Wer sich nicht wehrt …

Liebe Leserin, lieber Leser, wogegen wehrst Du Dich?

„Widerstand“ ist das Leitthema dieses Heftes. Das klingt zwar knackig, aber vielleicht auch etwas pathetisch. Passt der Begriff überhaupt in eine Zeit, in der es kaum um gegensätzliche Gesellschaftsvorstellungen geht, in der immer wieder der Konsens bemüht wird, in der die meisten Parteiprogramme sich nur in Details unterscheiden und man auch in der Welt der Pädagogik eher über Feinheiten diskutiert als über das große Ganze?

„Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“, schrieb Bertolt Brecht. Ein Spruch, der auf keiner Demo fehlen darf. Macht Widerstand auch Sinn, wenn Recht grundsätzlich Recht bleibt?

Wie wehrst Du Dich? Im Kampf gegen erbitterte Gegner scheint manches Mittel recht. Wenn es dagegen um die Frage geht, wie wir leben und arbeiten wollen, wirken die üblichen Protestformen vergangener Tage bisweilen eher peinlich. Hungerstreik für bessere Vorbereitungszeiten?

In diesem Heft fragen wir deshalb, welche Protestformen wogegen angemessen und trotzdem erfolgreich sind. Wo kann man für eine gerechtere, bessere Welt streiten? Nur auf der Straße? Und: Welche Mittel bieten sich an?

Wehrt man sich eigentlich auch gegen Dich? Beim Thema „Widerstand“ kennen wir pädagogisch Tätige beide Seiten der Medaille. Auch gegen uns kann sich Widerstand regen – von Kindern, Jugendlichen, Eltern… Ist er berechtigt? Sollte es unser Ziel sein, so einvernehmlich mit unseren Klienten umzugehen, dass Widerstand nicht zweck-, sondern sinnlos ist? Ist es gar unsere besondere Aufgabe, Widerstand ab und an gezielt zu provozieren – oder zumindest seinen verbalen Bruder, den Widerspruch?

Fragen über Fragen, auf die wir im Heft Antworten suchen. Wir hoffen, damit bei Dir für Anregung zu sorgen – und für fruchtbaren Widerspruch.

Deine wamikis

 

Und hier geht es zum Heft #4/2017 unserer pädagogischen Fachzeitschrift

Die Ästhetik des Widerstands

Teuer muss nicht sein, aber kreativ! Michael Fink inspiziert Ausgesondertes, um nach Dingen zu suchen, die kaum etwas kosten. Weiter lesen…

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Protest – Das PENG Kollektiv

Klassiker und Popstars   Wenn Protest aufkommt ist Vertrauen verloren gegangen. Proteste sind Akte öffentlicher Kommunikation durch Ungehorsam. Ob der Ungehorsam zivil bleibt, ist eine Frage der konkreten Verhältnisse und Erfahrungen. Protestierende geben ein sichtbares Zeichen ihres gewachsenen Selbstvertrauens und Mutes: Wir sind auch noch da. Und wir wollen etwas. Wenn es konkret wird, kennt…

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Aufstand im Schlaraffenland

Kleiner Rebellions-Crashkurs Wenn alle Gerechtigkeit in die Binsen geht, dann hilft nur noch die Rebellion. Gegen den Aufstand des Magens helfen Tabletten, gegen zu wenig Taschengeld das ständige Aufdrehen der Stereoanlage, gegen Despoten Straßenschlachten und Barrikaden. Eine Rebellion ist der Aufstand gegen das Unrecht. Sie beginnt dort, wo sich die Autorität aushebeln lässt. Plötzlich, mit…

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Ist Dabei-Sein manchmal schon zu viel?

Widerständige Partizipation von Kita-Kindern Eine kritische Bestandsaufnahme zum Trend-Thema „Partizipation in Kitas“, mit der der Autor Fach- und Leitungskräfte einladen möchte, den Horizont hinsichtlich alternativer Formen kindlicher Partizipation zu erweitern. Weiter lesen…

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Vom Umgang mit einem inneren Widerstand

Es ist immer ein Widerstand zu überwinden, wenn wir uns weiterentwickeln wollen. Manchmal fällt uns das leicht. Wir sind dann intrinsisch motiviert, haben vielleicht tolle Leute um uns, oder die Sterne stehen einfach günstig. Andere Lerngelegenheiten sind für uns schwer als solche wahrzunehmen. Davon handelt die folgende Lerngeschichte. Weiter lesen…

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Willensfreiheit und gedankliches Mitläufertum —

Nachdenken über Widerstand Wir fahren auf die Wartburg, mit dem zehnjährigen Wido und seinem 13-jährigen Cousin Frieder. Als wir zum letzten Mal da waren, stand die Mauer noch. Nun begeben wir uns im Reformationsjahr auf Luthers Spuren und reden schon im Auto über den Reformator. Und über Widerstand. Weiter lesen…

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Gisela Steineckert: Mach doch

Gisela Steineckert

 

Mach doch

 

Lach nur, mein Leben

schüttle dein Haupt

an Aufgeben hab ich

bisher nie geglaubt

 

Lach nur, mein Leben

rück alles heraus

lösch mir die Kerzen

noch lange nicht aus

 

schlag mir die Trommeln

kein taubes Gestein

aber schlag endlich drein

 

Mach doch, mein Leben

noch einmal von vorn

das Herz braucht den Anfang

und sei es aus Zorn

 

 

Gracias a la wider

Ein Kraftmeier liegt vor uns auf dem Seziertisch der Wortklauberei:

Das Wort „Widerstand“ zieht quasi ein bis drei ungeschriebene
Ausrufezeichen hinter sich her. Wir wollen schauen, was dahintersteckt.
Um es gleich zu sagen: Der harmlose „Stand“ ist es wohl nicht,
der dem Wort Power gibt. Aber was um Himmels Willen ist „wider“?

Erste Überraschung: Widers engster Verwandter, beim Zuhören jederzeit mit ihm zu verwechseln, ist ein scheinbares Widerwort, nämlich das nette und gemütliche „wieder“, das Beständigkeit signalisiert („Komm wieder!“) oder allenfalls mal Langeweile („Schon wieder Kohlrabi, örks!“). Trotzdem waren die beiden mal eins, nämlich zu Zeiten, in denen man darunter „(zu-)rück“ verstand: Gehen wir beide voneinander weg und drehen uns dann um, gehen wir wider uns – uns also entgegen und kommen damit wieder zurück.

Verblüffend: „wider“ und „wieder“ haben sogar einen gemeinsamen englischen Verwandten, der ebenfalls eine völlig widersinnige Bedeutung bekam: Auch „with“ war einmal „wider“. Wer war zuerst „wider“? Solche, die aus der Reihe tanzten, nämlich die Widerborstigen und Widerspenstigen.

Früher war viel mehr „wider“. Grimms „Deutsches Wörterbuch“ listet über 100 Wörter mit „wider“ auf, und manch eins der Widerworte hätte nicht verdient, schmählich vergessen zu werden. Zum Beispiel die „Widerbäffsamkeit“, über die sich Herren im Mittelalter (1500) gern aufregten: „Die weiber klagend allweg, si scheltend unnd widerbeffent on underlasz!“ Statt in des Meeres Widerwellen – jede Welle hat eine davon! – versanken diese Herren tief im Widerdriesz, einem Verwandten der Verdrießlich- und Überdrüssigkeit. Oder in beklagenswerter Widernis, da ihnen die Weiber alle zuwider waren. Wieso wetzte keiner von ihnen widerträchtig seine – zwischen den Eckzähnen sitzenden – Widerzähne, wenn er vor lauter Widerung widerzahm – das Gegenteil von zahm – geworden war? Warum antworteten sie ihren Widersacherinnen nicht wie mit Widerschmach, versetzten ihnen nicht den entscheidenden Widerschnall oder forderten sie widerspöttisch auf, ihnen die Widerseite zu lecken? Warum wünschten die Herren sie nicht in die Hölle, damit sie dem „Widerchrist“ anheimfallen? Der übrigens einen Widersacher hatte, dem einstmals sogar das seltene Kunststück des Widertodes gelang: „Widertodt, der uns nach uns belebt und machet frisch und rot, wenn wir vorlängst erblaszt.“

Ja, „wider“ war schon immer ein Scharfmacher. Zwar bedeuteten heutige Premium-Beschimpfungen wie „widerlich“ oder „anwidern“ ursprünglich nur, dass etwas gegen einen ist. In den „widrigen Umständen“ klingt das noch an. Aber dann kam der Ekel dazu: Wer wider mich ist, ist widerlich!

Und so verführte das Wörtchen „wider“, in klare Freund-Feind-Schemen zu verfallen. Der sanfte Jesus, offenbar schwer genervt von den Pharisäern, schleudert ihnen entgegen: „Wer nicht mit mir ist, ist wider mich.“ Das greifen Imperatoren und Kriegstreiber aller Couleur auch heute noch gern auf, um ein für alle Mal klarzustellen: Entweder bist du mein Fan oder mein Feind. Aber mich ignorieren? Widerlich!

Ach je! Wie widerwärtig werden unsere Widerworte erst, wenn ihnen passende Adjektive angeheftet werden. Widerstand beispielsweise wird schon lange erbittert geleistet. Den Widerspruch gegen die Neuvergabe unserer PIN-Nummer oder die Umlackierung des Hausbriefkastens legen wir schärfstens oder mindestens entschieden ein. Und wenn zwei oder drei Leute dagegen sind, schreibt der Journalist ungeachtet düsterer Vergangenheit vom Widerstandsnest oder vom zu erstickenden Keim des Widerstands. Pfui!

Auch wenn es sich widerspenstig wehren mag: Insgesamt scheint das renitente „wider“ doch an Kraft einzubüßen. Vielleicht, weil sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es nicht immer um das scharfe Gegeneinander, sondern um konstruktiven Ausgleich von Interessen geht? Dass also zwischen „für und wider“ hin und wieder auch ein „eher so“ und „ein Stückweit“ Platz finden?

Wahrscheinlicher ist, dass „wider“ irgendwann an seiner Banalisierung zugrunde geht. Denn was erscheint bei der Google-Bildersuche in Hülle und Fülle, gibt man das widerborstige Wort „widerstehen“ ein? Richtig: Frau und Kekse, Frau im Schuhgeschäft, Mann und Schnaps, Katze mit Kulleraugen. Und der Satz: „Wer kann da schon widerstehen?“