Wild und glücklich

 

Kinderbuch: Wild

In Wilds nördlichem Wald, in dem es Bären und Flüsse gibt, werden die Regeln komplett in Frage gestellt. Wild ist glücklich bis zu dem Tag, an
dem neue „Tiere“ in den Wald kommen und sie im Auto mitnehmen … Emily Hughes hat diese Geschichte mit großer Freude am Wildsein ins
Bild gesetzt. Schon auf dem Titel strahlt das wilde Mädchen, Blumen und Gräser im Haar, den Betrachter an. Und anders als sonst in Bilder- und Kinderbüchern üblich, wird die Wilde nicht gezähmt. Im Gegenteil: Sie führt Hund und Katze zu ihren Ursprüngen zurück. Das Buch erinnert zwar an Sendaks „Wo die wilden Kerle wohnen“, doch hier geht es nicht um ein Kind, das Wildheit in seinen Fantasien auslebt, sondern um ein Mädchen, das in der Wildnis zu
Hause ist. Man kann darüber philosophieren – auch mit Kindern.

Brav sein

 

Kinderbuch Oh nein Paul

„Oh nein, Paul!“ sagt die Stimme des Erzählers, weil Paul wieder genau das getan hat, was er nicht tun soll. Er soll nämlich brav sein, also alle Regeln befolgen, die Michi aufgestellt hat. Dazu gehört, dass er die Katze nicht jagen und die Erde nicht aus dem Blumenbeet buddeln soll, obwohl er das schrecklich gern tut. Brav zu sein gelingt ihm einfach nicht. Denn Paul ist ein Hund. Er muss brav sein, wenn er mit den Menschen lebt. Wäre er ein Wildhund in einer
Meute, würde er nach anderen Regeln leben … In einfachen Formen, mit wenig Text und so komisch wie überzeugend stellt Chris Haughton das Spannungsfeld des Konflikts zwischen den Bedürfnissen Pauls und den Regeln dar, denen er unterworfen ist.

wamiki-Tipp: Haughton, Ch.: Oh nein, Paul! Aus dem Englischen von Stephanie Menge. Sauerländer 2012, 36 Seiten, 14,99 Euro, ab 3 Jahren

 

Mag ich nicht!

 

Kinderbuch Mag ich gar nicht

In „Mag ich! Gar nicht! Ein Reim- und Magenbilderbuch“ geht es ums Essen. Den Text schrieb Werner Holzwarth, der Erfinder des Maulwurfs, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Die schrägen Bilder von Theresa Strozyk zeigen Kinder, die alles, was sie nicht mögen, dem Waldi geben, denn: „Der frisst alles, außer Fisch.“ Da Pute, Spinat, Pommes, Hühnerfrikassee, Döner, Milchreis, Cordon Bleu, Würstchen und Spaghetti – in dieser Reihenfolge – zu den ungeliebten Speisen gehören, ähnelt der anfangs schlanke Waldi schließlich einer Hunderolle und ist schon fast ein Fall für den Tierschutz. Nicht nur, dass das arme Tier ständig vom Tisch aus gefüttert wird, was sich nicht gehört – auf dem Schlussbild sitzt Waldi sogar am Tisch! Vor sich die heißgeliebte Pute mit Klößen. Unterm Tisch liegt Sophie mit ihrem geliebten Spinat.
Diesmal geht es also nicht um einen Suppenkaspar, sondern um Kinder, die gern essen. Nur nicht immer das, was die Erwachsenen wollen.

Gute Manieren

 

Bilderbuch: Benimm dich ...bloss nicht

Wenn Benimmregeln den Alltag beherrschen, tut es gut, sich darüber lustig zu machen und das Gegenteil zu tun. Mit diesem Umkehrprinzip spielen zwei Bilderbücher: Babette Cole, gewieft im witzigen Umgang mit ernsthaften Themen, stellt in „Das schlechte Gute-Manieren-Buch“ alle möglichen Alltags-Regeln auf den Kopf … „Benimm dich – bloß nicht“ warnt das zweite Bilderbuch, das der Verlag „Entspannungsratgeber“ nennt. Dieses Buch erschien im Klett Kinderbuch Verlag. Im Herbstkatalog beklagte die Verlegerin Monika Osberghaus, dass Korrektheitsvorschriften überhand nehmen, künstlerischer Freiheit den Garaus machen und dass deshalb langweilige Bücher entstehen. „Nicht mit uns!“ befand sie. Das sieht man dem Programm auch an.

Sprachverwirrung

 

Bilderbuch: Spriedel

Jedes Tier hat seine Sprache: Die Katze macht Miau, der Hund macht Wuff, die Krähe macht Krächz, die Taube Gurr und der Spatz Piep. Das ist so und lässt sich auf den flächigen, aufs Notwendigste reduzierten und farbstarken Illustrationen deutlich erkennen. Doch eines Tages hatte der Spatz keine Lust mehr. Er wusste nicht, was er sagen sollte, und dann schmetterte er plötzlich ganz fröhlich: „Spriedel friedel!“ Die Krähe, groß und schwarz, fand das gar nicht komisch: „Was hast du gesagt?“ Erschrocken flüsterte der Spatz nur noch, doch kurz darauf tönte er: „Tiffel biffel und’n bissel miffel!“ Da war der Knoten geplatzt. „Ickel zickel! Pickel drickel!“ trillerte der rote Kardinal. Auch die Taube traute sich: „Urrpsli schnurrpsli!“ Alle wollten albern sein. Aber das war nichts für schwarze Krähen …

Zwischen Leichtsinn und Angst

 

Sachbuch: BÄNG

Mut ist ein hoher Wert. Fürsorge und Selbstsorge auch. Nehmen wir das Spiel mit dem Feuer: Im „Struwwelpeter“ endete es mit einem Großbrand. Das Buch „BÄNG! 60 gefährliche Dinge, die mutig machen“ will nicht vor Gefahren warnen, sondern ermutigen, sich den Gefahren zu stellen. „Bäng“ nennen die Autorinnen eine solche Gefahr.

Dass man lernen muss, wie man ein Streichholz anzündet, wird jedem einleuchten. Aber wie man einen Fettbrand löscht, das weiß vielleicht nicht einmal jeder Erwachsener. Gefahren, die von Feuer, Wasser, Explosionen oder Werkzeugen ausgehen, können gemeinsam gemeistert werden. Zumindest lässt sich verhindern, dass Situationen außer Kontrolle geraten.

Doch auch der Umgang mit Angst – zum Beispiel vor Hunden oder vor Mobbing – kann geübt werden. Vom Springen aus größeren Höhen bis zur Nachtwanderung reichen die Alltagsabenteuer.

Jeder kann das Buch da anfangen, wo er will, und wird sich bald fragen, wie er ohne es auskommen konnte. Es sei auch Erwachsenen empfohlen, die sich mit seiner Hilfe ihrer Angst stellen können, dass den Kindern etwas passieren könnte. Das originelle, außergewöhnliche Sachbuch wird von einer pfiffigen Idee getragen. Deshalb mein Tipp für Erwachsene: Lassen Sie den großen Bäng zu und erleben Sie mit den Kindern, dass die Angst verschwindet.

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Tolle Rolle

Teuer muss nicht sein, aber kreativ! Michael Fink wandert durch die Billigläden und inspiziert Sonderangebote, um nach Dingen zu suchen, die kaum etwas kosten, aber Kinder anregen, kleine Forscher zu werden. Diesmal geht es um die kreative Rohrisolierung. Weiter lesen…

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Auf nach Pädagogien!

Bislang unbekannte Ansätze wie die „Kofferpädagogik“ oder die „Muttipädagogik“ präsentiert die Ausstellung „Pädagogien“, die über www.wasmitkindern.de auszuleihen ist, in Form von Installationen und Bildern. Es macht Spaß, den eigenen pädagogischen Ansatz beim Betrachten zu reflektieren oder neue Konzepte zu erdenken, die das Handeln von Erzieher_innen, Lehrer_innen, Eltern und Fachleuten prägen. Das folgende Glossar (Aus dem Lexikon ungeschriebener pädagogischer Ansätze) möchte dazu anregen.

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Regeln auf allen Wegen

Ohne Regeln kommt kein Mensch aus. Nachdem du mit regelgerechter Schädellage auf die Welt gekommen bist, erwartet dich im Regelfall ein geregelter Tagesablauf – vielleicht mit regelmäßiger Brustmahlzeit.

Bald schon fährst du im nach Normen und Regeln gebauten Kinderwagen über Pflaster mit Regelquerschnitt. Auf der Regelschule lernst du die Regelfunktion, diverse unregelmäßige Verben und die Rechtschreibregeln kennen. Im Sportunterricht lernst du Spielregeln für verschiedene Ballspiele, wenn du nicht gerade nach Einsetzen der Regel mit bedauerlichen Regelschmerzen zu Hause bleibst. Steht nach der Schulzeit ein Studium an: Besser, du absolvierst es in der Regelstudienzeit, um den BAFöG-Regelsatz zu erhalten. Nimmst du irgendwann eine schöne Tätigkeit mit der Regelarbeitszeit von 38,5 Stunden auf, dürften es laut Faustregel noch etwa 40 Jahre dauern, bis du die Regelaltersrente einstreichst. Wahrscheinlich wohnst du dann – Höhepunkt deines geregelten Lebens – schon lange in einem Reihenhaus mit Regeldachneigung.

Vielleicht möchtest du aber lieber zu den Menschen gehören, die die Regeln bestimmen – in der Politik oder im Top-Unternehmen. Pass auf, dass du nicht in der Regelinsolvenz landest oder bei Verstößen gegen die Spielregeln – im Bankenwesen war kürzlich häufig davon die Rede – ertappt wirst, denn auf die Regelverjährung wartet man bei einigen Straftaten lange.

Himmel mit Blumen

Du hast keine Lust auf eine regelmäßige Beschäftigung? Kriegst das einfach nicht geregelt? Weist du den Hartz-4-Regelbedarf nach, wird dir vielleicht der Regelhöchstsatz gezahlt, einschließlich des Regeltarifs deiner Krankenkasse. Aber nicht lange. Dir egal – du pfeifst sowieso auf jede Benimm-, Anstands-, Verkehrs- und Grundregel? Sei gewarnt: Jemand wie du landet bisweilen im Maßregelvollzug!

Ob mit Regelmaß oder in Regellosigkeit gelebt: Jedes Leben geht mal zu Ende. Vielleicht blühen dir noch einige Jahre mit Regelsatz Pflegestufe 2, bevor sich bei der Bestattung die Frage stellt: Nach abendländischer (mit Sarg) oder islamischer Regel (ohne)? Wie dem auch sei – schließlich stehst du vor einem Rauschebart, der dich streng fragt: „Hast du auch nach meinen Regeln gelebt?“

Woher kommt das Wort „Regel“? Regula sagten die Römer zur Richtschnur – nicht der moralischen, sondern der, die dem Maurer zeigt, ob die Wand gerade ist. Die frühen Christen übertrugen die Bedeutung, als sie beschlossen, nicht allein weltlichen Gesetzen zu gehorchen, sondern „inneren Regeln“ zu folgen – besonders
im Kloster mit seinen strengen Ordensregeln.
Nach wie vor sind Regeln keine vorgegebenen Vorschriften, sondern selbst gefundene Vereinbarungen, die sich negativ („Das lassen wir!“) oder positiv („Dieses Verhalten wollen wir einüben!“) auswirken können. Verkehrsregeln nützen genauso wenig wie Schulregeln, wenn sie nicht gemeinsam diskutiert, beschlossen und eingehalten werden. So ist das auch mit den Regeln, „die Kinder brauchen“. Oder waren eigentlich Grenzen gemeint?

Sprachformen im Überblick

Für antidiskriminierende Sprachhandlungen entstanden in den letzten Jahrzehnten verschiedene Sprachformen und Varianten, die weiterentwickelt werden, denn Sprache ist ein lebendiger Organismus. Für welche Formen sich ein Mensch oder eine Redaktion entscheidet, das hängt unter anderem vom Kontext ab, in dem die Sprachformen verwendet werden, und von den Personen, die angesprochen werden sollen.

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