Darf man Kinder gewinnen lassen?

Als Kind hatte ich es nicht gern, wenn ich merkte, dass ich „gewinnen darf“ oder dass mir 10 Punkte Vorsprung beim Pingpong eingeräumt wurden.

Spiele ich mit meinen Kindern, ist es nicht so, dass ich sie bewusst gewinnen lasse. Ein neues Spiel probieren wir erst ein paar Runden lang aus. Kennen wir das Spiel, gelten die gleichen Bedingungen für alle, die mitspielen.

Natürlich gibt es Spiele, in denen jüngere Kinder keine Chance haben. Deshalb ist es sinnlos, sie mit ihnen zu spielen. Aber bei Spielen, in denen es um Geschick oder Gedächtnisleistungen geht, können auch jüngere Kinder locker mithalten. Es kommt also auf die Auswahl an: Haben alle etwa die gleichen Chancen? Und wie ernst wird jeder Mitspieler genommen? Herrscht keine Ernsthaftigkeit, ist das ganz schlecht.

Ich finde, man darf immer in aller Härte spielen. Und die Mitspieler – Kinder oder Erwachsene – müssen lernen, damit umzugehen. Dass ich hart austeilen kann und hart einstecken muss, das macht die Emotionen im Spiel aus und hält mich auf Trab. Gerade das Spiel bietet doch die Möglichkeit, sich mal auszutoben, ohne sich danach in den Haaren zu liegen.

Die Art, wie man ein verlorenes oder gewonnenes Spiel mit Kindern abschließt, entscheidet über das gute Gefühl nach dem Spiel. Und: Ist das Spiel zu Ende, gelten wieder die Regeln des Alltags.

Solange Kinder die Regeln eines Spiels noch nicht beherrschen, darf man sie gewinnen lassen, finde ich. Das heißt, man darf sie auf Spielvorteile hinweisen, zu ihren Gunsten agieren oder bewusst Fehler machen, die einem Nachteile bringen, den Kindern hingegen Vorteile.

Beherrschen Kinder die Spielregeln sicher, gibt es keine Gnade. Und zwar nicht, damit sie verlieren lernen, ohne das Spielbrett vom Tisch zu fegen. Sondern damit sie sich ernst genommen fühlen – in diesem Fall als Spielpartner in der Rolle von Konkurrenten um den Sieg. Bei „Memory“ sind sie uns Erwachsenen sehr schnell überlegen.

Übrigens: So manchem Erwachsenen fällt es auch nicht leicht, im Spiel zu unterliegen. Ich kenne etliche…

10 Fragen an Lukas Frei

Wann sind Sie glücklich?

Wenn ich in Afrika am Lagerfeuer sitze.

Was regt Sie auf?

Zu starke Ordentlichkeit.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an Ihre Kindheit denken?

Mit Lego bauen, etwas konstruieren.

Was können Sie von Kindern lernen?

Neugierde und Offenheit.

Was schätzen Sie an einem Menschen am meisten?

Seine Loyalität.

Was können Sie am besten?

Dinge von verschiedenen Seiten beleuchten, sie sezieren und die Essenz herauspressen.

Was können Sie überhaupt nicht?

Schwimmen.

Auf welchen Gegenstand könnten Sie verzichten?

Auf ein Auto, ein eigenes Haus und viel Luxus.

Was wäre für Sie eine berufliche Alternative?

In der Schule unterrichten.

Wenn Sie plötzlich eine Stunde geschenkt bekämen – wofür würden Sie sie nutzen?

Ich würde mich nach Afrika absetzen.

Schadenfreude und Scheiß-Würfel

Frei ist ein schöner Nachname für einen Menschen, der Spiele entwickelt. Da fällt einem sofort Freispiel ein. Oder Lieblingsspiel. Was Kinder am liebsten spielen und was Erwachsene hindert, sich voller Lust auf ein Spiel einzulassen – der Schweizer Spielentwickler Lukas Frei weiß es. Weiter lesen…

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Treppenstimmen

Im Dialog mit Orten: Eine Metalltreppe verwandelt sich in eine Musiktreppe Akteure: Kinder zwischen 3 und 5 Jahren, Kindergarten 8. März in Reggio-Emilia/Italien Künstler*innen: Maura Rovacchi, Carmine Scianguetta Lehrer*innen: Lorenza Bianchi, Anna Preite Pädagog*innen: Alessia Forghieri, Annalisa Rabotti Mitarbeiter*inner: Filippo Chieli, Elena Giacopini, Michele Pauli Die Kinder hatten das Malaguzzi-Zentrum besucht und dort eine Treppe…

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Die Mitter­nachtsmaus und der ­Wolkenkratzer

Ein Sprachspiel, das Geschichten aufwecken kann Weiter lesen…

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Reimereien

„Eene meene mei, flieg los, Kartoffelbrei! Hex hex!“ So klingt es seit Wochen durch Kita und Garten. Mit den Besen können die Kinder weder Sand noch Laub fegen, weil sie als Hexenfluggeräte gebraucht werden. Bibi Blocksberg ist das Vorbild für die Kindergartenhexlein und -zauberer, die auf ihren Besen durch den Garten sausen und immer neue Zaubersprüche erfinden. Sogar beim Mittagessen wird gezaubert: „Eene meene brat, hier steht der Spinat.“

Als sich die Faschingszeit nähert, überlegen wir: Welche Themen begeistern die Kinder? Sollen wir wieder einen Zauberfasching feiern wie vor drei Jahren? Die Kinder, die damals dabei waren, sind nun schon in der Schule…

Doch dann gibt es einen neuen Vorschlag: Reim­fasching. Reimereien durchziehen unseren Kita-Alltag. In vielen Lieblingsbüchern der Kinder sind die Texte gereimt. Bewegungsspiele und Lieder, Reimmemory und Tischsprüche sind auch beliebt. Und gereimt kommt sogar die Aufforderung zum Aufräumen manchmal gut an.

Aber: Was für Kostüme könnten wir anziehen? Wo steckt in der Verkleidung der Reim? Das beschäftigt eher die Erwachsenen. Denn die Kinder wissen: Sie können kommen, wie sie wollen. Es wird sich schon ein Reim finden für den Piraten, die Prinzessin, den Hasen oder den Clown.

Am Faschingsdienstag, das Haus ist mit Luftballons, Luftschlangen und Reimbildern geschmückt, begeistert uns Nikita mit seinem Kostüm. Er ist als Reimmemory gekommen. Die Memorykarten kann man aus den Taschen seines Kostüms ziehen. Wer findet das passende Paar? Elise ist eine Katze. Kratzt sie mit ihrer Tatze? Maus Lennya fürchtet sich ein wenig vor ihr. Aber der Pirat Luis beschützt sie. Noch eine Katze kommt in die Kita – das ist die Katze Rita. Und dort kommt ein Dieb mit Sieb. Aber was reimt sich auf Roboter? Kein Problem, denn Toni ist als Roboter eine Art Reimmaschine. Reimereien fallen Toni leicht. Von ihm stammt das Reimpaar „Ritter – Splitter“ und auch das folgende Gedicht:

Für den Ritter
war das Leben bitter,
denn er hatte einen Splitter.

Was sollte er machen?
Er fragte den Drachen.

Der Drache biss zu,
zog den Splitter im Nu.

Als alle Faschingsgäste im Haus sind, beginnt das Frühstück. Ein gereimtes Büffet zu zaubern, das ist uns nicht gelungen. Aber immerhin reimt sich Fisch auf Tisch. Kleine Salzgebäck-Fischlein schwimmen nämlich um Teller und Schüsseln.

Nach dem Frühstück versammeln wir uns im Bewegungsraum. Mit Gesang und Reimereien werden die Kostüme vorgestellt. Hase Finn hat einen Zettel dabei. Seinen Reim lesen wir laut vor:

Ich bin ein Hoppelhase.
Schau mal meine Nase
Und hinten mein weißer Schwanz –
Wie cool ich tanz!

Für Prinzessin Paula hat der große Bruder Santiago gereimt:

Die Prinzessin trägt ´ne Krone,
Denn aus dem Haus geht sie nie ohne.

Als sich alle Feiernden in ihren Verkleidungen gezeigt haben, machen wir ein Reimspiel, bei dem die Kinder raten können, was sich worin befindet.

Was ist in der Tasche? Eine Flasche.
Was ist unter der Decke? Eine Schnecke.
Was ist im Topf? Ein Zopf.
Was ist im Schuh?

Das errät Rabia als erste und ruft: „Eine Kuh!“ Tatsächlich findet sich eine kleine Spielzeugkuh im Kinderschuh.Nach dem Raten gibt es Musik und Tanz. Wer genug gefeiert hat, kann sich ausruhen, spielen, malen oder mit Freunden Kostümteile wie Hexenbesen, Kronen oder Gummisäbel tauschen.

Mittags steht Spinatsuppe auf dem Tisch. Da passt der Spinatreim. „Lecker“, findet Selma, die heute zwar eine Chinesin ist, für die Suppe aber den Löffel nimmt.

StadtRebellen – 1 km2 x anders

Ein Kooperationsprojekt von kleine baumeister & Labyrinth Kindermuseum Berlin*

Gespräch mit Jessica Waldera (kleine Baumeister)

 

Das Projekt

Auf der ganzen Welt leben heute ca. 1,8 Milliarden Kinder unter 15 Jahren.

Nach Schätzungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen – UNICEF wachsen weltweit mittlerweile rund eine Milliarde Kinder und Jugendliche in Städten auf – das ist fast die Hälfte aller Kinder. Das heißt, die Stadt ist für viele Kinder das unmittelbare Lebensumfeld, in dem sie prägende Erfahrungen machen und ihre Sicht auf die Welt entwickeln. Die Bedürfnisse, die Kinder in einer Großstadt haben, unterscheiden sich in vielen Punkten von denen der Erwachsenen. Dass Kinder ernstzunehmende Expert*innen in eigener Sache sind, davon ist vermehrt in politischen Strategiepapieren und Aktionsplänen zu lesen. Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist eine Querschnittsaufgabe, Beteiligung macht fit für die Zukunft und schärft den wachen, kritischen Blick auf unsere Gesellschaft und unsere Städte.

Genau hier setzt das Projekt „Stadt-Rebellen – 1 km2 x anders“ an. Das Einmischen und die Partizipation von „Kindesbeinen“ an sind die Grundgedanken dieses Kooperationsprojektes des Labyrinth Kindermuseum Berlin und der kleinen baumeister. Die Stadt „rebellisch“ mit zu gestalten, ist für Mädchen und Jungen Herausforderung, Spaß und essentielle Lernerfahrung zugleich. Nacheinander erforschen in sechs Berliner Stadtteilen jeweils eine Kita-Gruppe und eine Grundschulklasse als Tandem einen Quadrat-Kilometer Stadt in ihrer unmittelbaren Umgebung. Dabei lernen die Kinder, wie eine Stadt entsteht, wie sie funktioniert und wie sie selbst aktiv in dieses Stadtgefüge eingreifen können. Nach der Forschungsphase im Kiez stellen die Mädchen und Jungen in einer öffentlichen Zwischenpräsentation die aus ihrer Sicht wichtigsten Probleme ihres Stadtumfelds vor. Sie stimmen hier demokratisch ab, welches der präsentierten Probleme sie dauerhaft angehen möchten. Auf dem Weg zur nachhaltigen Pro­blemlösung, die wiederum in einer Abschlusspräsentation der Öffentlichkeit vorgestellt wird, treten sie immer wieder mit kreativen Aktionen im Stadtbild in Erscheinung.

Damit ist ein wichtiger Teil des Projektes bereits benannt: Die Kinder werden sichtbar und hörbar – die StadtRebellen formulieren ihre Sicht auf die Stadt und vertreten mit lauter Stimme ihre Wünsche für einen kinderfreundlicheren Ort.

Methoden und Umsetzung

1_ Einführen & Fragen

Was ist eine Stadt? … und „Wie entsteht eine Stadt?“ sind die grundsätzlichen, ersten Fragen, die wir uns stellen. Die Antworten werden je nach Altersstruktur als großflächige, gemeinsame Zeichnungen, kleinteilige „Post-it“-Notizen, Piktogramme oder Wörter, Geräusche oder digitalisierte Gespräche gesammelt und festgehalten. Individuelle Spiele und Mitmachgeschichten zum allgemeinen Thema der Besiedlung von Land lassen die Kinder in das Thema eintauchen und die Komplexität der Entwicklung vom Dorf zur Großstadt mit all ihren Feinheiten, „Fallstricken“ und ihrer künstlerischen Freiheit begreifen. Über die Zeichnungen so genannter „mental maps“, individueller Schul- und Kitaweg-Pläne erarbeiten sich die Kinder die zweidimensionale Darstellung von Stadtplänen und Landkarten, die die Welt auf Papier strukturieren und kategorisieren. Darüber hinaus lassen sich individuelle Fragen und Forschungsgebiete durch die „mobile Fach-Bibliothek“ der kleinen baumeister beantworten. Je nach Alter setzen mathematische Einheiten zu Längen, Höhen und Breiten von städtebaulichen Elementen oder auch naturwissenschaftliche Exkursionen zu Pflanzen und Tieren in der Stadt weitere Impulse. Mit den Fragen „Was gefällt mir an meiner Stadt?“ und „Was gefällt mir nicht an meiner Stadt?“ gehen wir zum Projektabschnitt Nr.

2_ Forschen & Erkunden

Die standardmäßige Forschungsausrüstung der StadtRebellen besteht aus Kameras, Stiften, Laufmessrad, Diktiergeräten, Schallpegelmessgeräten, Sprühkreide, StadtRebellen-Schriftzug-Schablone und Stadtplänen des 1km2 großen Umfeldes der jeweiligen Schule bzw. Kita. Diese Grundausrüstung wird durch individuelle Dinge wie Luftballons, Müllzangen, Skizzen- und Tagebücher erweitert. Die wichtigsten Bestandteile bleiben jedoch die wachen und offenen Augen und Ohren der Kinder, die mit scharfem Blick und einer neuen, kritischen Perspektive ihre vertraute Umgebung untersuchen. Akribisch ergründen sie Unorte, Wohlfühlorte, Beschilderungen, Baustellen, Kreuzungen, Übergänge, Ampeln, Müll, Kunstobjekte, Pflanzen, Tiere, Geräusche, Entfernungen, Interessantes oder Skurriles. Alles wird festgehalten, vor Ort markiert, dokumentiert, katalogisiert und später in individuellen Darstellungen, wie zum Beispiel Plakaten, Infotürmen, Installationen oder auf Karten, festgehalten und ausgewertet.

3_ Präsentieren & Wählen

Nach der Auswertung ihrer jeweiligen Erkundung wählt jede Kindergruppe maximal zwei städtische Situationen bzw. Orte, die sie verändern möchte. Diese werden anschaulich, bisweilen künstlerisch gestaltet und sind ein erstes direktes Eingreifen in das gewohnte Stadtbild. Erste Ergebnisse in Form zum Beispiel dreidimensionaler Kunstobjekte tauchen in der Stadt auf, machen aufmerksam auf die Belange und Anliegen der Kinder. Die Zwischenpräsentation bietet zum einen Ort und Gelegenheit für den Austausch zwischen den beiden Altersstufen und bedeutet zum anderen das erste öffentliche Auftreten der StadtRebellen in ihrem km2 Umfeld. Die Zwischenpräsentation ist auch Ort der demokratischen Entscheidung, denn hier wählen die Kinder zwischen allen präsentierten Forderungen eine aus, die sie dann gemeinsam angehen wollen. Aus einem Kita- oder Grundschulvorschlag wird nun ein gemeinsames Thema der jeweiligen StadtRebellen.

4_ Umsetzen & Intervenieren

Mit der Zwischenpräsentation ist der Gestaltungsprozess angestoßen, die Umsetzung der gewünschten Veränderungen im Rahmen der finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten des Projektes steht nun im Vordergrund.

Es folgt der kreative Prozess des Entwickelns, Entwerfens und Bauens. In Kleingruppen diskutieren die Kinder Lösungsentwürfe. Die kleinen baumeister sorgen für den Austausch zwischen Kita und Grundschule bis eine Umsetzungsidee feststeht. Dann geht es ans Organisieren und Bauen. Teilweise müssen auch bürokratische Hürden in Angriff genommen werden, wie zum Beispiel die Beantragung eines Zebrastreifens. Den Abschluss bildet ein gemeinsames Präsentations- und Abschlussfest, zu dem eine breite Öffentlichkeit, Eltern, Expert*innen und Freund*innen eingeladen werden. Die Idee einer temporären oder auch nachhaltigen Umgestaltung der Stadt im öffentlichen Raum wird aufgebaut, präsentiert und erprobt.

Beispiele aus dem Projekt

Die StadtRebellen waren nacheinander in sechs Berliner Stadtteilen aktiv: So vielfältig wie die Bezirke sind auch die Ergebnisse.

Von Hundebaumgürtel-Service-Station in Wilmersdorf über StadtRebellenMobil in Schöneberg zu Ohr-Oase in Pankow – die Kinder haben die Situation in ihren Kiezen erfasst und blitzartig verbessert. Viele der Ideen sind absolut übertragbar und sind zur Nachahmung empfohlen. Alle Anregungen und Bauanleitungen sind auf dem Blog www.stadtrebellen.berlin einzusehen – Nachmachen erwünscht!

 

Beispiel 1: Wilmersdorf

Hunde-Service – einmal leermachen, bitte!

Der Startschuss des Projektes fällt für eine Kitagruppe und eine Grundschulklasse in Wilmersdorf. Während die Schüler*innen ihren 1km2 großen Bezirk in alle Richtungen nach vier selbstgestellten Themen ablaufen und analysieren, markieren die Kitakinder in forschem Tempo auf einer Strecke von 578m mit Luftballons ihre Lieblingsorte. Was wir nicht mögen, da zeigen wir drauf!

Weil die Kinder ihre Zeigefinger nicht im Stadtraum lassen können, stellen sie Gipsabdrücke ihrer Finger her und heben unschöne Zustände im Kiez damit hervor. Die Sammlung aller „Das-mag-ich-nicht“- Fotos wird schnell zur performativen Installation – wir drucken sie auf ausrangierte Kinder-T-Shirts und hängen sie für die Zwischenpräsentation auf eine 10m lange Wäscheleine auf dem Ludwigkirchplatz zwischen Spielplatz und Cafes. Die erste Rebellion hinterlässt ihre Spuren! Sie regt in den folgenden Wochen im Kiez eine fröhliche Diskussion über die Unorte der Kinder an. Die Abstimmung der Kinder ergibt, dass Lösungen für zu viele Zigarettenkippen und Hundehaufen hermüssen! Für alle Kinder ist es sonnenklar, dass hier die Hunde keine Schuld trifft, sondern die Halter sich besser um die Hinterlassenschaften kümmern müssen. Also wollen sie diese mit mehr Schaufeln, Tüten und Hinweisen zu Mülleimern ausstatten.

Nach Recherchen, dass viele Haufen an Blumen liegen, beschließen die Kinder, „Hundebaumgürtel-Service-­Stationen“ zu bauen. Um die Baumstämme gewickelt, versorgen diese die Hundebesitzer mit Säuberungsmaterial. Die Kitakinder wählen Bäume aus, messen deren Umfang, organisieren Tüten. Die Schulkinder schneiden, hämmern und nähen die Gürtel. Parallel werden Prototypen von Zigarettenschachteln entwickelt, in die Aschenbecher integriert sind und somit ein „In-die-Gegend-­werfen“ verhindern sollen. Die betreffenden Ideen schicken wir an Firmen der Zigarettenindustrie.

 

Beispiel 2: Schöneberg

StadtRebellen in Fahrt!

Parallel schauen sich fünf Gruppen ihren Kiez genauer an und finden erstaunlicherweise drei große Oberthemen: Sie entdecken unglaublich viel Verschmutzung und Müll, laute und gefährliche Straßenkreuzungen mit kurzen Ampelphasen bzw. zu wenig Zebrastreifen sowie zu wenig Orte, die zum Verweilen und Ausruhen einladen. Schon in der Erkundungsphase hinterlassen die Kinder ausrangierte und bemalte Kinderschuhe mit Fähnchen im Stadtbild oder verwandeln Poller mit Klebeband zu auffälligen Kunstwerken.

Beide Interventionen sollen auf nicht einsehbare Einfahrten oder wild parkende Autos hinweisen, die die Sicht der Kinder einschränken. Gleichzeitig bewundern alle aber auch farbige und großformatige „Street Art“-Kunstwerke freier Künstler an vielen Hauswänden.

Auf der gemeinsamen Zwischenpräsentation an der stark befahrenen Hauptstraße tauschen sich die Gruppen mit dem Megaphon aus und lassen aus dem gefundenen Müll eine Gipsskulptur entstehen, die später im Museum zu sehen sein wird. Sie wählen fast einstimmig, sich um die gefährlichen Straßenübergänge zu kümmern. In der Realisierungsphase werden Ampelphasen gestoppt und gefilmt. Mithilfe einer Verkehrspolizistin werden Gefahrensituationen analysiert und Verkehrs-und Präventionstraining mit Kitakindern und MELO-Schülern absolviert. Da die Beantragung eines Zebrastreifens nach Erkundigungen der Kinder im Rathaus sehr viel länger dauern würde, als das Projekt Zeit hat, wird ein „Verkehrssicherheitsmobil“ entwickelt: Auf einem umgebauten Bollerwagen finden sich verlängerte Spiegel, um über parkende Autos zu schauen, Schablonen zur Markierung unübersichtlicher Einfahrten auf Fußwegen, Stopp-Kellen zur Straßenabsicherung und ein 6 m langer ausrollbarer Zebrastreifen zur Straßenüberquerung. Zur gemeinsamen Abschlusspräsentation gibt es neben Ampelmännchen-Keksen und Theaterstücken der MELO-Schüler*innen also auch einen kurzzeitigen Stau auf der Motzstraße, als die Kinder mit ihrem nigelnagelneuen Zebrastreifen die Straße überqueren!

 

Beispiel 3: Lichtenberg

Bücher wachsen an Bäumen!

Vom Süden Berlins erreichen die StadtRebellen nun den Osten – mit all seinen faszinierenden Plattenbauten, deren Fensterformen und Fassadenmuster die Kinder auf der Kiezbetrachtung sofort dokumentieren. Schon unmittelbar vor unseren Expeditionen formulieren die Kitakinder einen Missstand: Es gibt viel zu viele Hundehaufen und Glasscherben rund um ihre Kita! Also gehen wir ausgerüstet mit Sprühkreide und Eisschirmchen los, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Alle Scherben werden auf dem grauen Asphalt leuchtend grün hervorgehoben und alle Haufen bekommen ein Schirmchen. Dekoriert fallen die Haufen nicht nur sofort ins Auge, es sieht auch fast hübsch aus und ein Kind flüstert leise: „Ach, wenn doch jedes Häufchen eine Blume wäre!“ Die Schulkinder formulieren auf den von ihnen im Anschluss angefertigten Zeichnungen in Sprechblasen ihre Wünsche: Solarbetriebene und fliegende Fortbewegungsmittel, fröhlichere Fußwege und kostenlose Bücher für alle Alle! Bei der Zwischenpräsentation werden die Anliegen der Kindergruppen illustriert durch bunte Gläser und Bilder in großflächiger Folie, aufgespannt zwischen den noch kahlen Winterbäumen im benachbarten Park. Sie sind Entscheidungsgrundlage für die Abstimmung. Schnell ist klar: Alle Kinder wünschen sich kostenlose Bücher! Jetzt benötigen wir Buchspenden und Orte, an denen sie getauscht werden können: Kein Problem für die StadtRebellen. Ausrangierte und oft gelesene Werke finden ihren Weg in die Sammelkiste. Als Tauschort wäre der Park toll, denn da kommen die meisten Kinder auf dem Hin- und Rückweg zur Kita und Schule vorbei. Wir verwerfen die Idee, die vielen Bäume im Park als Orte für den Buchtausch zu nutzen, da wir die Bäume nicht verletzen wollen – also entwerfen wir kurzerhand einen eigenen, robusten und pflegeleichten „Baum“!

Aus vielen geraden, gebogenen und verzweigten Regenrohren entsteht ein Baumgebilde. Schnell Beton anrühren und damit den „Baumstamm“ in einem Baueimer fixieren – fertig! Damit der Baum auch auffällt, erhält er eine Dekoration aus neonfarbigen Klebeband-Streifen. Nun fehlen nur noch die Bücher: Farbig sortiert nach Alter wie in der Schulbibliothek wandern alle Buch- und Spielzeug­spenden in regendichte, durchsichtige Beutel mit Reißverschluss. Diese befestigen die Kinder mit leuchtend bunten Bändern in von ihnen vorgebohrten Löchern der „Äste“.

Ein Rollbrett sorgt für die nötige Mobilität des „Buchtauschbaums“ – schon bei der Abschlusspräsentation werden die Bäume zwischen Kita und Schule, Präsentationsort und abschließendem Buffet hin und her geschoben.

 

 

Ein Platz für wilde Spiele

Das Paradies ist nicht möbliert Hier lagen die Orte, wo man sich mit den anderen Kindern traf, auf der Straße, im Hof, auf einer Baustelle oder am Ufer eines Baches. Dort war all das zu finden, was zum Spielen benötigt wurde. Von Stöcken und Steinen wird berichtet, es gab rissige Bretter, rußschwarze Ofenrohre, federnde Matratzen,…

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Super Uschi spielt Schach

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Freispiel

Über Sinn und Unsinn pädagogischer Gewohnheitswörter

Schauen wir uns den Tagesablauf in Kita und Grundschule an, dann finden wir einen Wechsel von gelenkten Zeiten und sogenanntem Freispiel. Die eine Zeit – von Erwachsenen vorgeplant – gilt gemeinhin als pädagogische Zeit. Die andere trägt den Charakter von Erholungspausen oder Übergangszeiten. Steckt dahinter nicht ein völlig verdrehter Begriff von Freiheit und Spiel?

Freispiel – sozusagen ein weißer Schimmel?

Der Wortteil „frei“ im Begriff „Freispiel“ legt verschiedene Assoziationen nahe: Freiheit – freie Wahl – freie Zeit – frei von der Dominanz Erwachsener – Unabhängigkeit – unbeobachtet sein…

Bei „Spiel“ fällt uns sofort ein: Lust – Vergnügen – Leichtigkeit – Ungezwungenheit – eigene Impulse – der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt – spielerisches Aneignen von Welt – Spiel ist Lebenstraining… Unwillkürlich denke ich bei freiem Spiel an den Gegensatz zu unfreiem. Gibt es das? Natürlich. Es gibt ja sogar den Begriff des gelenkten Spiels. Aber ist gelenkt zugleich unfrei und unfroh? Oh je, jetzt wird es philosophisch! Sowohl der Freiheitsbegriff als auch der Begriff des Spiels haben tiefere Dimensionen zu bieten. Zu tief für diesen Beitrag. Aber vielleicht nicht zu tief, um „Freispiel“ zu versenken.

Was heißt „frei“?

Gehen wir die Sache doch mal pragmatisch an. „Freispiel“ bezeichnet diejenigen Zeiten, in denen Kinder wählen können, was sie spielen wollen. Wo sie dies tun, das ist zumeist schon wieder vorgegeben: entweder alle drinnen oder alle draußen, schlimmstenfalls alle in einem Raum… Die Wahl der Spielpartner ist durch begrenzte Räume und Gruppenschranken ebenfalls eingeschränkt. Und selbst dort, wo Spielorte und Spielpartner frei gewählt werden dürfen, gibt es oft starre Regeln: Nur fünf Kinder zugleich in diesem Raum.

Wie realitätsnah ist also der Begriff? Was meint „frei“ heute? Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, in der wir vor und außerhalb der Schule unsere Spiele und Beziehungen wirklich frei von erwachsener Einmischung gestalten konnten, dann trifft der Begriff eher zu. Allerdings kannte ihn damals niemand. Spiel war immer frei. Natürlich gab es Vorgaben: „Wenn die Lichter angehen, kommst du nach Hause.“ Oder: „Ihr spielt nicht in den Ruinen.“ Aber niemand wäre auf die Idee gekommen, uns vorzuschreiben, was, wie und mit wem wir spielen. Wer da war, war da. Die Regeln des Zusammenspiels bestimmten wir selbst und haben uns im wahrsten Sinne des Wortes zusammengerauft. Es gab „Chefchen“ und Außenseiter. Was gespielt wurde und wer mitspielen durfte, das wurde immer wieder neu ausgehandelt. Zwar trugen wir manche Blessuren davon, aber das wunderbare Gefühl von Freiheit kann ich noch heute spüren.

Und unsere Kita-Kinder? Die Freiheit der Wahl hat ihre Grenzen in der Welt, die wir den Kindern bieten. Ist diese Welt sehr stark begrenzt, sind es auch die Spiel- und Freiheitsräume – und das bedeutet: die Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten. Dramatischer als gegebene Begrenzungen erscheint mir aber der grundsätzliche Irrtum, selbstbestimmte und spielerisch genutzte Zeit für nicht so bedeutsam zu halten wie pädagogisch gelenkte Zeit. Denn Bildung findet immer statt und – von Pädagogen unbemerkt – mindestens so nachhaltig im freien Spiel wie im gemeinsamen und geplanten Tun.

Fragen ohne Antworten

Was macht es uns Erwachsenen so schwer, die (Frei-)Räume der Kinder auszudehnen? Was hindert uns, ihren Impulsen „Futter“ zu geben, ohne sie zu dominieren? Was befürchten wir, wenn Kinder tun, was für sie von Bedeutung ist? Warum fällt es uns so schwer, die spielerischen Lernprozesse der Kinder wahrzunehmen und nicht zu unterbrechen? Warum sehen wir nicht die Ernsthaftigkeit in ihrem Spiel? Warum erkennen wir nicht, welche Potenziale sich im Spiel entfalten?

Haben wir Angst vor der ungezügelten Lebensfreude der Kinder? Misstrauen wir dem wilden Spiel der Kräfte? Sind wir gar neidisch? Befürchten wir, die Kinder könnten das Leben für ein Wunschkonzert halten und später böse erwachen? Treibt uns die Sorge um, dass sich bestimmte Fähigkeiten – Schere oder Stift halten zum Beispiel – nicht entwickeln? Fürchten wir uns davor, mehr und mehr überflüssig zu werden? Oder können wir einfach nicht mehr nachvollziehen, was bei den Kindern passiert, weil wir aus dem Stadium heraus sind, in dem Realität und Fantasie verschmelzen? Bedeutet, erwachsen zu werden, beides zu trennen?

Und halten wir es für einen päda­gogisch wertvollen Beitrag zur Entwicklung von Kindern, die Zeit zu be­schränken, in der sie die Realität nach eigenen Ideen fantastisch verwandeln?

Viele offene Fragen und keine Antworten. Aber das macht nichts. So viel können wir uns doch immerhin vornehmen: Wir sollten locker­er werden, gelassener und aufmerksamer. Versenken wir das Freispiel samt seinem Gegenüber und fischen wir stattdessen nach mehr Freiheit und Spiel für Kinder und für uns.

Wenig Spielzeug, viel Freiheit

Erinnerungen an eine Nachkriegskindheit Hungern, hamstern, alles verwerten – das sind meine frühesten Kindheitserinnerungen. Es war die Zeit, die man später „die schlechte“ nannte. Die Stadt bestand zu großen Teilen aus Ruinen, es gab kaum was zu essen und zu heizen. Meine Mutter fuhr mit dem Rad aufs Land, um Lebensmittel zu ergattern. Mit magerem…

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Mit Fingerchen und flacher, flacher Hand

 

Nicht nur aus dem Morgenkreis kennt man Fingerspiele. Wohl fast jeder von uns weiß davon ziemlich viele. Auch manch alter Kinderreim bleibt uns unvergessen. Er nervte auswärts und daheim vorm Waschen, Schlafen, Essen. Stimmt der Inhalt immer noch? Autor Fink: „Mitnichten! Krempelt mal die Ärmel hoch und lasst uns neue dichten!“

 

 Die Geschichte vom Fachkräftemangel

 

Fünf Damen sind in die Fachschul’ gegangen,
sie wollten den Titel „Erzieherin“ erlangen.
(Die ganze Hand präsentieren)

Die erste erstarrte: „Powischen? Krass!“
Und fragte, vor Schreck plötzlich leichenblass:
„Gibt’s eigentlich Ausnahmeregeln
für Frauen mit künstlichen Nägeln?“
(Mit dem Daumen wackeln)

Die zweite schimpfte: „Dieses Bildungs-Blabla!
Das ist alles nicht mehr, wie’s früher mal war!
Verschont mich mit Dokumentieren!
Ich mach lieber was mit Tieren.“
(Mit dem Zeigefinger drohen)

Die dritte war zwar die längste,
doch leider auch die bängste.
Sie fing sofort an zu weinen:
„Die machen mich fertig, die Kleinen!“
(Alle zehn Finger vor die Augen halten)

Die vierte war gut im Verspäten
und sprach gern von „Universitäten“,
„empirisch“ und „nicht übertragbar“
und dass heut ihr letzter Tag war.
(Den Ringfinger bewegen und dann verschwinden lassen)

Die fünfte war fabelhaft,
hat niemals ein Kind angeblafft,
stets einsatzbereit und voller Kraft,
aber dann: Weg wegen Schwangerschaft.
(Alle Finger weg)

 

Himpelchen und Pimpelchen ganz oben

 

Himpelchen war ein Trägervertreter,
Pimpelchen der Untergebene.
(Einen Daumen vor dem anderen buckeln lassen)

Sie durften dort oben lange beraten,
mit all den Ministerialbürokraten.
(Daumen ganz wichtig herumwackeln lassen!)

Und nach fünfundfünfzig Wochen
sind sie in Klausur gekrochen.
(Daumen in den Fäusten versenken)

Sitzen da in guter Ruh.
Sei mal still und hör schön zu!
(Schnarchgeräusche imitieren, bis der Ruf ertönt:„Was, schon Präsentation der Zwischenergebnisse? Ist denn eine Powerpoint vorbereitet, Herr Dr. Pimpelchen?“)

Himpelchen und Pimpelchen
stiegen auf die Führungsebene.
(Mit zwei Händen das Gefällt mir-Zeichen bilden)

 

Die fünf Lehrer

 

Fünf Lehrer, die klagten im Lehrerzimmer:
„Die Kinder werden immer schlimmer!“
Der erste erkannte messerscharf:
„Zu viele Kinder mit Förderbedarf!“

„Ich bin doch…“, murrte ein zweiter
„kein Schulsozialarbeiter!“

Der dritte Lehrer beklagte,
wie sehr heut die Kita versagte.
Der vierte schwärmte, wie gerne er
anno dunnemals Lehrer gewesen wär:
„Da war man noch Autorität,
und galt was von früh bis spät.“

Der fünfte schlussfolgerte kühler:
„Besser nicht – da warn wir ja die Schüler!“
(Während des Spiels die Finger lethargisch bewegen)

 

Das Bildungshäuschen

 

In Tante Uschis neuem Bildungshaus
hängen coole Bildungsposter aus.
Doch im normalen Tagesablauf
kocht man eiskalten Kaffee auf.

 

Die fünf Muttis

 

Dort auf dem Elternabend,
da ist der Teufel los.
Da streiten sich fünf Mütter
um die Portfolios.
Der ersten fehlt’s an Fotos,
der zweiten an Niveau.
Die dritte findet, die Kinder
schau’n nicht wirklich froh.
Die vierte beklagt die Kosten
fürs Dokumentiermaterial.
Und Vanessa Schulz ihre Mutti
is der janze Quatsch piepejal.

 

Rabenschwarze Pädagogik

 

Wenn mein Kind nicht essen will,
schwinge ich die Keulen.
Zwar nur die moralischen –
trotzdem wird es heulen.

Wenn mein Kind nicht schlafen will,
lass ich’s halt mit zuen
Augen liegen und nenne das
„freiwillig ausruhen“.

Wenn mein Kind nicht machen will,
was ich ihm befehle,
sag ich, dass ihm Koop’ra-
tionsbereitschaft fehle.

Wenn mein Kind nicht warten kann,
in den Garderoben
bastle ich ein großes Schild:
„Hier woll’n wir nicht toben!“

Wenn mein Kind, ein Junge, spielt
mit der schönen Puppe,
zieh ich’s auf und lach es aus
vor der ganzen Gruppe.

Wenn mein Team mich wieder nervt,
werde ich zum Kranken.
Fehl ich, dann gibt’s richtig Stress.
Werd’n sie sich bedanken!

Wenn der Job mir nichts mehr gibt,
geh ich in den Garten.
Werd’ als Hofaufsicht auf den
Renteneintritt warten.