Geschichte ohne Ende

Preisverdächtig. Nominiert für den Deutschen Kinder-und Jugendliteraturpreis 2016

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Schon auf dem Titelbild stolpert man in diese textlose Bildgeschichte hinein. Ohne Worte schleichen, flattern, hüpfen, trampeln und krabbeln Tiere des brasilianischen Urwalds nacheinander durch das Pappbilderbuch. Der Autor pinselt schwarze Piktogramme auf braunen Karton und lässt die Szenerie wirken wie einen quirligen Tanz des Lebens. Doch dann taucht eine Hand auf, die rote Farbe an den Fingern hat. Sie gehört dem sagenumwobenen Wesen Curupira, das die Tiere und Pflanzen des Urwalds beschützt. Es zeichnet allen Tieren Ornamente auf Panzer, Federn und Fell und malt den Bäumen und Pflanzen rote Blätter.

Die Geschichte ohne Ende erzählt vom Kreislauf der Natur, vom Sonnenaufgang bis zur Nacht. Durch einen hohlen Baum am Ende des Buchs gelangen die Tiere über ein Loch in der Umschlagseite wieder zurück zum Anfang der Geschichte, und sie beginnt von neuem. Die schematischen Darstellungen fordern zum Erraten und Benennen der einzelnen Tiere auf und machen auch ohne das Wissen um den mythologischen Hintergrund neugierig auf eine fremde Welt. Denn Pimentel greift die klare und reduzierte Bildsprache lateinamerikanischer Kunst auf und vermittelt damit die Sicht auf eine andere Kultur. Ab 2.

 

Das Mädchen Wadjda

Preisverdächtig. Nominiert für den Deutschen Kinder-und Jugendliteraturpreis 2016

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Das erste Kinderbuch der saudi-arabischen Autorin ist eine Adaption ihres gleichnamigen Spielfilms. Die elfjährige Wadjda ist ein energisches und mutiges Mädchen, das Regeln und Konventionen nicht einfach hinnehmen will. Sie macht sich ihre eigenen Gedanken über das Leben in Riad im Allgemeinen und das von Frauen im Besonderen. Warum darf sie nicht so wie ihr bester Freund Abdullah Fahrrad fahren? Nichts wünscht sie sich sehnlicher als das grüne Fahrrad im Laden um die Ecke. Doch für Mädchen gehört sich das in diesem Land nicht.

Ein Leben in engen Grenzen, Einblicke in die Problematik der Zweitfrau, die Stellung des Mannes in der arabischen Welt – die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Das grüne Fahrrad wird zum Symbol für Rebellion, Freiheit und Gleichberechtigung. Die spannende und berührende Geschichte führt in eine fremde Welt, sie schärft die Wahrnehmung für den arabischen Kulturraum und wirbt um Verständnis und Verstehen. Sie zeigt, was Freiheit meint und wie wichtig es ist, sie zu verteidigen. Ab 11.

 

 

Der Hinundhering

Preisverdächtig. Nominiert für den Deutschen Kinder-und Jugendliteraturpreis 2016

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In den Gedichten von Christian Morgenstern, Karl Valentin, Joachim Ringelnatz, Ernst Jandl bis hin zu Heinz Erhardt, Michael Ende und Otto Waalkes geht es primär um eines: Nonsens. Jedes der Gedichte fordert zum Schmunzeln oder Lachen heraus, verlockt dazu, sich auf Sprachspiele einzulassen, Widersprüche und Doppeldeutigkeiten zu durchschauen. Die spielerische Leichtigkeit der Texte ist dabei oft mit subversiven Elementen verbunden, wenn Regeln und Normen gebrochen werden. Die Anthologie vereint Texte bekannter und weniger bekannter Dichter, streift die Literaturgeschichte, aber auch die Populärkultur. Dem Herausgeber Uwe-Michael Gutzschhahn gelingt damit eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Zusammenstellung, die vom Rhythmus und Klang der Sprache zeugt. Besonders machen diesen Band auch dessen außergewöhnliche Haptik und Optik. Sabine Wilharm ist es gelungen, den Nonsens-Gedichten Illustrationen beiseite zu stellen, die ebenso absurd und spielerisch sind wie diese und mit den Versen in einen einzigartigen Dialog treten. Ab 6.

 

 

Das Herz des Affen

Preisverdächtig: Nominiert für den Deutschen Kinder-und Jugendliteraturpreis 2016

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Der kleine Affe lebt glücklich und zufrieden in seinem Feigenbaum neben dem Fluss. Im Fluss wohnen der Krokodilmann und seine Frau. Weil diese unbedingt das Herz des Affen besitzen möchte, macht sich der Krokodilmann auf, den Affen zu fangen. Mit einer List lockt er ihn von seinem Feigenbaum – aber mit einer List entkommt der Affe wieder.

Anja Mikolajetz erzählt ihre Version eines Volksmärchens aus Myanmar, in dem es um Eifersucht und Neid, soziales Zusammenleben und die Macht der eigenen Entscheidung geht. Die Moral von der Geschichte fällt dreigeteilt aus, wie auch jede der drei Figuren ein eigenes Schicksal hat. Während das Krokodilpaar durch Neid und Unvernunft in die Einsamkeit getrieben wird, springt der Affe als lustiger Spaßmacher weiter von Ast zu Ast.

Mikolajetz zeichnet in einer ebenso einfachen wie klaren Formensprache. Mit dicken, expressiven Strichen umrahmt sie Figuren und Umgebung, wobei jede Doppelseite als Diptychon angelegt ist. Durch diese klare Einfachheit wird das Buch zu einem Betrachtungsvergnügen schon für kleinere Kinder, wohingegen der Text auch noch weit nach dem Lesenlernen nachdenklich stimmt. Ab 4.

 

 

 

Bus fahren

Preisverdächtig: Nominiert für den Deutschen Kinder-und Jugendliteraturpreis 2016

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Bus fahren gehört zum Alltag vieler Kinder. Aber sich wie Carla alleine auf so eine Fahrt zu begeben, verlangt Mut und ist etwas Besonderes. Im Bus sitzen schon Hasen in Schuluniform, ein schlafendes Faultier, eine strickende Katze, eine kleine Maus mit Koffer und eine Schildkröte mit Provianttasche. An den Haltestellen steigen Tiere aus und ein, und der Blick aus dem Fenster macht neugierig auf die Wartenden. Als eine Wolfsfamilie zusteigt, werden die Fahrgäste unruhig, und nach der Fahrt durch einen dunklen Tunnel sitzt kein Fahrgast mehr auf seinem Platz. Kurz vor der Endstation wartet die Großmutter auf Carla.

Das schmale Querformat und die doppelseitige Bildgestaltung greifen das Innere eines Busses auf. Marianne Dubuc erzählt fast textlos in feinen Bunt- und Bleistiftstrichen, was auf dieser kurzweiligen Fahrt passiert. Ihre kleinteiligen Zeichnungen in matten Farben laden zum genauen Hinsehen ein. Immer wieder kann man zurückblättern und Neues entdecken, eine Geschichte (er)finden, die sich hinter einer Person oder einem Gegenstand verbirgt. In der Auswahl der tierischen Fahrgäste zitiert Dubuc Gestalten aus der klassischen Kinderliteratur wie Märchen, Kinderlied und Bilderbuch und erzählt dabei zeichnend viele kleine Geschichten. Ab 3.

 

Eis ohne Ende

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Die Geschichte von Peter Sis vermittelt Informationen wie ein Sachbuch: Ein kleiner Junge schreibt seinem Großvater einen Brief über Eiscreme, weil er entdeckt hat, dass Eis schon vor 2000 Jahren in China begehrt war, seit wann es Eistüten gibt und woraus die Eiscreme – meistens – besteht. Er findet Eiskugeln so toll, dass er mit ihnen rechnet, die verschiedenen Sorten aufschreibt und nur Freude am Zeichnen von Landkarten hat, wenn es um Eis geht. Schließlich erfindet er Wesen, die aus Eistüten bestehen.

Ein sommerlicher Genuss – ohne Warnung vor Zucker, Fett, Kalorien und Nebenwirkungen.

Neue Perspektiven

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„Mir nach!“ ruft Leon. Max und Henri folgen ihm vorsichtig, denn sie wissen zwar, dass sie aufpassen müssen, würden aber auch gern erster sein. Doch all diese Ampeln und Lastwagen… Zum Glück fällt Max jedes Mal eine Geschichte ein.

Als Leon merkt, was Max zu erzählen hat, will er auch zuhören. Nun laufen sie Hand in Hand. Schließlich landen sie auf einem Kinder-Geburtstagsfest, und der Betrachter erfährt, warum Max die ganze Zeit ein Päckchen unter dem Arm trug.

Weder Zeit noch Räume „stimmen“ in dieser Geschichte, aber Orte und Landschaften lassen vermuten, dass die drei schon lange unterwegs sind – eine Reise um die halbe Welt, in der sich die Perspektive immer mal ändert. So kommt jeder zu seinem Recht, und deshalb können Leon, Max und Henri ihr Zusammensein ebenso genießen wie den stetigen Wechsel von Ausblick und Einblick.

Dieses Buch ist ein weiterer Beleg für die Poesie des Autorenpaars, das es versteht, in wenigen Szenen Freundschaft und Achtsamkeit lebendig werden zu lassen.

Die Schönheit der Welt

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Ein Rotkäppchen geht an der Hand seines Vaters durch die schwarzweißgraue Stadt. Sein Cape ist der einzige Farbfleck, bis das Kind entdeckt: Gelb leuchtet ein Löwenzahn an einem Pfosten. Bunte Blumen blühen auf dem Kleid einer Frau. Während der Vater ins Handy spricht, schleichen sich weitere Farben in die Bilder: bunte Streifen auf einer Jacke, rote Lampions vor einem Laden.

Der Park ist farblos, als Tochter und Vater ihn betreten. Das Kind findet einen toten Vogel und bedeckt ihn mit einem Blumensträußchen. Sofort bekommt der Rasen Farbe, und als die beiden den Park verlassen, ist er so frühlingsfröhlich wie die Autos in den Nebenstraßen, die Halsbänder der Hunde, die Häuser in der Umgebung und Mamas Haar, das eine Blüte ziert. Die Geschichte vom Mädchen, das mit dem Vater auf dem Weg durch die Stadt überall Farben findet, kommt ohne Worte aus und weckt Achtsamkeit für die Schönheit der Welt.

Graugrau mit Fünkchen

Graugrau

Graugrau ist ein Wesen, das kein Licht erträgt. Setzt es sich den Strahlen der Sonne aus, stirbt es. Darum lebt es im Inneren des Berges. Tagsüber schläft es. Nachts badet es im Mondlicht, und in Vollmondnächten rollt es Steine den Berg hinauf, um den Mond näher zu sein. Vergeblich. Es sehnt sich nach „etwas Kleinem zum Liebhaben“.

Eines Morgens fliegt ein Fünkchen in die Berghöhle und erschrickt, weil es nur einen Tag leben kann und von der Sonne kommt. Es erzählt, dass die Sonne Farben auf die Erde bringt und was darin lebt: im Blau des Wassers, im Grün der Wälder, im Gelb der Wüsten. Das Wesen Graugrau ist froh, dass es dem Fünkchen auch etwas erzählen kann: vom Mond, der sich ständig verändert. Als der Tag endet, verfärbt sich das Fünkchen. Es muss sterben, wenn es nicht zur Sonne zurückkehrt. Das Wesen trägt es den Berg hinauf, bis man im Westen das Licht der untergehenden Sonne gerade noch sieht.

Ein winziger Funken belebt in der Geschichte von Ulf Stark die Welt mit Farben und erwärmt sie – ein Genuss, der uns alle erfüllt.

Das Bauhaus. Spiel

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In Form eines Frage- und Antwortspiels befasst sich „Was ist das Bauhaus?“ mit moderner Architektur des 20. Jahrhunderts, informiert über das Dessauer Bauhaus und seine Entstehungsgeschichte. Um zu begreifen, was die Architekten, Künstler und Handwerker in dieser Zeit bewirken wollten, bietet sich ein Besuch in Dessau an – mit dem Buch in der Hand.

 

 

Mondrian. Bilderbuch

Medien Krawinkel

In „Krawinkel & Eckstein – Auf den Spuren von Piet Mondrian“ machen sich Spähwinkel und sein Hund Foxtrott auf die Suche nach dem Neuen in der Zukunft. Krawinkel und Eckstein folgen ihnen. In unbekannten Formen, Zeichen und Landschaften glauben sie, die Zukunft schon erkennen zu können, und landen schließlich in einer modernen Stadt, in der sie in einem Atelier Bilder in bis dato ungewohnten Farben und Formen finden. Das war wohl Mondrians Atelier.

 

Matisse. Bilderbuch

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Nach einem langen Leben als Maler der „frischen, reinen Farben“ schien eines Tages „die Sonne in seinem Bauch nicht mehr“. Henri Matisse wurde krank, und seine Leinwände blieben leer. Nach einer Operation erwachte er im Krankenzimmer. „Hier gibt es gar nichts Buntes. Das ist ja, als wäre ich tot“, sagte er und verlangte nach Farben. Aber es war schwierig, im Bett zu malen, und die Pinsel an langen Stangen waren zu schwer für den Kranken. Da entdeckte er, was man mit der Schere aus buntem Papier zaubern kann: „Das ist ja wie Zeichnen und Malen in einem!“

Annemarie van Haeringen hat „Monsieur Matisse und seine fliegende Schere“ in einem Bilderbuch zum Leben erweckt.