„Wir lieben Kinder und Familien!“

Ein Besuch auf den Seiten des Kinder- und Jugendmarketings

Viele Pädagogen sehnen sich danach, Kinder zu prägen, und hoffen im Stillen, lebenslang in Erinnerung zu bleiben. Das können andere Leute viel besser – die Kinder- und Jugendmarketingprofis nämlich. Sie bestimmen, so meine These, die Entwicklung von Kindern stärker mit, als es uns Pädagogen und Eltern bewusst ist. Gut, dass sie im Netz freimütig – und nur an manchen Stellen ein wenig verhalten – berichten, wie sie das tun. Solche Netzfunde habe ich gesammelt und geordnet, auf dass die Leserschaft sich ein Bild mache: Wie und wo spricht das Kindermarketing Kinder an?


Wann sollte ich mit dem Kindermarketing beginnen? So früh wie möglich: „Je früher Marketingpräferenzen entstehen, desto stabiler und länger wird die Beziehung zu einer Marke oder einem Produkt anhalten.“ Ok.
Wie komme ich an kleine Kinder heran, um ihnen Markenprodukte und deren Vorteile zu präsentieren? Ich mache „Werbung in Kindergärten – denn die Kleinen entscheiden mit. Sie haben Mitspracherecht beim Kauf von Produkten und Lebensmitteln im Supermarkt, bei der Auswahl von Einrichtungsgegenständen oder der eigenen Kleidung.“ Ach so, ich kann in der Kita Produkte vorstellen, die zu kaufen Kinder dann ihre Eltern zwingen? Na klar, denn: „Schon längst sind Kinder die heimlichen Oberhäupter in ihren Familien und bestimmen, wo es lang geht!“

Aber wie werbe ich im Kindergarten? „Ob Malbücher, Zahnbürsten, Comics oder Backzutaten: Kindergartenmarketing mit edukativem Charakter lässt sich bestens in den Kindergartenalltag integrieren.“ Wie bitte? Edukative Backzutaten? Macht Dr. Oetker neuerdings Zupfkuchen-Projekte? Wahrscheinlich, denn er weiß, Kinder „sind besonders empfänglich für Informationen und Inhalte, die in spannende und aufregende Aufgaben und Aktionen eingearbeitet sind“. Aber immer schön aufpassen: „Durch die Organisation und Betreuung von projektbezogenen Erlebnistagen erreichen wir die junge Zielgruppe überzeugend, ohne einen werblichen Eindruck zu hinterlassen.“

Checken denn die pädagogischen Fachkräfte nichts? „Erzieher, die zwar pädagogisches, nicht aber betriebswirtschaftliches und organisationsgesteuertes Knowhow besitzen, unterstützen wir durch die Einführung von medialen Partnerschaften.“ Aha, verstehe: Du zwar lieb, aber nix gutes Projekt hinkrieg. Wir von Puddingfabrik dir helfen: „Gemeinsam entwickeln wir Informations- und Aufklärungsplakate für Eltern und beraten sie bei der Organisation von internen und externen Veranstaltungen in ihrem Kindergarten oder der Kindertagesstätte.“ Vielleicht so: Liebe Eltern, herzlich willkommen zum Elternabend powered by Kaufhalle, hier in unserem gemütlichen Zewawischundweg-Raum!

Na gut, in der Kita mag das klappen – schon angesichts des Personalmangels. Aber in der altehrwürdigen Schule ist das unmöglich, oder? Denkste! „Werbung an Grundschulen ist möglich, wenn man die gesetzlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt und vor allem immer den pädagogischen Nutzwert für die Schülerinnen und Schüler im Auge behält.“ Außerdem: „Mittlerweile verfügen selbst junge Schüler zwischen 6 und 7 Jahren immer noch über mehrere hundert Euro Sparvermögen.“ Allein an der Grundschule gibt es laut Agenturseite 2 708 752 potenzielle Sparbuchbesitzer.
Und worin besteht der besagte pädagogische Nutzwert? Zum Beispiel in fix und fertig gelieferten Unterrichtseinheiten, die „Lehrer/innen entlasten und bereichern mit lehrplankonformem, hochwertigem Unterrichtsmaterial zum Thema Hör- und Sprachkompetenz“. Worum geht es genau? Zum Beispiel darum, „das Image der Serie ‚Fünf Freunde‘ und die Stärken des ‚Kulturguts‘ Hörspiel als edukatives Instrument in den Fokus zu rücken“. Pfiffige Idee, wenn auch etwas abgehoben formuliert. Überzeugender wirkt: Kinder, heute möchte ich mit euch das Kulturgut Paprika-Chips mit drei tollen Geschmäckern besprechen. Jemand Bock auf Pombär?

Auch außerhalb des Unterrichts ist die Zielgruppe Kind gut erreichbar. „Grundschüler lieben bunte Farben, tolle Muster und lustige Testimonials.“ Hä? Was ist das denn? Egal, weiter: „Nutzen Sie dieses Wissen und versuchen Sie, kreativ zu sein. Malhefte bieten sich in Grundschulen besonders an, da eine Interaktion erfolgt, das Produkt mit nach Hause genommen wird und die Schüler sich über einen längeren Zeitraum damit beschäftigen.“ Klingt klebrig. Gut, dass die gleiche Agentur zwei Absätze zuvor erklärte: „Es wäre moralisch also kaum zu vertreten, diesen Kindern auch noch Produkte anpreisen zu wollen. Tipp: Versuchen Sie den Weg lieber direkt über die Eltern als Influencer.“

Und wie kommt man an die werte Elternschaft heran? Zum Beispiel durch Veranstaltungen wie „Schulrocktour, Wissensquiz oder eine Roadshow“. Da bleibt nicht nur bei den Kids was hängen: „Ihre Werbebotschaft wird dank unserer maßgeschneiderten Konzeption spielerisch von den Schülern aufgenommen. Event und Botschaft bleiben fest und positiv im Gedächtnis verankert“, auch bei den Erwachsenen: „Hier wird Kindern etwas geboten, und Eltern erfahren sogar eine Entlastung. So können sich Unternehmen über die Wertschätzung der Kinder positiv bei den Eltern präsentieren und emotionale Verbindungen auch in ansonsten sehr sachlichen Umfeldern aufbauen.“ Donnerlittchen!

Aber womit kriegt man die Eltern am besten? Zunächst, indem man sie anflirtet: „Wir lieben Kinder und Familien!“ Das wirkt wie Balsam auf die Seelen von Muttis und Vatis, „verächtlich Helikopter-Eltern“ genannt, weil sie sich so intensiv bemühen, „ihren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Sie sind stolz auf ihre Kinder, manchmal aber auch unsicher in Erziehungsfragen und durch Beruf und Familie stark belastet.“ Gerade darum „freuen sich die meisten Eltern, wenn ihren Kindern Wertschätzung entgegengebracht wird, zum Beispiel durch ein kleines Geschenk, durch Aktionen und Kinder- oder Familien-Events, Sponsoring von Schul- oder Vereinsaktivitäten oder ähnliches.“ Zusätzlich brauchen sie Beratung – durch die lieben Kleinen selbst. „Insbesondere in Technik- und Modefragen sind sie ihren Eltern oft voraus und werden als Berater geschätzt.“ Gut, dass das Marketing diese Nachwuchsberater vorab schult.

Das hört auch nicht auf, wenn die Kinder groß werden – ganz im Gegenteil: „Die Jugendphase dehnt sich nach vorn und hinten aus, Grundschulkinder wie auch Erwachsene orientieren sich an den Teenagern und Young Adults, die in so vielen Bereichen voraus sind, neue Technologien scheinbar spielerisch beherrschen, Geschmack und Stil nicht nur ihrer Generation, sondern der gesamten Gesellschaft prägen.“ Oder, ein Fingerzeig für CDU-Innenminister: „Jugendlichkeit hat sich von der Zwischenphase zur Leitkultur der Gesellschaft entwickelt.“
Was gehört zur Jugendlichkeit? Zum Beispiel gute Freunde, deren Namen ältere Herrschaften zusammenzucken lässt: die Influencer. „Mit YouTube ziehen diese Influencer nun auch direkt in die Zimmer der Jugendlichen ein.“
Was machen sie da? „Insbesondere für junge Nutzer bringen Influencer neben Authentizität und Glaubwürdigkeit viel Inspiration für neue Marken und Produkte in den Werbemix.“ Das geht so: „Mit sehr durchdachten und klugen Kampagnen und Themen schaffen es Unternehmen, Jugendliche für ihre Produkte zu begeistern. Dabei dienen Produkt-Tests oder das sogenannte Product-Placement als wichtige Hilfsmittel. Jugendliche werden gezielt mit Informationen zu den Produkten versorgt und erkennen diese Werbung manchmal nicht.“
Ist das nicht verboten? Ja, das wissen die Profis natürlich und warnen deshalb: „Schleichwerbung ist ein großes Problem in den digitalen Medien und wird von seriösen Agenturen auch nicht eingesetzt.“ Viel wichtiger ist nämlich Folgendes: „Die Nutzer schätzen vor allem das Gefühl, durch Influencer persönlich angesprochen zu werden (29 Prozent). Ferner wurden die überzeugenden Erklärungen der Vor- und Nachteile (28 Prozent) genannt sowie, durch ihre Empfehlungen leichter entscheiden zu können (28 Prozent).“

Wehe mir, seufzt da der Oldie, der sich Sneaker und HotPants mühsam über den welken Leib zerrt, weil er auch zur Leitkultur gehören möchte: Nimmt mich das Marketing überhaupt noch wahr?
Keine Angst, es hat sogar einen schönen Namen parat: „Als ‚Silver Ager‘ oder ‚Grampies‘ (growing retired active moneyed people in an excellent state) wurde die Generation 50+“ vor rund zehn Jahren als neue Zielgruppe der Werbetreibenden identifiziert. Sie gilt als „einkommensstark und markenaffin, konsum- und lebenserfahren.“ Na, bitte!
„Für das Kinder- und Familienmarketing sind die über 50-Jährigen noch aus einem anderen Grund relevant.“ Sie sind nämlich „Schenker“, „Ermöglicher“ oder „Verwöhner“. Und: „Für die Großeltern bedeuten Kinder nicht Alltag, sondern Auszeit. In dieser Auszeit schaffen sie eine eigene Welt mit kleinen und großen Geschenken. Das Beste ist für sie gerade gut genug, gerne darf dann preislich upgegradet werden.“ „Preislich upgraden“ – das ist reine Werbepoesie!

Was sagen eigentlich die Kinder dazu? Geben wir Oskar, 12 Jahre, das Wort, der als Berater-Kid in der Imagebroschüre einer Marketingfirma zitiert wird: „Aber in der Werbung sieht man immer die neuesten Sachen, die man vorher noch nicht kannte, und man wird echt gut informiert. Das ist ein bisschen so wie Nachrichten. Dann weiß ich, was es in der Kinderwelt Neues gibt. Und es ist gut, wenn man was Neues entdeckt, dann kann man sich freuen und hoffen, dass man genug Geld hat.“
Danke, Oskar. Das war ein schönes Schlusswort.

Anmerkung:
Alle in Anführungszeichen gesetzten Sätze und Satzteile sind Webseiten von Kinder- und Jugendmarketingagenturen entnommen. (Micha Fink)

Geständnisse eines Zuckerzogenen

Ich bin mit dem Zeug groß geworden. Eine der frühesten Babygeschichten, die es über mich gibt, handelt davon, dass ich, weil mir ein Riegel Kinderschokolade im Rachen stecken blieb, unseren Planeten fast verlassen hätte. Immerhin mit einer extra Portion Milch. An diesen Slogan glaubt meine Tante heute noch und schenkt unserer Tochter regelmäßig Zehnermagazine dieser…

Diesen Beitrag kannst Du nur mit einem wamiki – Print-Abo, e-wamiki – Drei-Monats-Abo oder e-wamiki – Jahres-Abo kostenlos lesen.

Alternativ kannst Du diesen Beitrag jetzt für 2 € kaufen. Dazu musst Du Dir ein Kundenkonto anlegen. Dann geht’s los: In Deiner eigenen Bibliothek kannst Du Deine gekauften Lieblingsbeiträge speichern, drucken, thematisch sortieren und an Freunde weiterleiten. Außerdem kannst Du alle Beiträge online kommentieren und Kontakt zu den Autor_innen aufnehmen.

Wenn Du bereits ein wamiki Abonnement hast oder diesen Beitrag bereits gekauft hast, brauchst Du Dich nur einzuloggen.

Jetzt Kaufen für 2 €EinlogggenAbonnent werden

Aufruf von 56 Wissenschaft­ler_innen

Qualitätsstandards in der frühen Erziehung, Bildung und Betreuung jetzt angleichen, dauerhaft verbessern und finanziell sichern

Die Forschung zu frühkindlicher Entwicklung und institutioneller Bildung, Erziehung und Betreuung liefert eindeutige Belege: Investitionen in strukturelle Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung führen zu einer verbesserten pädagogischen Qualität und wirken sich förderlich auf kindliche Bildungs- und Entwicklungsverläufe aus. Dieses Wissen ist empirisch abgesichert und gut dokumentiert – jetzt muss es genutzt werden! Die Verantwortung dafür, WIE dies geschieht, liegt nach wie vor in den Bundesländern, bei den Kommunen und Trägern. Dafür, DASS diese Erkenntnisse umgesetzt werden, bedarf es jedoch enormer Ressourcen mit Unterstützung des Bundes. Um allen Kindern unabhängig von Herkunft und Wohnort gleiche Chancen zu ermöglichen, muss jede künftige Bundesregierung sicherstellen, dass auch in finanzschwachen Regionen ein bedarfsgerechter quantitativer und qualitativer Ausbau von Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege ermöglicht wird. Es sollte dabei sichergestellt werden, dass die Mittel tatsächlich in der Kindertagesbetreuung und bei den Kindern ankommen. Bund und Länder haben sich in einem gemeinsam gestalteten Prozess bereits auf Eckpunkte für ein Qualitätsentwicklungsgesetz verständigt. Die unterzeichnenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begründen den hierin ausgedrückten Willen der Politik, für alle Kinder in Deutschland auf vergleichbare Rahmenbedingungen in frühpädagogischen Institutionen hinzuarbeiten und so das

Postulat der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse einzulösen. Sie unterstützen ausdrücklich die im Beschluss vom 18./19. Mai 20171 niedergelegte Absicht der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK), die Erarbeitung eines solchen Gesetzes voran zu treiben.

Wir fordern die politisch Verantwortlichen daher auf:

(1) den Beschluss der JFMK unmittelbar nach Beginn der nächsten Legislaturperiode des Bundestags in ein Gesetzgebungsverfahren einmünden zu lassen

(2) die in Aussicht gestellte Mitfinanzierung des Bundes strukturell abzusichern, zügig zu realisieren und regelmäßig Bericht über quantitative und qualitative Aspekte des Qualitätsentwicklungsprozesses – auch unter vergleichender Perspektive – zu erstatten

(3) den Prozess der Aushandlung von Qualitätsentwicklungszielen in den Ländern unmittelbar zu beginnen, diesen partizipativ und transparent zu gestalten und seinen Fortschritt über konkret formulierte Meilensteine sicht- und überprüfbar zu machen

(4) die abzuschließenden länderspezifischen Zielvereinbarungen gemäß der neun formulierten Handlungsfelder im Beschluss der JFMK – z. B. zum Personaleinsatz oder zu Leitungstätigkeiten – grundsätzlich an empirisch abgesicherten Standards und wissenschaftlichen Erkenntnissen2 zu orientieren

(5) das bisherige Finanzierungsvolumen bzw. den erreichten Stand der Investitionen in Qualität und Qualitätsentwicklung in den Ländern unter keinen Umständen zurückzufahren, sondern zusätzliche Mittel für weitere Qualitätsverbesserungen zu verwenden

(6) die produktive Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung weiterhin zu suchen, um den Qualitätsprozess kritisch-konstruktiv begleiten zu lassen und dessen Ergebnisse und Effekte empirisch zu analysieren.

 

Initiatorinnen:
1. Prof. Dr. Susanne Viernickel (Universität Leipzig)

2. Prof. Dr. Irene Dittrich (Studiengang Kindheits­pädagogik)

3. Prof. Dr. Rahel Dreyer (Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e. V.)

 

Foto: chrisko82,  photocase.de

Vom Umgang mit einem inneren Widerstand

Es ist immer ein Widerstand zu überwinden, wenn wir uns weiterentwickeln wollen. Manchmal fällt uns das leicht. Wir sind dann intrinsisch motiviert, haben vielleicht tolle Leute um uns, oder die Sterne stehen einfach günstig. Andere Lerngelegenheiten sind für uns schwer als solche wahrzunehmen. Davon handelt die folgende Lerngeschichte. Weiter lesen…

Diesen Beitrag kannst Du nur mit einem wamiki – Print-Abo, e-wamiki – Drei-Monats-Abo oder e-wamiki – Jahres-Abo kostenlos lesen.

Alternativ kannst Du diesen Beitrag jetzt für 2 € kaufen. Dazu musst Du Dir ein Kundenkonto anlegen. Dann geht’s los: In Deiner eigenen Bibliothek kannst Du Deine gekauften Lieblingsbeiträge speichern, drucken, thematisch sortieren und an Freunde weiterleiten. Außerdem kannst Du alle Beiträge online kommentieren und Kontakt zu den Autor_innen aufnehmen.

Wenn Du bereits ein wamiki Abonnement hast oder diesen Beitrag bereits gekauft hast, brauchst Du Dich nur einzuloggen.

Jetzt Kaufen für 2 €EinlogggenAbonnent werden

Kritik an Bedingungen in deutschen Kitas

Wir kritisieren die Bedingungen in deutschen Kitas und fordern mehr Personal und Qualität – jetzt und dringlich!

Als Vertreter*innen des bundesweiten „Netzwerk Fortbildung: Kinder bis drei“1 schlagen wir Alarm. Wir kritisieren die unzumutbare Überbelastung des Personals in pädagogischen Einrichtungen. Den Erzieherinnen und Erziehern wird ein immer größer werdender Aufgabenberg zugemutet, ohne ihnen die entsprechenden Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Immer mehr Fachkräfte sind von Burn-out bedroht. Hoch engagierte Fachkräfte geben ihren Beruf auf, weil sie ihre pädagogischen Ziele nicht mehr umsetzen können oder weil sie unter den derzeitigen Rahmenbedingungen nicht mehr arbeiten wollen.

Wir wissen aus zahlreichen Studien zur Qualität von Kindertagesbetreuung2, dass qualitativ gute Betreuung exzellente Rahmenbedingungen braucht, um das Wohl aller Kinder und ihr Recht auf Bildung zu gewährleisten. Jedoch zeigen unsere aktuellen bundesweiten Erfahrungen aus Praxisforschung, Fachberatung, Fortbildung und Supervision, dass die Schere zwischen den Rahmenbedingungen der Einrichtungen und den Anforderungen an die Fachkräfte immer weiter auseinander klafft.

Wir erleben engagierte Träger im Land, die ihre Verantwortung wahrnehmen und ihre Einrichtungen weit über den Mindeststandard ausstatten, auch wenn dies die eigenen Kassen strapaziert. Sie brauchen eine bessere finanzielle Ausstattung durch Land und Bund!

Gleichzeitig erleben wir jedoch viele Träger, die ihre Einrichtungen vernachlässigen und nur darauf setzen, dass Eltern sich nicht beschweren.

Als Fortbildner*innen und Berater*innen mit engem Praxiskontakt sehen wir uns in der Pflicht, diese Missstände öffentlich zu machen:

 

In vielen Bundesländern ist die Fachkraft-Kind-Relation unhaltbar.

• Es gibt deutlich zu wenig bis gar keine Zeit für Teambesprechungen, um die pädagogische Arbeit zu reflektieren;

• Teilzeitkräfte haben keine Übergabezeiten; es fehlen Vorbereitungszeiten;

der Krankenstand ist hoch: umso höher, je schlechter die Rahmenbedingungen sind;

• durch die hohen Belastungsanforderungen entstehen strukturelle unbewältigbare Überforderungssituationen; wir erfahren, dass Fachkräfte ungewollt in Situationen geraten, in denen das Wohlergehen, die Würde und die Rechte der Kinder gefährdet sind, obwohl Erzieher*innen Anwälte der Kinder sein wollen.

 

Deshalb fordern wir für Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder in den ersten drei Lebensjahren:

• Kinderrechte als Maßstab für politische Entscheidungen;

• bessere personelle Ausstattung für alle Kindertageseinrichtungen;

• fachlich qualifizierte und für Teamentwicklung freigestellte Leitungen für jede Kindertageseinrichtung;

• qualifizierte, verlässliche und finanzierte Aus- und Fortbildung, Fachberatung, Supervision;

• Berücksichtigung der verschiedenen Arbeitsaufgaben in Kindertageseinrichtungen, das heißt: Anstellung von Verwaltungs- und hauswirtschaftlichen Kräften;

• Einbindung und Mitbestimmung pädagogisch fachlicher Expertise in Planung und Durchführung von Aus- und Neubauten;

• mehr Raum für Kind und Fachkraft.

 

Nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr – jetzt!

Wir fordern Sie auf, in Bund, Land, Kommunen und der Trägerlandschaft Ihren Beitrag in der Verantwortungsgemeinschaft für Kindertagesstätten zu leisten, damit die Rechte und die Würde aller Kinder gewahrt werden.

Statten Sie Kindertagesbetreuung so aus, dass Kinder- und Menschenrechte garantiert sind und der gesetzliche Bildungsauftrag durch die Fachkräfte erfüllt werden kann.

Wir sind dabei und laden Sie ein, mit uns ins Gespräch zu kommen!

 

Kontaktadresse:

qualitaet.jetzt@gmail.com

In Vertretung der Erstunterzeichner*innen:

Barbara Baedeker, Freiburg; Elisabeth Erndt-Doll, Herrsching; Michaele Gabel, Idstein; Ute Steinmüller, Rostock; Prof. Dr. Wiebke Wüstenberg,

Frankfurt; Sylvia Zöller, Karlsruhe

 

Wie aus Protest Politik wird

„bodies in urban spaces“ Die Performance-Arbeiten von Willi Dorner fotografierte Lisa Rastl. Mehr Infos, Bilder, Termine … unter: www.ciewdorner.at     Textidee: Srdja Popvic. Futurzwei. Magazin für Zukunft und Politik. Herausgegeben von Harald Welzer. taz-Verlag 2017 wamiki-Tipp: Srdja Popvic und Matthew Miller: Protest! Wie man die Mächtigen das Fürchten lehrt. S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt/M….

Dieser Artikel ist nur für unserer Abonennten sichtbar. Wenn du schon Abonennt bist kannst du dich einfach einloggen. Ansonsten kannst du einfach ein neues Benutzerkonto erstellen und Zugang für diese Artikel einzeln kaufen. Du kannst auch Abonnent werden

Komm heim!

Woher kommst Du, liebe Leserin, lieber Leser?

Hast Du eine Heimat? So eine richtige, mit alten Eichen, alten Tanten und Fachwerkhäusern? Wird in Deiner Heimat gejodelt, plattdeutsch gesprochen oder gar sächsisch? Verzehrt Ihr gern Saumagen, frömmelt ihr ganzjährig, um im Karneval oder beim Schützenfest die Sau aus jedwedem Loch zu lassen?

Wir vermuten: Du kommst auch nur von dort, wo wir alle herkommen. Kindheit im Reihenhaus am Rande von Doppelnamenhausen, dann der Umzug nach Kaffstadt. Später in das Viertel jener Stadt gezogen, wo sie alle wohnen. Oder im Plattenbau aufgewachsen und immer noch drin, wenn auch am Rande der Hauptstadt. Manchmal, im Urlaub, wenn die Trachtenkapelle an Dir vorbeizieht, hast Du kurz das Gefühl, Du seist jetzt da, wovon der Begriff künden will: in einer Art Heimat. Aber fühlst Du Dich da wirklich wohl?

In diesem Heft erkunden wir, was das ist und was das bedeutet: Heimat. Ob man automatisch eine hat, ob man sie sich erschaffen kann, ob man mehrere haben kann. Und ob sie sich von ihrem Gegenüber, der Fremde, überhaupt unterscheidet. Hat nicht jede Heimat Seiten, die uns eher befremdlich erscheinen? Und entdecken wir nicht in der allerfernsten Fremde plötzlich etwas Heimatliches wieder?

Heimat, Fremde, Identität. Unsere Kultur und die der anderen:
Viel ist in der letzten Zeit von solchen Wörtern zu lesen, auch in Bezug auf Kinder und ihr Aufwachsen in einer Welt voller Heimat-Flüchtiger.

Wir wollen in diesem Heft untersuchen, was sich hinter solchen Schlagwörtern, die allzu gern für Parolen taugen, an Erfahrungen versteckt.

Dir jederzeit gern eine Heimat für Lesestunden sind

Deine wamikis

Und hier geht es zum Heft #3/2017 unserer pädagogischen Fachzeitschrift

Fortbildner_innen für mehr Personal und Qualität

Eine bessere personelle Ausstattung und verbesserte Rahmenbedingungen in der Frühen Bildung fordern jetzt in einem Offenen Brief Fortbildner_innen und Berater_innen aus den Reihen des „Netzwerk Fortbildung: Kinder bis drei“. Sie kritisieren die unhaltbaren Zustände in deutschen Kitas hinsichtlich Personalüberlastung und Rahmenbedingungen und fordern sofortige Verbesserungen! Der Offene Brief kann und sollte (!) mitunterzeichnet werden! wamiki dokumentiert den Text. Weiter lesen

Was heißt denn anerkennen?

Bert Lillhold, Autor der Kita-Krimis, arbeitet im Brotberuf als Hausmeister in der Berliner Kita „Kumpelnest“. Wie wird die Arbeit des passionierten Rauchers, Radfahrers und Rettungsschwimmers anerkannt? wamiki traf ihn in seiner Werkstatt und fragte nach.

Herr Lillhold, wird Ihre Arbeit vom pädagogischen Personal anerkannt?

Gute Frage. Was heißt denn Anerkennung? Dass die Frauen mir auf die Schulter klopfen? Nö, machen die nicht.

Erkennen Sie die Arbeit der Erzieherinnen an?

Was heißt denn anerkennen! Ich sehe, wie die ackern und dass sie oft total am Limit sind. Ist ja auch kein Wunder, wenn man sieht, was für Kinder und Familien hier aufkreuzen. Und wenn ich mitkriege, was die Frauen verdienen, dann denke ich… Schließlich ist Geld ja auch ´ne Form von Anerkennung, oder? Darum gehe ich auch manchmal mit auf die Demos.

Was verdienen Sie eigentlich, Herr Lillhold?

Das verrate ich nicht. Für mich reicht’s. Ich fahre eh immer Rad.

Wir haben gehört, dass die Kinder oft zu Ihnen in die Werkstatt kommen. Was bedeutet das für Sie?

Finde ich gut. Ich bin gern mit Kindern zusammen, wenn ich sie nicht bespielen muss. Die Kids kommen hier rein, gucken zu und wollen alles Mögliche wissen. Manchmal zeige ich ihnen was, lasse sie auch mal hämmern und sägen. Oder wir reparieren was zusammen. Das macht mir Spaß, wenn es nicht zu viele auf einmal sind. In diese kleine Butze dürfen nicht mehr als drei kommen, sonst krieg ich einen Knall.

In Ihre Kita gehen Mädchen und Jungen aus vielen verschiedenen Herkunftsfamilien. Verstehen Sie die Kinder denn?

Wir reden nicht so viel miteinander, sondern machen was. Da klappt es auch mit der Verständigung – zur Not mit Händen und Füßen. Außerdem bin ich selbst ein Flüchtling. Ich komme nämlich aus Sachsen, bin aber nicht traumatisiert. Na, Spaß beiseite!

Finden Sie, dass das Etwas-miteinander-Tun auch was mit Anerkennung zu tun hat?

Na, klar! In dem Moment, in dem ich etwas mit jemandem mache, lasse ich mich ja auf den ein. Egal, ob das nun ein Erwachsener oder ein Kind ist. Wäre es für mich nicht sinnvoll, würde ich abwinken. Wollen die Kinder Quatsch machen – bitte sehr. Aber ohne mich.

Die meisten fragen anfangs vorsichtig, ob sie mal gucken dürfen. Klar, solange sie mir nicht dazwischenfunken und alles durcheinanderbringen. Zugucken können sie gern. Das zeigt: Sie haben Interesse. Irgendwann machen sie dann auch mal mit. Und wenn ich eine rauchen will, gehen wir zusammen raus. Ich rauche ja immer hinterm Schuppen. Das wissen die Kinder. Keins meckert deswegen mit mir. Die mögen mich nämlich.

Manchmal wundere ich mich, wenn die Erzieherinnen sagen: „Dieser Junge ist so schwierig!“ Dann kommt der zu mir, baut was, und ich kapiere überhaupt nicht, was an dem schwierig sein soll.

Kommen auch Mädchen zu Ihnen?

Ja, aber weniger als Jungen. Wenn sie das erste Mal was gesägt haben, kommen sie immer wieder. Manchmal sogar im Prinzessinnenkleid, echt! Finde ich gut.

Sichtlich fühlen Sie sich wohl in der Kita.

Klar. Ich bin der einzige Mann hier und kann was, was die Frauen nicht machen: reparieren und so. Dann sagen sie: „Berti, wenn wir dich nicht hätten!“ Zur Teambesprechung werde ich zwar nur selten eingeladen, aber ich bin kein Quasseltyp. Ist mir also ganz recht so. Manchmal bringt mir eine ein Kaffee oder ein Stück Kuchen rum. Und dass sie weggucken, wenn ich mir eine Kippe anstecke – das ist sowieso die höchste Form von Anerkennung.

Was für ein Erziehungstal!

Eine Wanderung auf den Pfaden der Anerkennung „Für seine Spiel- und Beschäftigungsanstalt hatte Fröbel schon seit langem einen trefflicheren Namen gesucht als Kleinkinderbewahranstalt. Auf einer Wanderung mit Freunden oberhalb von Kleingölitz im Mai 1841 war er begeistert vom Anblick der in der Frühlingssonne gleich einem Garten vor ihm liegenden Berge und Täler. Hier kam ihm…

Diesen Beitrag kannst Du nur mit einem wamiki – Print-Abo, e-wamiki – Drei-Monats-Abo oder e-wamiki – Jahres-Abo kostenlos lesen.

Alternativ kannst Du diesen Beitrag jetzt für 2 € kaufen. Dazu musst Du Dir ein Kundenkonto anlegen. Dann geht’s los: In Deiner eigenen Bibliothek kannst Du Deine gekauften Lieblingsbeiträge speichern, drucken, thematisch sortieren und an Freunde weiterleiten. Außerdem kannst Du alle Beiträge online kommentieren und Kontakt zu den Autor_innen aufnehmen.

Wenn Du bereits ein wamiki Abonnement hast oder diesen Beitrag bereits gekauft hast, brauchst Du Dich nur einzuloggen.

Jetzt Kaufen für 2 €EinlogggenAbonnent werden

Eigensinn und Eigenzeit

Ende Oktober 2016, kurz vor der Zeitumstellung, sitzen drei Frauen, in rote Decken gehüllt, auf einem Boot im Berliner Urbanhafen. Über den kalten Himmel ziehen weiße Wölkchen, von der untergehenden Sonne beleuchtet, und spiegeln sich im Landwehrkanal. An diesem Ort, wie aus der Zeit gefallen, denken Dr. Christa Preissing, Udel Best und Erika Berthold über…

Diesen Beitrag kannst Du nur mit einem wamiki – Print-Abo, e-wamiki – Drei-Monats-Abo oder e-wamiki – Jahres-Abo kostenlos lesen.

Alternativ kannst Du diesen Beitrag jetzt für 2 € kaufen. Dazu musst Du Dir ein Kundenkonto anlegen. Dann geht’s los: In Deiner eigenen Bibliothek kannst Du Deine gekauften Lieblingsbeiträge speichern, drucken, thematisch sortieren und an Freunde weiterleiten. Außerdem kannst Du alle Beiträge online kommentieren und Kontakt zu den Autor_innen aufnehmen.

Wenn Du bereits ein wamiki Abonnement hast oder diesen Beitrag bereits gekauft hast, brauchst Du Dich nur einzuloggen.

Jetzt Kaufen für 2 €EinlogggenAbonnent werden

Religion, Macht und Gewalt

 Was ist Integration? Weiter lesen…

Diesen Beitrag kannst Du nur mit einem wamiki – Print-Abo, e-wamiki – Drei-Monats-Abo oder e-wamiki – Jahres-Abo kostenlos lesen.

Alternativ kannst Du diesen Beitrag jetzt für 2 € kaufen. Dazu musst Du Dir ein Kundenkonto anlegen. Dann geht’s los: In Deiner eigenen Bibliothek kannst Du Deine gekauften Lieblingsbeiträge speichern, drucken, thematisch sortieren und an Freunde weiterleiten. Außerdem kannst Du alle Beiträge online kommentieren und Kontakt zu den Autor_innen aufnehmen.

Wenn Du bereits ein wamiki Abonnement hast oder diesen Beitrag bereits gekauft hast, brauchst Du Dich nur einzuloggen.

Jetzt Kaufen für 2 €EinlogggenAbonnent werden