Meine Woche drin: 7-Tage-Märchen, Sprach-Spiel und Bilder-Buch

Eine Woche drin- Pappbuch und Masken von Nadia Budde

Meine Woche drin: Budenstoffel und Heimpantoffel, Scheunenstrolch und Polstermolch? Vorhangbeißer und Sesselreißer? Nadia Budde hat einen 7-Tage-Comic zum Ausnahmezustand für Kinder, Erzieher*innen, Lehrer*innen, Familien gezeichnet. Wie wir “drinnen” in neue Daseinsformen wechseln, kannst Du in der neuen wamiki und im neuen Bilderbuch entdecken und selbst mit den Kindern gestalten:

Wie sieht Eure Zeit drinnen aus? Schickt uns Eure Woche drin…
Zum Beispiel als: Türbuch, Zeichnung, x-Tage-Märchen, Sprach-Spiel, Tagebuch, Minifilm, Podcast … Wie das geht?
Hier ein paar Tipps:

Meine Woche drin … als Türbuch

Material: Papierbögen (DIN A4, weiß oder farbig) zum Herstellen der Klappbücher, Stifte und Zeugs zum Gestalten

So geht’s:
Ein längs halbierter DIN A4-Streifen wird zum Klappbuch gefaltet und außen mit einem Türmotiv versehen. Die Tür kann nun auf-und zugeklappt werden. Was wird wohl dort sein? Hinter der Tür? Wer lebt dort? Öffnet die Tür und malt/schreibt die Geschichte auf…

… als Hausbuch

Material: Zeichenkarton (DIN A4, weiß oder farbig) zum Herstellen der Klappbücher, Stifte, Schere und Zeugs zum Gestalten

So geht’s:
Ein längs halbierter DIN A4-Karton wird zum Klappbuch gefaltet, so dass er sich in der Mitte aufklappen lässt. Im oberen Drittel wird die Dachform geschnitten: schräg, rund, mit Turm oder ohne…
Außen kann die Hausfassade mit Fenstern, Haustür, Dach gestaltet werden. Das Papierhaus kann auch ein Papierschloss sein – mit Schlosstür, Turmspitzen… In das Innere des Hauses/Schlosses wird die Geschichte gemalt/hineingeschrieben.
Zum Beispiel als

… 5-Sätze-Märchen

Zuerst werden dafür Wörter eingesammelt, aus denen die Kinder die Geschichte bauen. Wörter sind die Baumaterialien aller zu schreibenden Geschichten. Die eingesammelten Wörter werden in die beiden Flügeltüren innen gemalt/notiert:
Auf die linke Innenseite drei bekannte Hausbewohner*innen (oder Märchenfiguren).
Zum Beispiel: Mama, Bruder, Hund…

Auf die rechte Innenseite werden die Namen von 13 Dingen geschrieben, die die Kinder entweder in dem Raum, in dem sie sich gerade befinden, vorfinden oder die sie an einem anderen Ort einsammeln können (Wörter aus der Küche, Wörter aus dem Kinderzimmer, Wörter aus dem Bad…) Also zum Beispiel Küchenwörter: Nudeln, Marmelade, Honig, Besen, Schokolade, Apfel, Kochbuch, Rezepte, Eis …

Auf die Mittelseite des Klappbuches innen kommen dann die fünf Sätze der Geschichte:

Ein einfaches Baumuster kann sein:

  1. Satz: Die Hauptfigur entsteht. Dazu wird jeweils ein Wort von den zwei Außenseiten zusammengesetzt: Es war einmal eine Schokoladenmama…
  2. Satz: Lieblingsbeschäftigung der Hauptfigur: Am liebsten kochte die Schokoladenmama Nudeln mit Marmelade…
  3. Satz: Besuch kommt. Dazu wird jeweils ein Wort von den zwei Außenseiten zusammengesetzt: Eines Tages klopfte es und der Apfelhund saß vor der Tür…
  4. Satz: Was für ein Geschenk bringt der Besuch mit? Er brachte ein selbstgemaltes Kochbuch mit…
  5. Satz: Was passiert nun? Seitdem sitzen sie zusammen und lesen sich Rezepte vor…

… als Sprachspiel und Tagebuch

In Nadia Buddes Pappbilderbuch “Eine Woche drin” dreht sich alles um das Spiel mit der Sprache, konkret um das Erfinden von neuen Wörtern und das Reimen.
Material: Zeichenkarton (DIN A4, weiß oder farbig) zum Herstellen der Zieharmonika-Bücher, Stifte, Schere und Zeugs zum Gestalten

So geht’s:
Ein DIN A4-Blatt längs halbieren und auseinanderschneiden. Den Streifen einmal in der Mitte falten und wieder aufklappen. Den Streifen nun von beiden äußeren Seiten bis zur Mitte falten. Das Buch als Zieharmonika legen.
Zuerst wird Nadias Buch vorgelesen… und eingehend betrachtet. Beim mehrmaligen Vorlesen kann das Reimwort weggelassen werden, sodas die Kinder das fehlende Reimwort erraten können. Nun können Kinder eigene Wortschöpfungen und Reime erfinden. Das Spiel heißt: Wesen… aufwecken, die in der Geschichte, im Reim mitspielen.

In jedem Raum gibt es viele Dinge. Sichtbare Dinge wie zum Beispiel Wand, Tür, Fenster, Stuhl, Lampe, Tisch, Couch und unsichtbare, verborgene wie zum Beispiel Schätze in den Hosentaschen, Schubladen …
Diese zufällig vorhandenen Dinge können Kinder mit den Augen ablesen. Die Suchaufgaben können variiert werden. Zum Beispiel können Kinder nach großen oder kleinen, spitzen oder runden, blauen oder grünen Dingen suchen und Wörter zusammenstellen. Dieses Spiel verbindet bewusstes Wahrnehmen mit dem sprachlichen Artikulieren. Wahrnehmen und Benennen gehören zu den Grundübungen der Kopfgymnastik, mit denen jedes Schreibspiel beginnen kann… Hierbei werden die fünf Sinne der Wahrnehmung sensibilisiert.
Was ist das, und wie heißt das, was ich gerade sehe, rieche, schmecke, höre, taste? Die Dinge bekommen einen Namen: ein Wort, das ausgesprochen oder auch aufgeschrieben oder ins Bild gesetzt wird. Aus den Dingen und Figuren lassen sich zusammengesetzt wunderbare neue Wörter schöpfen. Ein unendliches Spiel…

Das Pappbilderbuch von Nadia Budde gibt es im wamiki-shop. Es kostet einzeln 12 Euro, im Set mit Maske (Unikat): 20 Euro, zzgl. Versand, zu bestellen hier.

wamiki-Tipp für Grundschulen:
Eva Maria Kohl, Michael Ritter: Schreibszenarien: Wege zum konstruktiven Schreiben in der Grundschule. Klett/Kallmeyer, 4.Auflage 2019, ISBN 978-3-7800-1050-6

Das NetzWerk Bildung

…. ist ein Arbeitskreis von Fachleuten aus Praxis, Fortbildung, Ausbildung und Forschung im Bereich der Pädagogik früher Kindheit. Zu Beginn des neuen Jahrtausends schloss sich dieser Kreis zusammen, um gegen die Vermessung von Kindern, die Test- und Förderwut sowie gegen schlechte Rahmenbedingungen in Kitas und Grundschulen einzutreten. Ein Positionspapier.

Wofür wir stehen

Wir gehen davon aus, dass Menschen jeden Alters aus eigenem Antrieb lernen – und zwar unter allen Umständen. Bildung ist ein individueller Prozess, den jeder Mensch auf seine Weise durchläuft.

Alle Menschen haben von Geburt an Möglichkeiten und Kräfte, sich den Zugang zu ihrer Umwelt zu erschließen. Von Anfang an interessieren sie sich für ihre soziale und kulturelle Umgebung und bringen ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche ein. Wenn Kinder dies gemeinsam mit anderen Kindern tun und dabei von zugewandten Erwachsenen begleitet werden, stärkt das ihre Motivation und ihr Selbstvertrauen.

Von diesem Bildungsverständnis ausgehend,

• respektieren wir den Willen, die Sichtweisen und
die Fähigkeiten der Kinder;

• räumen wir Kindern freie, unverplante Zeit und möglichst viele Gelegenheiten ein, damit sie ihre Welt handelnd erforschen;

• folgen wir den Impulsen der Kinder, greifen wir ihre Fragen, Ideen oder Themen auf und unterstützen sie bei der Umsetzung, stellen unsere Erfahrungen zur Verfügung und bemühen uns, die Kinder weitgehend in Ruhe zu lassen, sie also nicht ständig zu stören und ihnen nichts aus der Hand zu nehmen;

• achten und beachten wir die offenen Lernprozesse, die durch die Neugier der Kinder in Gang gehalten werden;

• erleben wir mit Vergnügen auch unsere eigenen Lernprozesse, insbesondere in der Auseinander­setzung miteinander. Unser Credo: All das, was
für Kinder gilt, gilt auch für Erwachsene.

 

Damit Kinder ein Bewusstsein von sich selbst, ihrem Handeln und Denken gewinnen, brauchen sie hinreichende Resonanz von anderen Menschen auf das, was sie tun und denken. Resonanz unterscheidet sich von einer Antwort dadurch, dass sie sich auf die Sichtweisen der Kinder einlässt, ihren Gedanken und Hypothesen folgt und zu Gast im Reich ihrer Fantasie ist.

Was Kinder tun

Kinder gestalten soziale Beziehungen vom ersten Tag an und experimentieren fortwährend mit der sie umgebenden Welt. Dafür brauchen sie die Interaktion mit anderen Kindern ebenso wie das gemeinsame Erleben mit Erwachsenen.

Kinder zeigen uns, was für sie von Bedeutung ist.

Wenn Erwachsene das wahrnehmen und respektieren, machen Kinder gute Beziehungserfahrungen.

Kinder entdecken Bedeutung in ihrer Umgebung.

Wenn Erwachsene ihnen vielfältige Weltzugänge eröffnen und ihnen ein Umfeld bieten, das ihre Neugier erhält und ihren Mut herausfordert, stärkt das ihr Selbstvertrauen.

Kinder gestalten Kultur.

Wenn Erwachsene ihnen Zugang zur Natur und zu kultureller Vielfalt eröffnen, können die Kinder sich erproben und ihre individuellen Ausdrucksformen entfalten. Im Austausch und im gemeinsamen Handeln inspirieren Erwachsene und Kinder einander.

Kinder leben im Hier und Jetzt; sie denken handelnd.

Wenn Erwachsene Kindern Zeit lassen, sich Zeit für ihre Belange nehmen und sie mit Wohlwollen begleiten, kann die Kita ein Ort unbeschwerter Kindheit sein.

Kinder denken in Bildern und Geschichten.

Wenn Erwachsene die kindlichen Fantasien und Deutungen der Welt würdigen, fühlen Kinder sich ernst genommen und anerkannt. Daraus erwächst ein positives Selbstbild.

Kinder suchen nach Sinn.

Wenn Erwachsene die Sinnfindungsprozesse der Kinder herausfordern, ertragen und gelassen reagieren, dann haben Kinder die Chance, eigene Weltbilder zu entwerfen.

Kinder wollen entscheiden und wirksam sein.

Wenn Erwachsene den Kindern zugestehen, sich einzumischen, Bündnisse zu schmieden, Geheimnisse zu haben, Umwege zu gehen, Widerstand zu leisten – notfalls mit List und Tücke –, bleiben Kinder stark.

Was wir wollen

Nach unserem Verständnis wird pädagogische Professionalität am Handeln der Menschen erkennbar, die mit Kindern arbeiten:

• Professionalität beginnt damit, die Welt-Sicht der Kinder wahrzunehmen.

• Professionalität zeigt sich im Nachdenken über die eigenen Biografien, die Lernerfahrungen und die gemeinsame Reflexion darüber.

• Professionalität zeigt sich, wenn Fachwissen und Qualitätsansprüche an der eigenen Praxis kritisch überprüft werden.

• Professionalität zeigt sich, wenn Teams mutig ­verändern, was sie ändern können, und sich nicht von dem entmutigen lassen, was sie nicht ändern können.

• Professionalität zeigt sich, wenn pädagogisches Handeln sich am Erleben jedes einzelnen Kindes ­orientiert.

• Nur wo das Grundrecht des Kindes auf Unantast­barkeit seiner Würde in Krippen, Tagesstätten und Schulen umgesetzt wird, kann Professionalität Wurzeln schlagen.

Sinnvoller, als darauf zu warten, dass sich Rahmenbedingungen und die Politik zum Besseren wenden, ist es, selbst zu beginnen – dort, wo wir arbeiten und mit Kindern leben. Die Freude und der Genuss, Kinder auf ihren verschlungenen und überraschenden Lernwegen zu begleiten und ihnen zu folgen, sind auf unserer Seite.

Foto: tobeys, photocase

Mein Leben als Erzieherin

232.000 Windeln hat sie gewechselt: Seit 43 Jahren arbeitet Marina König in derselben Kita in Berlin-Kreuzberg. Doch um sie herum hat sich alles verändert. Ein Protokoll. Weiter lesen…

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Aufruf von 130 Wissenschaft­ler_innen

Auch wenn die Regierungsbildungsgespräche gerade gescheitert sind, bleiben doch die Forderungen von renommierten Wissenschaftler_innen aus dem Bereich der frühen Bildung und Erziehung aktuell, die vor der Bundestagswahl die Politik aufgerufen hatten, sich endlich für einheitliche Qualitätsstandards in der frühen Erziehung, Bildung und Betreuung einzusetzen. Wir haben diesen Aufruf in der aktuellen wamiki 5/2017 abgedruckt, weil wir ihn für sehr wichtig und bedeutend halten. Hier im Blog deshalb auch noch einmal zur Erinnerung für künftige Regierungsverhandlungen, ergänzt um zwei Links zu lesenswerten Interviews mit zwei der Inititiatorinnen.

Aufruf: Qualitätsstandards in der frühen Erziehung, Bildung und Betreuung jetzt angleichen, dauerhaft verbessern und finanziell sichern

Die Forschung zu frühkindlicher Entwicklung und institutioneller Bildung, Erziehung und Betreuung liefert eindeutige Belege: Investitionen in strukturelle Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung führen zu einer verbesserten pädagogischen Qualität und wirken sich förderlich auf kindliche Bildungs- und Entwicklungsverläufe aus. Dieses Wissen ist empirisch abgesichert und gut dokumentiert – jetzt muss es genutzt werden! Die Verantwortung dafür, WIE dies geschieht, liegt nach wie vor in den Bundesländern, bei den Kommunen und Trägern. Dafür, DASS diese Erkenntnisse umgesetzt werden, bedarf es jedoch enormer Ressourcen mit Unterstützung des Bundes. Um allen Kindern unabhängig von Herkunft und Wohnort gleiche Chancen zu ermöglichen, muss jede künftige Bundesregierung sicherstellen, dass auch in finanzschwachen Regionen ein bedarfsgerechter quantitativer und qualitativer Ausbau von Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege ermöglicht wird. Es sollte dabei sichergestellt werden, dass die Mittel tatsächlich in der Kindertagesbetreuung und bei den Kindern ankommen. Bund und Länder haben sich in einem gemeinsam gestalteten Prozess bereits auf Eckpunkte für ein Qualitätsentwicklungsgesetz verständigt. Die unterzeichnenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begründen den hierin ausgedrückten Willen der Politik, für alle Kinder in Deutschland auf vergleichbare Rahmenbedingungen in frühpädagogischen Institutionen hinzuarbeiten und so das

Postulat der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse einzulösen. Sie unterstützen ausdrücklich die im Beschluss vom 18./19. Mai 20171 niedergelegte Absicht der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK), die Erarbeitung eines solchen Gesetzes voran zu treiben.

Wir fordern die politisch Verantwortlichen daher auf:

(1) den Beschluss der JFMK unmittelbar nach Beginn der nächsten Legislaturperiode des Bundestags in ein Gesetzgebungsverfahren einmünden zu lassen

(2) die in Aussicht gestellte Mitfinanzierung des Bundes strukturell abzusichern, zügig zu realisieren und regelmäßig Bericht über quantitative und qualitative Aspekte des Qualitätsentwicklungsprozesses – auch unter vergleichender Perspektive – zu erstatten

(3) den Prozess der Aushandlung von Qualitätsentwicklungszielen in den Ländern unmittelbar zu beginnen, diesen partizipativ und transparent zu gestalten und seinen Fortschritt über konkret formulierte Meilensteine sicht- und überprüfbar zu machen

(4) die abzuschließenden länderspezifischen Zielvereinbarungen gemäß der neun formulierten Handlungsfelder im Beschluss der JFMK – z. B. zum Personaleinsatz oder zu Leitungstätigkeiten – grundsätzlich an empirisch abgesicherten Standards und wissenschaftlichen Erkenntnissen2 zu orientieren

(5) das bisherige Finanzierungsvolumen bzw. den erreichten Stand der Investitionen in Qualität und Qualitätsentwicklung in den Ländern unter keinen Umständen zurückzufahren, sondern zusätzliche Mittel für weitere Qualitätsverbesserungen zu verwenden

(6) die produktive Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung weiterhin zu suchen, um den Qualitätsprozess kritisch-konstruktiv begleiten zu lassen und dessen Ergebnisse und Effekte empirisch zu analysieren.

Initiatorinnen:
1. Prof. Dr. Susanne Viernickel (Universität Leipzig)

hier ein Interview mit ihr auf den Seiten ihrer Universität

2. Prof. Dr. Irene Dittrich (Studiengang Kindheits­pädagogik)

3. Prof. Dr. Rahel Dreyer (Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e. V.)

hier ein Interview mit ihr, geführt auf dem Portal ErzieherIn.de

 

Foto: chrisko82,  photocase.de

Aufruf von 130 Wissenschaft­ler_innen

Qualitätsstandards in der frühen Erziehung, Bildung und Betreuung jetzt angleichen, dauerhaft verbessern und finanziell sichern

Die Forschung zu frühkindlicher Entwicklung und institutioneller Bildung, Erziehung und Betreuung liefert eindeutige Belege: Investitionen in strukturelle Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung führen zu einer verbesserten pädagogischen Qualität und wirken sich förderlich auf kindliche Bildungs- und Entwicklungsverläufe aus. Dieses Wissen ist empirisch abgesichert und gut dokumentiert – jetzt muss es genutzt werden! Die Verantwortung dafür, WIE dies geschieht, liegt nach wie vor in den Bundesländern, bei den Kommunen und Trägern. Dafür, DASS diese Erkenntnisse umgesetzt werden, bedarf es jedoch enormer Ressourcen mit Unterstützung des Bundes. Um allen Kindern unabhängig von Herkunft und Wohnort gleiche Chancen zu ermöglichen, muss jede künftige Bundesregierung sicherstellen, dass auch in finanzschwachen Regionen ein bedarfsgerechter quantitativer und qualitativer Ausbau von Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege ermöglicht wird. Es sollte dabei sichergestellt werden, dass die Mittel tatsächlich in der Kindertagesbetreuung und bei den Kindern ankommen. Bund und Länder haben sich in einem gemeinsam gestalteten Prozess bereits auf Eckpunkte für ein Qualitätsentwicklungsgesetz verständigt. Die unterzeichnenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begründen den hierin ausgedrückten Willen der Politik, für alle Kinder in Deutschland auf vergleichbare Rahmenbedingungen in frühpädagogischen Institutionen hinzuarbeiten und so das

Postulat der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse einzulösen. Sie unterstützen ausdrücklich die im Beschluss vom 18./19. Mai 20171 niedergelegte Absicht der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK), die Erarbeitung eines solchen Gesetzes voran zu treiben.

Wir fordern die politisch Verantwortlichen daher auf:

(1) den Beschluss der JFMK unmittelbar nach Beginn der nächsten Legislaturperiode des Bundestags in ein Gesetzgebungsverfahren einmünden zu lassen

(2) die in Aussicht gestellte Mitfinanzierung des Bundes strukturell abzusichern, zügig zu realisieren und regelmäßig Bericht über quantitative und qualitative Aspekte des Qualitätsentwicklungsprozesses – auch unter vergleichender Perspektive – zu erstatten

(3) den Prozess der Aushandlung von Qualitätsentwicklungszielen in den Ländern unmittelbar zu beginnen, diesen partizipativ und transparent zu gestalten und seinen Fortschritt über konkret formulierte Meilensteine sicht- und überprüfbar zu machen

(4) die abzuschließenden länderspezifischen Zielvereinbarungen gemäß der neun formulierten Handlungsfelder im Beschluss der JFMK – z. B. zum Personaleinsatz oder zu Leitungstätigkeiten – grundsätzlich an empirisch abgesicherten Standards und wissenschaftlichen Erkenntnissen2 zu orientieren

(5) das bisherige Finanzierungsvolumen bzw. den erreichten Stand der Investitionen in Qualität und Qualitätsentwicklung in den Ländern unter keinen Umständen zurückzufahren, sondern zusätzliche Mittel für weitere Qualitätsverbesserungen zu verwenden

(6) die produktive Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung weiterhin zu suchen, um den Qualitätsprozess kritisch-konstruktiv begleiten zu lassen und dessen Ergebnisse und Effekte empirisch zu analysieren.

 

Initiatorinnen:
1. Prof. Dr. Susanne Viernickel (Universität Leipzig)

2. Prof. Dr. Irene Dittrich (Studiengang Kindheits­pädagogik)

3. Prof. Dr. Rahel Dreyer (Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e. V.)

 

Foto: chrisko82,  photocase.de

Pädagogische Märchen – aus #wamiki 3/2017

In unserem pädagogischen Fachmagazin probieren wir immer wieder neue Formen aus. Michael Fink, Fortbildner und Autor der ersten Stunde, hat deshalb für #wamiki 3/2017 „Komm heim“ mehrere Märchen geschrieben. Im Heft geht es ja vor allem um Heimat, Fremde und Identität und da passen Märchen ganz wunderbar. Wer denkt nicht bei Heimat an die Hausmärchen der Gebrüder Grimm? Märchen sind eine bedeutsame und sehr alte Textgattung, in denen von wundersamen Begebenheiten erzählt wird. Wundersame pädagogische Begebenheiten? Aber lest selbst!

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Fortbildner_innen für mehr Personal und Qualität

Eine bessere personelle Ausstattung und verbesserte Rahmenbedingungen in der Frühen Bildung fordern jetzt in einem Offenen Brief Fortbildner_innen und Berater_innen aus den Reihen des „Netzwerk Fortbildung: Kinder bis drei“. Sie kritisieren die unhaltbaren Zustände in deutschen Kitas hinsichtlich Personalüberlastung und Rahmenbedingungen und fordern sofortige Verbesserungen! Der Offene Brief kann und sollte (!) mitunterzeichnet werden! wamiki dokumentiert den Text. Weiter lesen

Umfrage

 

1. Was war für Dich die innovativste Neuerung in der frühen Bildung in den vergangenen 30 Jahren?

 

2. Was war die größte Enttäuschung der vergangenen 30 Jahre? Was die größte Überraschung?

 

3. Was möchtest Du gern verändern?

Hilde von Balluseck, Prof. Dr.,
Chefredakteurin von fruehe-bildung-online.de, Berlin

1. Am innovativsten war die öffentliche Förderung von Forschungsprojekten zur frühen Bildung. Sie ermöglichte ein verstärktes Augenmerk auf die mit der frühen Bildung zusammenhängenden Fragen, eine höhere Anerkennung der Frühen Bildung in Wissenschaft und Politik, und drittens eine Professionalisierung der Frühen Bildung durch die Akademisierung.

2. Enttäuschungen:

Die föderalistische Struktur führt zu großen Unterschieden in der Qualität der frühen Bildung.

Die Zuordnung von Kita und Grundschule zu unterschiedlichen Systemen lässt sich auch bei hohem Engagement der Professionellen nur ansatzweise überwinden.

Die unterschiedlichen Bezahlungen von Erzieher_innen und Lehrer_innen sind ein Skandal.

Eine Überraschung:

Der Zwischenbericht der Bund-Länder-Kommission „Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern“ vom November letzten Jahres eröffnet die Perspektive eines Bundesqualitätsgesetzes.

3. Als Erstes wünsche ich mir einen Abbau sozialer Unterschiede, d. h. eine Verbesserung der Lebensbedingungen von deutschen und zugewanderten Armen. Das würde die Bildungschancen der Kinder erhöhen und die Arbeit der Fachkräfte erleichtern.

Dann wünsche ich mir gemeinsame Bildungsüberlegungen der entsprechenden Ministerien für Kita und Grundschule und eine Angleichung der Gehälter von Erzieher_innen und Lehrer_innen.

Supervision und Fachberatung sollten für jede Kita finanzierbar sein.

Dolmetscher_innen für jede Kita sind wichtig für die Kontaktaufnahme mit Eltern anderer Muttersprachen als Deutsch. Auch für sie ist eine gesicherte Finanzierung erforderlich.

Die Verbände der Frühen Bildung in Deutschland sollten sich zunächst in Deutschland, dann in der EU zusammentun und wirkungsvoll ihre Stimme erheben, um die Gefahren für Gesundheit und Bildung von Kindern in Kriegs- und Hungergebieten anzuklagen und Verbesserungen zu fordern.

______

 

Angelika von der Beek,
Autorin, Fortbildnerin, Dozentin, Hamburg

1. Die innovativste Neuerung seit dem Ende der 80er Jahre war für mich die Entwicklung des Konzepts der offenen Arbeit.

2. Die größte Überraschung seit den 90er Jahren war für mich der bemerkenswert umfangreiche Ausbau der Krippen, getragen von Bund, Ländern, Gemeinden und privaten Trägern, und die große Bereitschaft der Erzieher_innen, sich durch Fort- und Weiterbildung für diese Betreuungsform zu qualifizieren und nicht einfach nur mit der Betreuung von kleinen Kindern ihren Job zu machen.

Eine große unangenehme Überraschung war, wie leicht es sich die staatliche Seite zur Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz machte, Kinder unter drei Jahren in Kindergartengruppen von drei bis sechs Jahren betreuen zu lassen und wie willfährig das von Trägerseite umgesetzt wurde. Beispiele: Kampagne in Rheinland-Pfalz „Mit 2 dabei“ oder die Einrichtung von Regelgruppen in NRW mit 20 Kindern, davon bis zu sechs unter drei Jahren, mit zwei Erzieher_innen, wie vorher, und in den selben Räumen wie die Kindergartengruppen vorher.

Die andere große unangenehme Überraschung war der Aufstieg des Themas „hochbegabte Kinder“ im Kindergarten und damit der „Geländegewinn“ der Psychologen im Kitabereich, die dort vorher im Regelkindergarten keinen Fuß auf den Boden bekommen hatten.

3. Ich wünsche mir a) eine bessere Bezahlung von Erzieher_innen, b) eine bundesweit einheitliche Regelung des Erzieher-Kind-Betreuungsverhältnisses in der Krippe von 1:5 und im Elementarbereich und Hort von 1:10 sowie c) regionale Beratungsstellen für den Neu-, Aus- und Umbau von Krippen, Kindergärten und Horten und eine Verpflichtung der Träger, sich beraten zu lassen!

______

 

Hans Brügelmann, Prof. i. R. Dr.,
Fachreferent im Grundschulverband

1. Mich (hat) beeindruckt, wie ernsthaft die Forderungen der UN-Kinderrechtskonvention in der Frühpädagogik diskutiert werden und dass das Recht von Kindern auf Selbst- und Mitbestimmung den Alltag in KITAs oft stärker prägt als in der Schule.2. Der Fortschritt, auch die Kindergärten als Bildungseinrichtungen zu sehen und zu gestalten, wird immer wieder missverstanden als Auftrag, sie/ sich an schulische Traditionen anzupassen. Leider ist es in Deutschland generell üblich, dass die Bildungseinrichtungen für Ältere versuchen, Anforderungen für die vorhergehende Stufe zu bestimmen, statt den Bildungsgang „von unten nach oben“ zu denken.

3. Ich wünsche mir, dass die berechtigte Forderung nach einer anspruchsvolleren Ausbildung, einer stärkeren Anerkennung und einer angemesseneren Bezahlung der pädagogischen Fachkräfte nicht um den Preis einer formalen Akademisierung erkauft werden muss. Schon die Grundschule hatte darunter zu leiden, dass sich die Hochschulausbildung zunehmend von der Praxis gelöst hat, statt die Reflexion der Praxiserfahrung zum Kern der Ausbildung zu machen.

______

 

Detlef Diskowski,
Erzieher, Kita-Leiter, Fortbildner, Referent, Abteilungsleiter, Berater, Teltow

1. Die Einführung von Bildungsplänen, und dabei die Tatsache, dass (fast überall) nicht die Kompetenzen der Kinder, sondern die Leistungen der Kita bestimmt wurden.

2. Die größte Enttäuschung war, dass bei diesem ersten Schritt verharrt wurde – und falls weitere Schritte gegangen wurden, die Bildungspläne immer weiter aufgebläht wurden, statt sich darauf zu konzentrieren, den KERN zu normieren: Was kann jedes Kind, was kann jedes Elternteil von jeder Kita im jeweiligen Land erwarten? Stattdessen haben sie sich durch den Vollständigkeitsdrang selber entwertet, weil sie dicker, geschwätziger und damit beliebiger wurden. Jede Bindestrich-Pädagogik erhebt den Anspruch auch aufgenommen zu werden, anstatt den gemeinsamen Kern herauszuarbeiten.

Die größte positive Überraschung war, dass der massive Ausbau der Plätze nicht zu Lasten der Strukturqualität gegangen ist. Wir sind doch offenbar stärker, als wir es uns selber beständig einreden.

Die größte negative Überraschung war, dass die massiv unterschiedliche Strukturqualität in Deutschland nicht differenzierter und radikaler zur Kenntnis genommen worden ist, sondern dass undifferenziert geklagt wird. Wenn die Bedingungen aber überall schlecht sind, wenn also 100 Prozent Unterschied in der Personalausstattung nichts ausmacht, dann fehlt eigentlich auch die Begründung für die Notwendigkeit von Verbesserungen.

3. Ich würde gerne die vielen Bundes-, Länder- und Trägermodellprojekte abschaffen, die nicht wirklich etwas modellhaft erproben wollen, was bei Erfolg auch tatsächlich flächendeckend umgesetzt werden soll. Modelle, die nie Regelpraxis werden sollen, sind vergeudete Ressourcen, sie sollten stattdessen in die Verbesserung der Regelstruktur fließen. Ich würde gerne die Produzenten von „neuen“ Modellen, pädagogischen Konzepten, von Bindestrich-Pädagogiken zu einer EIGENEN praktischen Erprobung VOR Veröffentlichung verpflichten. Aus meiner Sicht wird die diagnostizierte Überforderung der Erzieher auch hervorgerufen, weil beständig „neue Säue durchs Dorf getrieben werden“. Wer mehr oder Neues will, muss die Ressourcen benennen oder benennen was überflüssig ist (auch davon gibt es Einiges, was ich abschaffen würde, wie zum Beispiel die Eltern-Erfreuungs-Basteleien).

______

 

Frauke Hildebrandt, Prof. Dr.,
Fachhochschule Potsdam, Autorin

1. Da ist die Wende noch dabei und ich bin aus dem Osten. Also ist die Antwort klar: Der Versuch, ein autoritäres Bildungssystem in ein demokratisches zu verwandeln – und dabei das Menschenbild gleich mit.

2. Dass diese Verwandlung in der Breite so lange dauert, ist die größte Enttäuschung. Und dass sie an manchen Orten durch die Kraft einzelner Menschen so schnell gelingen konnte, die größte Überraschung.

3. Wir brauchen – vor allem im Osten! – mehr Sinn für die Rechte, Teilhabe, Mitbestimmung und das Mitdenken jedes einzelnen Kindes, ob es schon sprechen kann oder nicht.

______

 

Norbert Hocke,
Leiter des OB Jugendhilfe und Sozialarbeit beim Hauptvorstand der GEW, Berlin/Frankfurt/M.

1. Die Bildungs-und Lerngeschichten sowie die Bildungs-, Erziehungsdienst- und Orientierungspläne haben eine starke Innovation ins Feld gebracht, weil sich dadurch der Blick auf das Kind verändert hat! Es sind eben nicht die Pläne oder die Portfolios an sich, sondern die Sichtweise und der Umgang mit den Kindern, der sich verändert hat.

2. Zur größten Enttäuschung zählt das Festhalten an der alten Ausbildungsstruktur und die Sichtweise, dass wir erst für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr eine reflektierte Ausbildung auf Hochschulniveau brauchen.

Überraschung: Wie schnell das System der Tageseinrichtung für Kinder gewachsen ist und ja noch wächst!

Dass die Kolleginnen 2009 und 2014/15 sich so stark für eine bessere Bezahlung eingesetzt und gestreikt haben.

3. Ein Bundeskitagesetz, welches die Strukturqualität regelt und durch den Bund mit jährlich ca. 10 Milliarden Euro finanziert wird!

Neue Ausbildungsstruktur gestalten: Fachschulen und Hochschulen zusammenführen.

______

 

Axel Jansa, Prof. Dr.,
Hochschule Esslingen, Autor

1. Die Einführung der kindheitspädagogischen Studiengänge ab 2004 und die Festlegung der Berufsbezeichnung „Staatlich anerkannte/r Kindheitspädagoge / Kindheitspädagogin“ 2011, natürlich auch die nacheinander erfolgten Rechtsansprüche auf einen Kindergarten- und einen Krippenplatz.2. Die größte Enttäuschung? Dass es in Deutschland immer noch Parteien gibt, die mit „Herdprämien“ Kinder und Frauen an selbigen fesseln möchten? Dass parallel zu den Rechtsansprüchen keine angemessenen Ressourcen zum Ausbau der Plätze zur Verfügung gestellt wurden.

Die größte Überraschung? Dass sich Frau Schwesig gegenüber mächtigen CDU- und CSU-Ministern doch immer mal wieder mit einer fortschrittlichen Kinder- und Familienpolitik behaupten kann, in dieser Frau liegt bildungspolitische Zukunft!

Dass Erzieherinnen und Erzieher trotz der unzureichenden Bezahlung und der verhältnismäßig schlechten gesellschaftlichen Anerkennung ihrer Arbeit ein sehr hohes Engagement in der Weiterbildung haben und sie auch einen nicht unerheblichen Anteil der Studierenden in den Kindheitspädagogik-Studiengängen stellen.

3. Dass wir uns dem schwedischen sozialstaatlichen Modell der Selbstverständlichkeit weiblicher Erwerbstätigkeit, der geförderten Vereinbarkeit von Beruf und Familie unter anderem durch eine flächendeckende, hochwertige staatliche Kindertagesbetreuung annähern.

______

 

Frank Jansen,
Geschäftsführer des KTK-Bundesverbandes, Freiburg/Berlin

1. Dass sich das Thema Kita als Dienstleistungsorganisation nach anfänglichem Aufschrei dennoch etabliert hat;

die Einführung von Bildungsplänen;

die Etablierung von QM-Systemen;

dass wir uns länderübergreifend mehr oder weniger auf ein ganzheitliches Bildungsverständnis verständigt haben;

der nun vorliegende Zwischenbericht von Bund und Ländern, in dem erstmals gemeinsame Qualitätsziele formuliert sind.

2. Dass aus dem Zwischenbericht ein „Bundesqualitätsentwicklungsgesetz“ und kein Bundesqualitätsgesetz hervorgeht;

Bildungspläne vielfach nicht verbindlich sind und nur in einem Bundesland konsequent evaluiert werden;

dass wir immer noch ein Fachberatungsverständnis diskutieren, das auf Freiwilligkeit beruht;

dass die Definition von multiprofessionellen Teams nach wie vor auf sozialpädagogische/pädagogische Berufe reduziert wird…

3. Bei allem Respekt vor dem Föderalismus ein wenig mehr Bundeskompetenz im Bereich der Bildung schaffen!

______

 

Helen Knauf, Prof. Dr,
Hochschule Fulda

1. Das iPad. Weil es ganz neue und vielfältige Bildungs- und Kommunikationschancen für ALLE Kinder, Fachkräfte und Eltern in Kitas eröffnet.

2. Die Akademisierung der frühpädagogischen Fachkräfte.

Weil sie so halbherzig angegangen wurde.

3. k. A.

______

 

Udo Lange,
Erzieher, Dipl. Sozialpädagoge, Spielraumplaner und Baukünstler, Fortbildner, Autor, Freiburg i. Brsg.

1. Die Entdeckung des Waldkindergartens

2. Meine größte Enttäuschung?

Dass wir noch immer über Chancengerechtigkeit und verlässliche Bildungsstandards diskutieren müssen.

Die größte Überraschung?

Dass trotz reformbedürftiger Rahmenbedingungen und mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung sich begeisterungsfähige Menschen finden, die das System Kindergarten mit verantwortungsvollem Engagement und viel Herzblut füllen.

3. Mehr Gelassenheit und Mut zum Wilden Denken…

Mehr Widerstand gegen bürokratische Bevormundung und akademischen Nonsens…

Mehr Künstler, Handwerker und Weltenbummler in die Kitas…

______

 

Gerlinde Lill, Dr.,
Beraterin, Fortbildnerin und Netzwerkerin

1. Die wichtigste Veränderung liegt für mich im neuen Bildungsverständnis: Bildung kann man nicht „machen“, Bildung ist der Prozess der Kinder. Und: Kinder müssen nicht motiviert werden, sie sind es von Anfang an. Sie wollen sich entwickeln, alles können, was die Großen können, selbstständig und wirksam sein. Dafür strengen sie sich an, bleiben hartnäckig an ihren Vorhaben, kooperieren mit anderen, kommunizieren mit den Ausdrucksmitteln, die sie zur Verfügung haben. Alle, in jedem Alter. Das ist ein Paradigmenwechsel.

Wunderbarerweise passt das Streben von Kindern nach Autonomie und Zugehörigkeit zu den Bildungszielen einer demokratischen Gesellschaft: Selbstbestimmung und Eigenverantwortung sind Basiskompetenzen, für die Bildungseinrichtungen Erfahrungsfelder bieten können (und sollen). Die Bildungspläne und -programme der Länder, so unterschiedlich sie auch sind, bauen alle auf diesen Grundgedanken auf.

Die praktisch wirksamste Veränderung ist, was daraus für pädagogische Professionalität folgt: Weg von der Dominanz der Erwachsenen, die entscheiden, was für Kinder „das Beste“ ist, hin zum Recht der Kinder, über ihren Körper, ihre Beziehungen, ihre Zeit (und anderes mehr) selbst zu bestimmen und ihrer inneren Motivation zu folgen. Weg von den erzieherischen Absichten, hin zur Unterstützung eigenmotivierter Bildungsprozesse. Weg von vordefinierten Lernräumen, hin zu einem Lebensort, den alle gemeinsam nach ihren Wünschen gestalten und verändern.

2. Meine größte Enttäuschung hängt mit Punkt 1 zusammen: Ich habe gedacht (gehofft), dass die Erkenntnisse der Frühpädagogik, der Hirnforschung und vor allem die Praxiserfahrungen zu flächendeckenden Wandlungsprozessen im Denken und Handeln der (nun so genannten) Fachkräfte führen würde. Das war leider nicht der Fall.

Eigentlich ist das kein Wunder. Denn das alte Muster „Alles Gute kommt von oben“ hat sich in Bezug auf die Erwachsenen unverdrossen gehalten. Es wird eingetrichtert und abgeprüft, sie werden umgeschult und umgepolt, es wird implementiert und evaluiert, was das Zeug hält – sogar beim Thema Partizipation. So wird sich ein Umdenken und Umhandeln schwer erreichen lassen. Denn was für Kinder gilt, gilt auch für Erwachsene: Bildung ist ein eigenmotivierter Prozess – oder geht schief.

Die größte Überraschung haben mir einige Teams und Kolleginnen in den neuen Bundesländern beschert, die sich mit enormer Freude und Energie daran gemacht haben, ihre Arbeitsweisen Schritt für Schritt zu verändern und Kindern (und sich selbst) neue Erfahrungen zu ermöglichen.

3. Die Fülle von bürokratischen Anforderungen reduzieren (zum Beispiel die elenden Beobachtungs- und Dokumentationsvorgaben). Dann bestünde die Chance, dass die verbreitete schlechte Stimmung sich verbesserte, weil die Praktikerinnen ihre Zeit den Kindern, den Eltern und sich gegenseitig schenken könnten…

Die unverdrossene Ausrichtung der Bildungseinrichtung Kita auf die Bildungseinrichtung Schule – statt umgekehrt. Auch dabei hat sich gezeigt: Es verändert sich nur, was man selbst und mit anderen zusammen anpackt.

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Foto: photocase, EzraPortent

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