständen oder der eigenen Kleidung.“ Ach so, ich kann in der Kita Produkte vorstellen, die zu kaufen Kinder dann ihre Eltern zwingen? Na klar, denn: „Schon längst sind Kinder die heimlichen Oberhäupter in ihren Familien und bestimmen, wo es lang geht!“

Aber wie werbe ich im Kindergarten? „Ob Malbücher, Zahnbürsten, Comics oder Backzutaten: Kindergartenmarketing mit edukativem Charakter lässt sich bestens in den Kindergartenalltag integrieren.“ Wie bitte? Edukative Backzutaten? Macht Dr. Oetker neuerdings Zupfkuchen-Projekte? Wahrscheinlich, denn er weiß, Kinder „sind besonders empfänglich für Informationen und Inhalte, die in spannende und aufregende Aufgaben und Aktionen eingearbeitet sind“. Aber immer schön aufpassen: „Durch die Organisation und Betreuung von projektbezogenen Erlebnistagen erreichen wir die junge Zielgruppe überzeugend, ohne einen werblichen Eindruck zu hinterlassen.“

Checken denn die pädagogischen Fachkräfte nichts? „Erzieher, die zwar pädagogisches, nicht aber betriebswirtschaftliches und organisationsgesteuertes Knowhow besitzen, unterstützen wir durch die Einführung von medialen Partnerschaften.“ Aha, verstehe: Du zwar lieb, aber nix gutes Projekt hinkrieg. Wir von Puddingfabrik dir helfen: „Gemeinsam entwickeln wir Informations- und Aufklärungsplakate für Eltern und beraten sie bei der Organisation von internen und externen Veranstaltungen in ihrem Kindergarten oder der Kindertagesstätte.“ Vielleicht so: Liebe Eltern, herzlich willkommen zum Elternabend powered by Kaufhalle, hier in unserem gemütlichen Zewawischundweg-Raum!

Na gut, in der Kita mag das klappen – schon angesichts des Personalmangels. Aber in der altehrwürdigen Schule ist das unmöglich, oder? Denkste! „Werbung an Grundschulen ist möglich, wenn man die gesetzlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt und vor allem immer den pädagogischen Nutzwert für die Schülerinnen und Schüler im Auge behält.“ Außerdem: „Mittlerweile verfügen selbst junge Schüler zwischen 6 und 7 Jahren immer noch über mehrere hundert Euro Sparvermögen.“ Allein an der Grundschule gibt es laut Agenturseite 2 708 752 potenzielle Sparbuchbesitzer.
Und worin besteht der besagte pädagogische Nutzwert? Zum Beispiel in fix und fertig gelieferten Unterrichtseinheiten, die „Lehrer/innen entlasten und bereichern mit lehrplankonformem, hochwertigem Unterrichtsmaterial zum Thema Hör- und Sprachkompetenz“. Worum geht es genau? Zum Beispiel darum, „das Image der Serie ‚Fünf Freunde‘ und die Stärken des ‚Kulturguts‘ Hörspiel als edukatives Instrument in den Fokus zu rücken“. Pfiffige Idee, wenn auch etwas abgehoben formuliert. Überzeugender wirkt: Kinder, heute möchte ich mit euch das Kulturgut Paprika-Chips mit drei tollen Geschmäckern besprechen. Jemand Bock auf Pombär?

Auch außerhalb des Unterrichts ist die Zielgruppe Kind gut erreichbar. „Grundschüler lieben bunte Farben, tolle Muster und lustige Testimonials.“ Hä? Was ist das denn? Egal, weiter: „Nutzen Sie dieses Wissen und versuchen Sie, kreativ zu sein. Malhefte bieten sich in Grundschulen besonders an, da eine Interaktion erfolgt, das Produkt mit nach Hause genommen wird und die Schüler sich über einen längeren Zeitraum damit beschäftigen.“ Klingt klebrig. Gut, dass die gleiche Agentur zwei Absätze zuvor erklärte: „Es wäre moralisch also kaum zu vertreten, diesen Kindern auch noch Produkte anpreisen zu wollen. Tipp: Versuchen Sie den Weg lieber direkt über die Eltern als Influencer.“

Und wie kommt man an die werte Elternschaft heran? Zum Beispiel durch Veranstaltungen wie „Schulrocktour, Wissensquiz oder eine Roadshow“. Da bleibt nicht nur bei den Kids was hängen: „Ihre Werbebotschaft wird dank unserer maßgeschneiderten Konzeption spielerisch von den Schülern aufgenommen. Event und Botschaft bleiben fest und positiv im Gedächtnis verankert“, auch bei den Erwachsenen: „Hier wird Kindern etwas geboten, und Eltern erfahren sogar eine Entlastung. So können sich Unternehmen über die Wertschätzung der Kinder positiv bei den Eltern präsentieren und emotionale Verbindungen auch in ansonsten sehr sachlichen Umfeldern aufbauen.“ Donnerlittchen!

Aber womit kriegt man die Eltern am besten? Zunächst, indem man sie anflirtet: „Wir lieben Kinder und Familien!“ Das wirkt wie Balsam auf die Seelen von Muttis und Vatis, „verächtlich Helikopter-Eltern“ genannt, weil sie sich so intensiv bemühen, „ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Sie sind stolz auf ihre Kinder, manchmal aber auch unsicher in Erziehungsfragen und durch Beruf und Familie stark belastet.“ Gerade darum „freuen sich die meisten Eltern, wenn ihren Kindern Wertschätzung entgegengebracht wird, zum Beispiel durch ein kleines Geschenk, durch Aktionen und Kinder- oder Familien-Events, Sponsoring von Schul- oder Vereinsaktivitäten oder ähnliches.“ Zusätzlich brauchen sie Beratung – durch die lieben Kleinen selbst. „Insbesondere in Technik- und Modefragen sind sie ihren Eltern oft voraus und werden als Berater geschätzt.“ Gut, dass das Marketing diese Nachwuchsberater vorab schult.

Das hört auch nicht auf, wenn die Kinder groß werden – ganz im Gegenteil: „Die Jugendphase dehnt sich nach vorn und hinten aus, Grundschulkinder wie auch Erwachsene orientieren sich an den Teenagern und Young Adults, die in so vielen Bereichen voraus sind, neue Technologien scheinbar spielerisch beherrschen, Geschmack und Stil nicht nur ihrer Generation, sondern der gesamten Gesellschaft prägen.“ Oder, ein Fingerzeig für CDU-Innenminister: „Jugendlichkeit hat sich von der Zwischenphase zur Leitkultur der Gesellschaft entwickelt.“
Was gehört zur Jugendlichkeit? Zum Beispiel gute Freunde, deren Namen ältere Herrschaften zusammenzucken lässt: die Influencer. „Mit YouTube ziehen diese Influencer nun auch direkt in die Zimmer der Jugendlichen ein.“
Was machen sie da? „Insbesondere für junge Nutzer bringen Influencer neben Authentizität und Glaubwürdigkeit viel Inspiration für neue Marken und Produkte in den Werbemix.“ Das geht so: „Mit sehr durchdachten und klugen Kampagnen und Themen schaffen es Unternehmen, Jugendliche für ihre Produkte zu begeistern. Dabei dienen Produkt-Tests oder das sogenannte Product-Placement als wichtige Hilfsmittel. Jugendliche werden gezielt mit Informationen zu den Produkten versorgt und erkennen diese Werbung manchmal nicht.“
Ist das nicht verboten? Ja, das wissen die Profis natürlich und warnen deshalb: „Schleichwerbung ist ein großes Problem in den digitalen Medien und wird von seriösen Agenturen auch nicht eingesetzt.“ Viel wichtiger ist nämlich Folgendes: „Die Nutzer schätzen vor allem das Gefühl, durch Influencer persönlich angesprochen zu werden (29 Prozent). Ferner wurden die überzeugenden Erklärungen der Vor- und Nachteile (28 Prozent) genannt sowie, durch ihre Empfehlungen leichter entscheiden zu können (28 Prozent).“

Wehe mir, seufzt da der Oldie, der sich Sneaker und HotPants mühsam über den welken Leib zerrt, weil er auch zur Leitkultur gehören möchte: Nimmt mich das Marketing überhaupt noch wahr?
Keine Angst, es hat sogar einen schönen Namen parat: „Als ‚Silver Ager‘ oder ‚Grampies‘ (growing retired active moneyed people in an excellent state) wurde die Generation 50+“ vor rund zehn Jahren als neue Zielgruppe der Werbetreibenden identifiziert. Sie gilt als „einkommensstark und markenaffin, konsum- und lebenserfahren.“ Na, bitte!
„Für das Kinder- und Familienmarketing sind die über 50-Jährigen noch aus einem anderen Grund relevant.“ Sie sind nämlich „Schenker“, „Ermöglicher“ oder „Verwöhner“. Und: „Für die Großeltern bedeuten Kinder nicht Alltag, sondern Auszeit. In dieser Auszeit schaffen sie eine eigene Welt mit kleinen und großen Geschenken. Das Beste ist für sie gerade gut genug, gerne darf dann preislich upgegradet werden.“ „Preislich upgraden“ – das ist reine Werbepoesie!

Was sagen eigentlich die Kinder dazu? Geben wir Oskar, 12 Jahre, das Wort, der als Berater-Kid in der Imagebroschüre einer Marketingfirma zitiert wird: „Aber in der Werbung sieht man immer die neuesten Sachen, die man vorher noch nicht kannte, und man wird echt gut informiert. Das ist ein bisschen so wie Nachrichten. Dann weiß ich, was es in der Kinderwelt Neues gibt. Und es ist gut, wenn man was Neues entdeckt, dann kann man sich freuen und hoffen, dass man genug Geld hat.“
Danke, Oskar. Das war ein schönes Schlusswort.

Anmerkung:
Alle in Anführungszeichen gesetzten Sätze und Satzteile sind Webseiten von Kinder- und Jugendmarketingagenturen entnommen. (Micha Fink)

Geständnisse eines Zuckerzogenen

Ich bin mit dem Zeug groß geworden. Eine der frühesten Babygeschichten, die es über mich gibt, handelt davon, dass ich, weil mir ein Riegel Kinderschokolade im Rachen stecken blieb, unseren Planeten fast verlassen hätte. Immerhin mit einer extra Portion Milch. An diesen Slogan glaubt meine Tante heute noch und schenkt unserer Tochter regelmäßig Zehnermagazine dieser…

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Aufruf von 130 Wissenschaft­ler_innen

Qualitätsstandards in der frühen Erziehung, Bildung und Betreuung jetzt angleichen, dauerhaft verbessern und finanziell sichern

Die Forschung zu frühkindlicher Entwicklung und institutioneller Bildung, Erziehung und Betreuung liefert eindeutige Belege: Investitionen in strukturelle Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung führen zu einer verbesserten pädagogischen Qualität und wirken sich förderlich auf kindliche Bildungs- und Entwicklungsverläufe aus. Dieses Wissen ist empirisch abgesichert und gut dokumentiert – jetzt muss es genutzt werden! Die Verantwortung dafür, WIE dies geschieht, liegt nach wie vor in den Bundesländern, bei den Kommunen und Trägern. Dafür, DASS diese Erkenntnisse umgesetzt werden, bedarf es jedoch enormer Ressourcen mit Unterstützung des Bundes. Um allen Kindern unabhängig von Herkunft und Wohnort gleiche Chancen zu ermöglichen, muss jede künftige Bundesregierung sicherstellen, dass auch in finanzschwachen Regionen ein bedarfsgerechter quantitativer und qualitativer Ausbau von Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege ermöglicht wird. Es sollte dabei sichergestellt werden, dass die Mittel tatsächlich in der Kindertagesbetreuung und bei den Kindern ankommen. Bund und Länder haben sich in einem gemeinsam gestalteten Prozess bereits auf Eckpunkte für ein Qualitätsentwicklungsgesetz verständigt. Die unterzeichnenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begründen den hierin ausgedrückten Willen der Politik, für alle Kinder in Deutschland auf vergleichbare Rahmenbedingungen in frühpädagogischen Institutionen hinzuarbeiten und so das

Postulat der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse einzulösen. Sie unterstützen ausdrücklich die im Beschluss vom 18./19. Mai 20171 niedergelegte Absicht der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK), die Erarbeitung eines solchen Gesetzes voran zu treiben.

Wir fordern die politisch Verantwortlichen daher auf:

(1) den Beschluss der JFMK unmittelbar nach Beginn der nächsten Legislaturperiode des Bundestags in ein Gesetzgebungsverfahren einmünden zu lassen

(2) die in Aussicht gestellte Mitfinanzierung des Bundes strukturell abzusichern, zügig zu realisieren und regelmäßig Bericht über quantitative und qualitative Aspekte des Qualitätsentwicklungsprozesses – auch unter vergleichender Perspektive – zu erstatten

(3) den Prozess der Aushandlung von Qualitätsentwicklungszielen in den Ländern unmittelbar zu beginnen, diesen partizipativ und transparent zu gestalten und seinen Fortschritt über konkret formulierte Meilensteine sicht- und überprüfbar zu machen

(4) die abzuschließenden länderspezifischen Zielvereinbarungen gemäß der neun formulierten Handlungsfelder im Beschluss der JFMK – z. B. zum Personaleinsatz oder zu Leitungstätigkeiten – grundsätzlich an empirisch abgesicherten Standards und wissenschaftlichen Erkenntnissen2 zu orientieren

(5) das bisherige Finanzierungsvolumen bzw. den erreichten Stand der Investitionen in Qualität und Qualitätsentwicklung in den Ländern unter keinen Umständen zurückzufahren, sondern zusätzliche Mittel für weitere Qualitätsverbesserungen zu verwenden

(6) die produktive Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung weiterhin zu suchen, um den Qualitätsprozess kritisch-konstruktiv begleiten zu lassen und dessen Ergebnisse und Effekte empirisch zu analysieren.

 

Initiatorinnen:
1. Prof. Dr. Susanne Viernickel (Universität Leipzig)

2. Prof. Dr. Irene Dittrich (Studiengang Kindheits­pädagogik)

3. Prof. Dr. Rahel Dreyer (Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e. V.)

 

Foto: chrisko82,  photocase.de

Vom Umgang mit einem inneren Widerstand

Es ist immer ein Widerstand zu überwinden, wenn wir uns weiterentwickeln wollen. Manchmal fällt uns das leicht. Wir sind dann intrinsisch motiviert, haben vielleicht tolle Leute um uns, oder die Sterne stehen einfach günstig. Andere Lerngelegenheiten sind für uns schwer als solche wahrzunehmen. Davon handelt die folgende Lerngeschichte. Weiter lesen…

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Kritik an Bedingungen in deutschen Kitas

Wir kritisieren die Bedingungen in deutschen Kitas und fordern mehr Personal und Qualität – jetzt und dringlich!

Als Vertreter*innen des bundesweiten „Netzwerk Fortbildung: Kinder bis drei“1 schlagen wir Alarm. Wir kritisieren die unzumutbare Überbelastung des Personals in pädagogischen Einrichtungen. Den Erzieherinnen und Erziehern wird ein immer größer werdender Aufgabenberg zugemutet, ohne ihnen die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Immer mehr Fachkräfte sind von Burn-out bedroht. Hoch engagierte Fachkräfte geben ihren Beruf auf, weil sie ihre pädagogischen Ziele nicht mehr umsetzen können oder weil sie unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht mehr arbeiten wollen.

Wir wissen aus zahlreichen Studien zur Qualität von Kindertagesbetreuung2, dass qualitativ gute Betreuung exzellente Rahmenbedingungen braucht, um das Wohl aller Kinder und ihr Recht auf Bildung zu gewährleisten. Jedoch zeigen unsere aktuellen bundesweiten Erfahrungen aus Praxisforschung, Fachberatung, Fortbildung und Supervision, dass die Schere zwischen den Rahmenbedingungen der Einrichtungen und den Anforderungen an die Fachkräfte immer weiter auseinander klafft.

Wir erleben engagierte Träger im Land, die ihre Verantwortung wahrnehmen und ihre Einrichtungen weit über den Mindeststandard ausstatten, auch wenn dies die eigenen Kassen strapaziert. Sie brauchen eine bessere finanzielle Ausstattung durch Land und Bund!

Gleichzeitig erleben wir jedoch viele Träger, die ihre Einrichtungen vernachlässigen und nur darauf setzen, dass Eltern sich nicht beschweren.

Als Fortbildner*innen und Berater*innen mit engem Praxiskontakt sehen wir uns in der Pflicht, diese Missstände öffentlich zu machen:

 

In vielen Bundesländern ist die Fachkraft-Kind-Relation unhaltbar.

• Es gibt deutlich zu wenig bis gar keine Zeit für Teambesprechungen, um die pädagogische Arbeit zu reflektieren;

• Teilzeitkräfte haben keine Übergabezeiten; es fehlen Vorbereitungszeiten;

der Krankenstand ist hoch: umso höher, je schlechter die Rahmenbedingungen sind;

• durch die hohen Belastungsanforderungen entstehen strukturelle unbewältigbare Überforderungssituationen; wir erfahren, dass Fachkräfte ungewollt in Situationen geraten, in denen das Wohlergehen, die Würde und die Rechte der Kinder gefährdet sind, obwohl Erzieher*innen Anwälte der Kinder sein wollen.

 

Deshalb fordern wir für Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder in den ersten drei Lebensjahren:

• Kinderrechte als Maßstab für politische Entscheidungen;

• bessere personelle Ausstattung für alle Kindertageseinrichtungen;

• fachlich qualifizierte und für Teamentwicklung freigestellte Leitungen für jede Kindertageseinrichtung;

• qualifizierte, verlässliche und finanzierte Aus- und Fortbildung, Fachberatung, Supervision;

• Berücksichtigung der verschiedenen Arbeitsaufgaben in Kindertageseinrichtungen, das heißt: Anstellung von Verwaltungs- und hauswirtschaftlichen Kräften;

• Einbindung und Mitbestimmung pädagogisch fachlicher Expertise in Planung und Durchführung von Aus- und Neubauten;

• mehr Raum für Kind und Fachkraft.

 

Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr – jetzt!

Wir fordern Sie auf, in Bund, Land, Kommunen und der Trägerlandschaft Ihren Beitrag in der Verantwortungsgemeinschaft für Kindertagesstätten zu leisten, damit die Rechte und die Würde aller Kinder gewahrt werden.

Statten Sie Kindertagesbetreuung so aus, dass Kinder- und Menschenrechte garantiert sind und der gesetzliche Bildungsauftrag durch die Fachkräfte erfüllt werden kann.

Wir sind dabei und laden Sie ein, mit uns ins Gespräch zu kommen!

 

Kontaktadresse:

qualitaet.jetzt@gmail.com

In Vertretung der Erstunterzeichner*innen:

Barbara Baedeker, Freiburg; Elisabeth Erndt-Doll, Herrsching; Michaele Gabel, Idstein; Ute Steinmüller, Rostock; Prof. Dr. Wiebke Wüstenberg,

Frankfurt; Sylvia Zöller, Karlsruhe

 

Wie aus Protest Politik wird

„bodies in urban spaces“ Die Performance-Arbeiten von Willi Dorner fotografierte Lisa Rastl. Mehr Infos, Bilder, Termine … unter: www.ciewdorner.at     Textidee: Srdja Popvic. Futurzwei. Magazin für Zukunft und Politik. Herausgegeben von Harald Welzer. taz-Verlag 2017 wamiki-Tipp: Srdja Popvic und Matthew Miller: Protest! Wie man die Mächtigen das Fürchten lehrt. S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt/M….

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Komm heim!

Woher kommst Du, liebe Leserin, lieber Leser?

Hast Du eine Heimat? So eine richtige, mit alten Eichen, alten Tanten und Fachwerkhäusern? Wird in Deiner Heimat gejodelt, plattdeutsch gesprochen oder gar sächsisch? Verzehrt Ihr gern Saumagen, frömmelt ihr ganzjährig, um im Karneval oder beim Schützenfest die Sau aus jedwedem Loch zu lassen?

Wir vermuten: Du kommst auch nur von dort, wo wir alle herkommen. Kindheit im Reihenhaus am Rande von Doppelnamenhausen, dann der Umzug nach Kaffstadt. Später in das Viertel jener Stadt gezogen, wo sie alle wohnen. Oder im Plattenbau aufgewachsen und immer noch drin, wenn auch am Rande der Hauptstadt. Manchmal, im Urlaub, wenn die Trachtenkapelle an Dir vorbeizieht, hast Du kurz das Gefühl, Du seist jetzt da, wovon der Begriff künden will: in einer Art Heimat. Aber fühlst Du Dich da wirklich wohl?

In diesem Heft erkunden wir, was das ist und was das bedeutet: Heimat. Ob man automatisch eine hat, ob man sie sich erschaffen kann, ob man mehrere haben kann. Und ob sie sich von ihrem Gegenüber, der Fremde, überhaupt unterscheidet. Hat nicht jede Heimat Seiten, die uns eher befremdlich erscheinen? Und entdecken wir nicht in der allerfernsten Fremde plötzlich etwas Heimatliches wieder?

Heimat, Fremde, Identität. Unsere Kultur und die der anderen:
Viel ist in der letzten Zeit von solchen Wörtern zu lesen, auch in Bezug auf Kinder und ihr Aufwachsen in einer Welt voller Heimat-Flüchtiger.

Wir wollen in diesem Heft untersuchen, was sich hinter solchen Schlagwörtern, die allzu gern für Parolen taugen, an Erfahrungen versteckt.

Dir jederzeit gern eine Heimat für Lesestunden sind

Deine wamikis

Und hier geht es zum Heft #3/2017 unserer pädagogischen Fachzeitschrift