Das Kinderbuch der Woche: Das ist ja ein Ding!

Bücher für Kinder von null bis zu zwölf Jahren und für ihre Erwachsenen – von Gabriela Wenke empfohlen. Jeden Donnerstag bis zur Frankfurter Buchmesse 2019!

 

Bilderbuch

Ein kleines Mädchen erkennt einen roten Schimmer auf dem Wasser, so klein wie ein Ball. Könnte das nicht die alleroberste Spitze eines Walfischs sein? Und schon schwimmt da ein riesiger Wal mit seinem Jungen im Fluss, an dessen Ufer viele Kinder und Erwachsene in einem Park spielen oder spazieren gehen.

Das kleine Mädchen trifft ein größeres, das die Sache mit dem Wal nicht glauben will und sicher ist: Es handelt sich um einen Hut, der alsbald zur Blüte wird, zur Feuerwehr, zum Musikantenhelm, zum Drachen – bis der rote Schimmer verschwindet, als der Fluss ins Meer mündet.

Die raffinierte Bildgeschichte zeigt im unteren Teil der Seiten, was sich von dem „roten Ding“ unter der Wasseroberfläche befindet: Das ist wirklich abenteuerlich und ganz unwahrscheinlich.

Auf jeder Doppelseite steht ein Vierzeiler, dessen letztes Wort fehlt. Man muss es beim Vorlesen erraten. Zwar muss man so unwahrscheinliche Sachen wie „Mars“ erraten, doch das ist ganz einfach. Im obersten Drittel der fein gezeichneten Bildgeschichte tauchen nämlich immer Hinweise auf, die dem zuhörenden und -schauenden Kind die Worte in den Mund legen: Zum Beispiel spielen Kinder, sie seien Außerirdische, kommen also vom Mars.

Der obere und der untere Teil der Bildgeschichte beziehen sich stets aufeinander, und das dritte Glied der Geschichte sind die Reime mit dem fehlenden Wort am Ende, das sich aus Bildern und Text so pfiffig von oben nach unten erschließt, dass sich die Assoziationen fast überschlagen. Allerdings muss man aufmerksam bleiben, die beiden Bildebenen und die witzigen Reime von Ebi Naumann im Kopf behalten. Wer nur flüchtig durch die Seiten blättert, dem entgeht der Witz der Geschichte.

Fantasie, Wort- und Bildwitz  machen aus „Das rote Ding“ eine humorvolle, intelligente Bilderbuchgeschichte, für deren Idee die Illustratorin Heike Herold 2016 zu Recht den Troisdorfer Bilderbuchpreis bekam. Damals lag die Geschichte als Projekt vor. Jetzt hat der Aladin Verlag sie als Buch herausgegeben – voller kluger und humorvoller Details, die kleine Kinder vielleicht noch nicht zu würdigen wissen. Dafür werden sie die vielen Bildhinweise gewiss schneller entdecken als der erwachsene Vorleser. Reimen können sie sowieso: Klar dass zu „hinterher“ nur „Feuerwehr“ passt!

Eine hinreißend erzählte Bildgeschichte, die man sich mehrmals zu Gemüte führen sollte!

 

 

 

 

Gabriela Wenke

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