Wenn Papa im Gefängnis ist

Bilderbuch und Sachbuch

An Tagen, an denen der Vater Omas Haselnussparfüm benutzt, mag der Junge ihn lieber, denn das Minzparfüm erinnert ihn an den Geruch im Schulklo. Aber Papa lacht und sagt, wenn er das Haselnussparfüm nehme, würden sich die Eichhörnchen auf ihn stürzen. Lacht der Vater so, wird dem Jungen warm im Bauch.

Das Gesicht mit dem strahlenden Lachen füllt die ganze Seite des großformatigen Buches, in dem es nur wenige Farben gibt: Pappbraun, graue Schattierungen, schwarze Kohlestriche und Weiß. Ganz anders wirkt der Vater auf der nächsten Seite: Der Junge erinnert sich, wie es war, als er Papa die Zigaretten wegnahm, damit der nicht mehr raucht. Zwei Porträts, zwei Seiten einer Medaille.Auf dem Schulhof ist der Junge oft allein. Er weiß nicht, ob und wie er sagen soll, wo sein Vater ist: im Gefängnis. Nur eine Stunde haben der Junge und seine Mutter mit ihm, wenn sie ihn besuchen. Schließlich nennt der Junge ihn Wolkenbildhauer, Maulwurfsbändiger und Nebelfabrikant, denn er ist verantwortlich für den Nebel der Enttäuschung in Mamas Augen. Dafür hasst der Junge ihn. Aber er weiß: Das ist sein einziger Papa.

Jedes der meisterhaft gezeichneten Bilder fängt ein Stück der Geschichte dieser kleinen Familie ein: der Vater im Gefängnis, die Enttäuschung der Mutter, Liebe und Zorn des Jungen, der keine Ahnung hat, was er den anderen Kindern sagen soll. Indem ZAÜ den Vater lebendig und voller Gefühle zeichnet, vermittelt er seine Wahrheit dieser Geschichte: Ein Mann, der seinen Sohn liebt, und ein Junge, der ihn trotz allem vermisst.

 

Gabriela Wenke

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