Werkstatt­pädagogik digital

Eine Einladung, digitale Bildung humanistisch zu gestalten

 

 

 

 

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einer Infoveranstaltung. Wir stellen Ihnen ein neues Pilotprojekt vor. Sie sitzen mit anderen Kitaleitungen in der Runde, sind neugierig, wollen neue Wege ausprobieren. Zugleich kommt Skepsis auf: Sie fragen sich, ob bzw. wie Sie Ihre Kolleg*innen zur Teilnahme motivieren können. Das Thema scheint innovativ zu sein: Mit Werkstattpädagogik die Zukunft der Kita gestalten. Klingt gut, oder? Aber das Ganze ist ein Projekt, in dem die Teams digital in Onlinekursen lernen. Digital. Mit dem gesamten Team.

„Häh? Wie soll das denn gelingen?“

Das mag oder kann sich zunächst niemand aus der Runde so richtig vorstellen.

Deshalb probieren wir es aus!

Hah! Die Technik ist erstaunlich einfach zu bedienen. Und was sehen und hören wir?

Nein. Nicht die üblichen Expertenmonologe digital. Was die Teilnehmenden suchen und finden, lässt sie lachen, erzählen, staunen, widersprechen, fragen, einander inspirieren und irritieren…

Eine Leitung möchte wissen, wie lange die Teams die Onlinekurse nutzen dürfen.

Ich antworte: „Geplant sind zunächst drei Monate für die Leitung, um sich mit den Inhalten vertraut zu machen. Danach stehen alle Kurse dem gesamten Team einer Kita für sechs Monate zur Verfügung.“ Die Kollegin fragt ungläubig nach: „Wie bitte? Sechs Monate?“ „Ja“, antworte ich: „Alle Mitarbeiter*innen können die gleichen Inhalte sechs Monate bearbeiten, diskutieren, reflektieren, Veränderungen planen erproben.“

Wow! Sechs Monate! Die Leitung erzählt, wie es in der Regel sonst läuft: „Wenn Kolleginnen aus meinem Team Fortbildungen besuchen, tun sie das meist einzeln, sie kommen zurück ins Team. Mit Glück ist beim nächsten Treffen mit anderen Kolleginnen auf dem Spielplatz etwas Zeit, zumindest einen Eindruck, eine Erkenntnis aus der Präsenzfortbildung zu teilen. Eigentlich soll die Kollegin das Thema dann auch ins Team tragen. Wie auch immer das gehen mag mit individuellen Erfahrungen, die die Kollegin macht; mit Emotionen, die sie in bestimmten Diskussionen zeigt. Aber die nächsten Dienstbesprechungen sind schon alle gefüllt mit anderen Themen – so dass oft kaum etwas vom Gelernten in der Kitapraxis ankommt. Und diese Kitapraxis sieht bei uns aufgrund des aktuellen Personalnotstandes so aus: Wir sind hauptsächlich damit beschäftigt, den Alltag zu organisieren. In solchen Situationen greifen wir auf Altbewährtes zurück. Kein guter Nährboden, Fortbildungsinhalte gemeinsam zu reflektieren und potentielle Verbesserungen oder Veränderungen der eigenen pädagogischen Arbeit anzugehen.“

Digitales Lernen ermöglicht wirksames Lernen

Die Erfahrung dieser Leitung trifft für mich einen Kern des Problems. Es geht darum, Nachhaltigkeit von Gelerntem zu ermöglichen, sich individuelle Lern-Zeit zu nehmen und vielleicht auch etwas wiederholen zu können, was ich mir noch einmal anhören oder anschauen möchte. Alle haben die gleichen Inhalte zur Verfügung, können die gleichen Bilder anschauen, haben Arbeitsaufgaben, die sie gemeinsam im Team erarbeiten können. Das wird als Konsequenz aus dem oben beschriebenen Dilemma in den Kitas bereits oft in Präsenzveranstaltungen versucht. Kolleg*innen erzählen mir: Wir machen Fortbildung fast nur noch im Team – und dazu holen wir uns eine gute Referentin, die uns unterstützt. Das Problem dabei ist dann aber: Die richtig Guten können viele Kitas mit ihrem kleinen Fortbildungsbudget oft nicht bezahlen. Wenn zwei Kolleginnen (oder mehr) am Studientag des Teams krank sind, haben sie später kaum die Möglichkeit, die Themen, die das Team erarbeitet hat, nachzuarbeiten. Und wenn die „gute Referentin“ nach einem Studientag wieder gegangen ist, dann sind mit ihr oft auch die Fortbildungsinhalte nicht mehr verfügbar. Was hatte sie noch mal zu folgender Frage gesagt? Hat das jemand von euch mitgeschrieben? Nee, ist nicht notiert worden.

 

Digital braucht Präsenz und umgekehrt

Aus diesen Überlegungen heraus haben wir pädagogische Inhalte, die wir für die Zukunftsgestaltung von Kitas für unverzichtbar erachten, als Onlinekurse aufbereitet. Machen wir das, weil wir nun Onlinekurse für besser oder für zeitgemäßer als Präsenzlernen halten? Nein. Das eine darf das andere nicht ersetzen. Davon sind wir überzeugt. Die Nutzung von Onlinekursen kann viele der anfangs genannten Probleme lösen. Unseres Erachtens nach ist jedoch heute und zukünftig das Eine ohne das Andere weder denkbar noch sinnvoll. Präsenzlernen braucht digitales Lernen als Ergänzung, Erweiterung und Unterstützung – und umgekehrt.

Das heißt, dass sich auch Fortbildungsdozent*innen mit digitalen Angeboten auseinandersetzen müssen. Ziel ist für mich, zu erkennen, welche Chance darin stecken kann. In meinen Begegnungen mit Dozent*innen erlebe ich oft die Befürchtung, dass dann die bisherige eigene Arbeit überflüssig wird. Nein, das wird sie ganz bestimmt nicht werden – im Gegenteil. Wenn Teams zum Beispiel vor dem Besuch der Dozentin in der Kita Inhalte bereits digital bearbeitet, daraus Fragen oder vielleicht schon Verbesserungsideen entwickelt haben, können Dozent*innen hieran anknüpfen. Sie haben dann die Aufgabe, das aufzugreifen, was Kolleg*innen vorbereitet haben, können Fragen beantworten, unterstützen, gemeinsame Lösungen zu finden und ermöglichen, mit Widerständen im Team produktiv umzugehen. Das wiederum kann keine digitale Fortbildung leisten.

Diese Erfahrungen werden zurzeit aktuell in der Corona-Krise gesammelt. Diese Pandemie wird sicherlich eine radikal beschleunigte Digitalisierung in allen Lebensbereichen zur Folge haben.

 

Digitale Bildung muss Qualität haben

Aus den vorhergehenden Überlegungen heraus haben wir eine eigene Lernplattform entwickelt, die wir die „Digitale Lernwerkstatt“ nennen. Basis dafür sind unsere langjährigen Erfahrungen in der Waterkant Academy. Seit vielen Jahren bieten wir Präsenzfortbildungen für Pädagog*innen an, in denen sie Erfahrungen machen können mit Prinzipien der Werkstattpädagogik, als Erwachsene Lernende sind, sich mit Lust und Freude Aufgaben stellen, Ziele setzen und Schritte erlernen, wie sie Werkstattpädagogik in ihrer Kitapraxis umsetzen können.

OK. Werkstattpädagogik ist bekannt. Was aber sind digitale Lernwerkstätten, fragen Sie jetzt vielleicht?

Wir nennen unsere Onlinekurse „Digitale Lernwerkstatt“, weil sie digitales Lernen nach Werkstattprinzipien bieten. Unsere „Digitale Lernwerkstatt“ fordert Sie zum eigenen Tun auf. Sie als Nutzer*innen können sich dort jeweils einem bestimmten Themenbereich widmen. Sie können – wie in einer „echten“ Werkstatt von einem „Raum“ in den nächsten wechseln und wählen, welche Lerninhalte für Sie wichtig sind. Sie finden Lerninhalte „lecker“ präsentiert, können spielen, forschen, Zeit vergessen – ganz in Ruhe, in eigenem Tempo, an Ihrem Lieblingsort. So wie in Großvaters Werkstatt – nur eben digital. Sie können dabei immer unterschiedliche Wege des Lernens gehen: sehen, hören, selber tun… Lernen bedeutet in unseren Onlinekursen: stöbern, suchen, finden, sich inspirieren lassen, schmunzeln und oder herzhaft lachen, sich selbst nicht zu ernst nehmen, Meinungen hören, sich freuen, erstaunt sein, Widersprüche haben, Erkenntnisse teilen, Wissen aneignen und ganz besonders: Fragen entwickeln, denn: Fragen sind der Beginn einer Bewegung.

Und nicht zuletzt denken wir, dass unterhaltsam aufbereiteter Lernstoff im besten Sinne lehr – reich sein kann.

Fortbildungen brauchen Visionen

Unsere Erfahrung ist: Onlinekurse sind nur dann sinnvoll, wenn der Inhalt gut ist und wenn er gut aufbereitet wird. Darin steckt eine Unmenge Arbeit im Entwicklungsteam. Onlinekurse müssen so produziert sein, dass Inhalt und Form dem entsprechen, was wir schon lange darüber wissen, wie menschliches Lernen funktioniert. Da reicht es nicht, eine Expertin oder einen Experten vor die Kamera zu stellen, und sie oder ihn zum Publikum sprechen zu lassen.

In unseren Präsenzfortbildungen und jetzt auch in unseren Onlinekursen bearbeiten wir Themen aus dem Themenfeld der Werkstattpädagogik. Wir verfolgen damit die Vision, dass Kitas zu Werkstätten für Kinder werden und nennen unser inhaltliches Konzept die Waterkant Werkstattpädagogik.

Die Waterkant Werkstattpädagogik hat zum Ziel, dass alle Beteiligten – Kinder und Pädagog*innen – ihre Talente, Kompetenzen und Fähigkeiten entwickeln können und so ihre „Sprachen“ d. h. Ausdrucksformen finden. Ziel ist es, Selbstgestalter*in ihres/ seines Lebens zu werden. Dafür schafft die Waterkant Werkstattpädagogik Rahmenbedingungen. Jedes Kind kann vielfältige Erfahrungen von Selbstwirksamkeit machen, weil die Beteiligung von Kindern der „rote Faden“ der Werkstattpädagogik ist. Kinder haben Entscheidungsfreiheit im sozialen Kontext einer Gemeinschaft. Die Werkstattpädagogik bietet für jedes einzelne Kind Herausforderungen, an denen es wachsen kann. So kann es lernen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen, mit schwierigen Situationen umzugehen und Leistungsbereitschaft zu entwickeln …

   

 

Werkstattpädagogik digital

Seit Mai 2020 haben wir unsere Onlinekurse zur „Digitalen Lernwerkstatt“ frei geschaltet. Alle zehn Kurse befassen sich damit, wie die Ziele der Werkstattpädagogik in der Praxis umgesetzt werden können. Und jetzt denken Sie vielleicht: Also in der Theorie hört sich das alles gut an, aber in der Praxis? Ja, auch in der Praxis, gerade in der Praxis. Wie das gehen kann, zeigen wir auf:

  lms.waterkant-academy.com

 

Wir nennen sie Future Labs Werkstattkita – verstehen sie also als Zukunftswerkstätten.

Wir haben auch einen Demo-Kurs entwickelt, der ggf. dabei helfen kann, die „Digitale Lernwerkstatt“ sowohl funktional als auch inhaltlich besser zu verstehen. Den Demo-Kurs finden Sie hier:

lms.waterkant-academy.com/course/wie-die-lernplattform-funktioniert/demo-kurs/

 

Gefördert und unterstützt von der „Hamburger Stiftung für Wissenschaft und Kultur“.

 

Waterkant Werkstattpädagogik Weekly

Für den „sanften“ Einstieg ins digitale Lernen empfehlen wir unsere Filme auf youtube:

  www.youtube.com/user/christelvandieken/videos

 

Neben vielen Videos zur pädagogischen Praxis der Waterkant Werkstattpädagogik bieten wir dort seit Mitte März ein Format an, in dem wir jeweils fünf Tipps für Homeoffice geben. Auch wenn diese Zeiten sich dem Ende nähern, können die Tipps helfen, erste Erfahrungen mit digitalem Lernen zu sammeln.

 

Und nun sind wir gespannt auf Ihr kritisches Feedback!

Text: Christel van Dieken

Fotos: Julian van Dieken

 

 

Digitale Bildung humanistisch gestalten – aber wie?

Die Diskussion zu digitalen Entwicklungen bewegt sich in der Regel zwischen zwei Polen:
An dem einen pflegen Verfechter*innen Untergangsszenarien und entwickeln düstere Visionen darüber, wohin die Digitalisierung führen wird.
Am Gegenpol glorifizieren Verfechter*innnen die technischen Möglichkeiten, sehen in ihnen eine Art Heilsversprechen, das uns künftig von allen (lästigen) automatisierbaren Tätigkeiten befreien und uns neue gestaltbare Zeit eröffnen wird. In Pädagogenkreisen liegt der Umgang mit dem Thema Digitalisierung wohl eher in der Mitte beider Pole. Pädagog*innen reden gern darüber, dass sie (leider) kommen wird, die Digitalisierung, dass man selbst aber damit bitte nichts zu tun haben möchte – und auch nicht zu tun hat.
Das ist wohl ein Irrglaube, dass man diese Entscheidung so treffen kann. Die Digitalisierung kommt nicht – sie ist in vollem Gange.
Sie verändert aktuell jeden Tag unser Leben und wird auch unsere Zukunft mit rasender Geschwindigkeit radikal beeinflussen. Und wenn wir einen Einfluss darauf haben wollen, welche Rolle sie in der Pädagogik spielen wird, dann müssen wir uns mit den Chancen und gesellschaftlichen Fragen der Digitalisierung auseinandersetzen. Da reicht es nicht, WhatsApp zu nutzen und ein Tablet bedienen zu können – wobei auch das ein erster Schritt sein kann. Kenntnisse und positive Nutzungsmöglichkeiten sozialer Medien sind erforderlich, wollen wir zukunftsfähige pädagogische Modelle entwickeln. Gerade beim Thema der Digitalisierung brauchen wir Menschen, die Lebensgestalter*innen sind. „Es ist die große Herausforderung unserer Verantwortlichkeit, die Digitalisierung so zu gestalten, dass sie zur Humanisierung der Welt beiträgt.“

Und dafür brauchen wir Pädagog*innen, die fit in diesen Themen sind oder zumindest Lust haben, sich damit auseinanderzusetzen. Wenn wir in der Digitalisierung zu Mitgestalter*innen werden wollen, müssen wir ihren Nutzen und ihre Wirkung kennen. So können wir lernen, die digitalen Möglichkeiten zu handhaben und kreativ zu nutzen. Ein erster Schritt dahin kann zum Beispiel sein, digitale Bildungsangebote aktiv und kritisch zu nutzen. Prüfen Sie die Angebote, entwickeln Sie Kriterien, wonach Sie die Qualität von Onlinekursen bemessen und entdecken Sie die Chancen, die darin stecken.

Fünf Vorteile des Online-Lernens

 

1

Überall und jederzeit lernen:

Lernzeit und -ort bestimmen Sie selbst.

 

2

Eigenes Tempo finden:

Bei Präsenzveranstaltungen steht das Lernen in der Gruppe im Vordergrund. Beim E-Learning bestimmen Sie Ihr eigenes Tempo und Ihr eigenes Pensum.

 

3

Das Gelernte besser behalten:

Mittels Fragen, digitalen Mix aus Multimedia-Tools wie Videos, interaktiven Elementen, Quizzen sammeln Sie Ihre eigenen Erfahrungen. Je nach Lerntypus.

 

4

Von den Besten lernen:

Durch E-Learning haben Sie Zugang zu den Besten
der jeweiligen Branche, die vermutlich nicht in eine Dienst­besprechung mit fünf Leuten kommen können. In die digitale Lernwerkstatt schon – und damit auch zu Ihnen.

 

5

Effizient und günstig:

Sie brauchen noch einen Grund? Es entfallen Reisekosten, Lehrmaterial und Dozenten-Honorar.
Es ist ökologisch sinnvoll: Online-Lernen schlägt sich nicht negativ auf die CO2 Bilanz nieder.

 

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