Ich bin kein Mann vieler Worte – außer wenn es um Mord und Totschlag geht. Sonst halte ich mich eher raus. Doch nun haben die wamikis mich nach meinem Kaufverhalten gefragt. Na gut, wenn´s unbedingt sein soll… Weiter lesen
Ich bin kein Mann vieler Worte – außer wenn es um Mord und Totschlag geht. Sonst halte ich mich eher raus. Doch nun haben die wamikis mich nach meinem Kaufverhalten gefragt. Na gut, wenn´s unbedingt sein soll… Weiter lesen

Welche Wahrheit glauben Sie eher – Ihre oder die der anderen?
Wie viel Prozent Lüge darf Ihre Wahrheit enthalten, damit sie noch als Wahrheit gelten kann?
Wie oft waren Sie mit der Wahrheit und wie oft mit einer Lüge erfolgreich?
Wie passt das zusammen – Bildung und Wahrheit?
Gibt es einen Vorteil, Lernenden die Wahrheit zu sagen?
Wir lügen rund 200mal am Tag. Deckt sich das mit Ihrer Erfahrung? Ehrlich?
Wäre die Anschaffung eines Lügendetektors in Ihrem Team sinnvoll?
Gibt es eine pädagogische Wahrheit?
Welche Bedeutung hat die Wahrheit in Elterngesprächen?
Gibt es eine Lüge, die Ihr Leben grundlegend verändert hat?
Hätten Sie Ihre Stelle bekommen, wenn Sie im Bewerbungsgespräch konsequent bei der Wahrheit geblieben wären?
Verschweigen Sie Ihren Kolleginnen, dass Sie lügen?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Mehrheit und Wahrheit?
Haben wir zwei Gehirnhälften, um Wahrheit und Lüge auseinanderzuhalten?
Wie oft sind Sie taub gegenüber den Wahrheiten Ihrer Kolleginnen?
Wie ehrlich darf ein Pädagoge wirklich sein?
Wie viele Lügen am Tag vertragt Ihre Selbstachtung?
Was ist witziger – Wahrheit oder Lüge?
Glauben Sie an eine globale Wahrheit?
Wie oft müssen Sie eine Lüge wiederholen, bis sie zur Wahrheit wird?
Foto: Fiebke, photocase.de
Was es nicht alles gibt! Man glaubt es kaum!
Episoden aus dem Kinderleben in Krippe, Kita und Grundschule, erzählt von Praktikantinnen, Erzieherinnen, Leiterinnen, Fortbildnerinnen und Eltern. Erika Berthold hörte zu und schrieb die Geschichten auf.

Während einer Fortbildung zum Thema „Kommunikation und Sprache“ ging es darum, sich so oft wie möglich mit den Kindern auszutauschen. Da sagte eine Erzieherin, sie könne ja nicht mal mit ihrem Mann so viel reden. Immer, wenn sie ihm erzählen wolle, was am Tag passiert war, sagt er: „Wat laberst du denn, dit war doch schon jewesen…“
Foto: ohybris, photocase.de
Teuer muss nicht sein, aber kreativ! Michael Fink inspiziert Ausgesondertes, um nach Dingen zu suchen, die kaum etwas kosten. „Diese verdammte Lügenpresse taugt nur noch zum Arsch-Abwischen“, schnaubt immer mal wer im Internet. Das wirft Fragen auf. Ist es fair, Zeitungspapier herabzuwürdigen, weil man die darauf gedruckte Meinung nicht teilt? Denn hätte man nicht das…
Wir sind nicht allein. Mit und neben uns gibt es zahlreiche andere Lebewesen. Manche sind ständig bei uns, manche tauchen nur als Besucher auf. Aber sie sind da – oder könnten schon bald wieder kommen, nach Hause, in die Kita oder in die Grundschule. Weiter lesen…
Bilderbuch
Der Wolf gibt sich große Mühe, sich als Ziegenmutter zu verkleiden, und ist so überzeugt, die Geißlein werden ihm keinen Widerstand entgegensetzen, dass er nicht mal Kreide frisst. Er stößt die Tür auf, brüllt los, stürzt aber über Bälle, Schirme und alles, was zu dem Chaos im Hause der sieben Geißlein gehört. Ein schönes Suchbild: Wo stecken die Geißlein? Auf der Lampe, unterm Grün der Zimmerlinde…
Der Wolf beschließt, erst mal das Zimmer aufzuräumen, damit die Tierchen keine Verstecke mehr haben. Außerdem gehen ihm Unordnung und Dreck auf die Nerven. Inzwischen verziehen sich die Geißlein in die noch chaotischere Küche. Wieder ein Suchbild!
Als das Erdgeschoss aufgeräumt ist, geht es im ersten Stock und unterm Dach weiter. Der Wolf putzt und räumt, um freien Blick auf seine Beute zu bekommen. Endlich hat er alle Geißlein vor sich. Unbeeindruckt hören sie zu, wie er über den Saustall schimpft. Da öffnet sich die Haustür, und Mutter Ziege, begleitet von ihren Nachbarn, den Schweinen, tritt herein, überragt den Wolf bei weitem und borgt ihn den Schweinen. Als Putzhilfe.
Sebastian Meschenmosers buntes Geißlein-Gewusel sprudelt von originellen Ideen und Lebensfreude nur so über. Ein Riesenspaß voller Hintersinn.
wamiki-Tipp: Meschenmoser, Sebastian: Die verflixten sieben Geißlein. Thienemann Verlag 2017,
28 Seiten, 12,99 Euro, ab 5 Jahren
Bilderbuch und Sachbuch
An Tagen, an denen der Vater Omas Haselnussparfüm benutzt, mag der Junge ihn lieber, denn das Minzparfüm erinnert ihn an den Geruch im Schulklo. Aber Papa lacht und sagt, wenn er das Haselnussparfüm nehme, würden sich die Eichhörnchen auf ihn stürzen. Lacht der Vater so, wird dem Jungen warm im Bauch.
Das Gesicht mit dem strahlenden Lachen füllt die ganze Seite des großformatigen Buches, in dem es nur wenige Farben gibt: Pappbraun, graue Schattierungen, schwarze Kohlestriche und Weiß. Ganz anders wirkt der Vater auf der nächsten Seite: Der Junge erinnert sich, wie es war, als er Papa die Zigaretten wegnahm, damit der nicht mehr raucht. Zwei Porträts, zwei Seiten einer Medaille.Auf dem Schulhof ist der Junge oft allein. Er weiß nicht, ob und wie er sagen soll, wo sein Vater ist: im Gefängnis. Nur eine Stunde haben der Junge und seine Mutter mit ihm, wenn sie ihn besuchen. Schließlich nennt der Junge ihn Wolkenbildhauer, Maulwurfsbändiger und Nebelfabrikant, denn er ist verantwortlich für den Nebel der Enttäuschung in Mamas Augen. Dafür hasst der Junge ihn. Aber er weiß: Das ist sein einziger Papa.
Jedes der meisterhaft gezeichneten Bilder fängt ein Stück der Geschichte dieser kleinen Familie ein: der Vater im Gefängnis, die Enttäuschung der Mutter, Liebe und Zorn des Jungen, der keine Ahnung hat, was er den anderen Kindern sagen soll. Indem ZAÜ den Vater lebendig und voller Gefühle zeichnet, vermittelt er seine Wahrheit dieser Geschichte: Ein Mann, der seinen Sohn liebt, und ein Junge, der ihn trotz allem vermisst.
wamiki-Tipp: Bourdier, Emmanuel/ZAÜ: Haselnusstage. Aus dem Französischen von Maren Illinger. minedition 2017, 14,95 Euro, ab 5 Jahren
Kinderbuch
Die Autorin und Illustratorin Jutta Bauer hat Schülerfragen zum Thema „Armut“ gesammelt, die betroffene Erwachsene und Jugendliche beantworten. Schwerer war es, Reiche zum Reden zu bringen, denn die „sprechen nicht gern über Geld“, erläutert sie im Vorwort. Doch ein paar Reiche haben es getan.
Das Buch entstand in Hamburg, und die Armen, mit denen Jutta Bauer sprach, traf sie bei Organisationen, die arbeits- oder obdachlosen Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen helfen, zum Beispiel „Café mit Herz“, „Hinz & Kunz“ oder „KIDs“. Aber vieles, was sie in Hamburg fand, gibt es so oder ähnlich auch in anderen großen Städten.
Fakten ergänzen die Geschichten und Antworten: Wie viel Prozent Kinder gelten in der BRD 2015 als arm? 19,07 Prozent! Und der Prozentsatz steigt…
Die Fragen der Schüler beziehen sich jedoch nicht nur auf Daten und Fakten, sondern auch auf die Gefühle der Betroffenen, auf ihre Erwartungen, Freuden und alltäglichen Probleme: „Wo gehen Sie duschen?“
wamiki-Tipp: Bauer, Jutta/Haines, Katharina: Armut – Schüler fragen nach. Carlsen 2017, 160 Seiten, 14,99 Euro, ab 8 Jahren
Bilderbuch
Auf dem Buch ist ein gelber Würfel zu sehen. „Das ist ein Ball“, steht daneben. „Das ist ein Fahrrad“ steht links auf einer Seite, und rechts sehen wir ein Auto. Als hätten wir Einspruch erhoben, lesen wir: „Guck dir die Räder an. Das ist auf jeden Fall ein Fahrrad.“ Niemals ist der Widerspruch eine Richtigstellung, sondern von Seite zu Seite werden die Behauptungen absurder.
Für dieses Buch braucht man Humor und die Fähigkeit, zu benennen, was man tatsächlich auf den Bildern sieht. Kind und Vorleser können es witzig finden, dass eine Prinzessin als Monster bezeichnet wird, ein Monster als Prinzessin und dass am Ende des Buches steht: „Das ist nicht das Ende von diesem Buch!“
Manche Menschen haben keine Freude an solchem Quatsch. Das kann man nur akzeptieren und still vor sich hin kichern.
wamiki-Tipp: Stanton/Beck/Matt: Das ist ein Ball. Aus dem Englischen von Petra Buck. Klett Kinderbuch 2017, 40 Seiten, 9,95 Euro, ab 4 Jahren
Videospiel

Im 7. Jahrhundert: Die junge Senua vom Volk der Pikten hört Stimmen, wo keine sind, und sieht Dinge, die kein anderer sieht. Ihr Vater ist abergläubisch und isoliert sie von der Dorfgemeinschaft. So wächst Senua im Glauben auf, sie trage den „Fluch der Dunkelheit“ in sich, was ihre Psychosen verschlimmert. Später lernt sie einen jungen Krieger kennen und lieben, der sie so akzeptiert, wie sie ist. Als er von Wikingern getötet wird, driftet Senuas Verstand in die selbstkonstruierte „Dunkelheit“ ab, aus der sie nur entkommen kann, wenn sie die Seele ihres Geliebten aus der Unterwelt rettet.
Die Entwickler des Spiels arbeiteten mit Psychologen und Patienten zusammen, um Senuas Wahnvorstellungen möglichst realistisch darzustellen. Das Resultat ist ein außergewöhnliches Spiel.
wamiki-Tipp: „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ für PC und PlayStation 4 erhielt noch keine USK-Kennzeichnung.
Videospiel

Die 20jährige Mae hat das College geschmissen und zieht zurück in ihre Heimatstadt Possum Springs. Dort lebt sie bei ihren Eltern. Seit der Schließung der örtlichen Kohleminen stiegen die Arbeitslosenzahlen drastisch, und auch Maes Vater hangelt sich von einem Job zum nächsten, um das Haus nicht verkaufen zu müssen. Währenddessen hängt die arbeitslose Mae mit ihren Freunden ab, spielt in einer Band und geht Nachbarn mit ihrer frechen Art auf die Nerven.
Das Gameplay beschränkt sich auf den Weg durch die liebevoll gezeichnete 2D-Welt und die Interaktionen mit den Bewohnern von Possum Springs. Klingt nicht gerade abwechslungsreich, doch die Dialoge sind so gut und glaubwürdig geschrieben, dass „Night in the Woods“ zu den Geheimtipps des Jahres zählt.
wamiki-Tipp: „Night in the Woods“ für PC und PlayStation 4 erhielt noch keine USK-Kennzeichnung.
Videospiel

Kann eine Familie wirklich verflucht sein? Ist die 17jährige Edith deshalb die einzige noch lebende Finch? Um das herauszufinden, kehrt sie nach langer Abwesenheit in das verlassene Haus ihrer Familie in Washington zurück. Dort folgt sie den Spuren ihrer verstorbenen Verwandten – Brüder, Onkel, Tanten und Großeltern –, deren Todestage der Spieler aus der Ich-Perspektive nacherlebt. Ihre Erkenntnisse schreibt Edith in ihr Tagebuch, denn sie ist schwanger und möchte, dass ihr Kind später erfährt, was aus der Familie wurde.
„What Remains of Edith Finch“ ist mit zwei bis drei Stunden Spielzeit nicht lang, aber jede Minute dieses erzählerischen Meisterwerks ist kostbar. Da es weder hektische Szenen noch Kämpfe gibt, eignet sich das Spiel auch für Menschen, die nur selten Videospiele ausprobieren.
wamiki-Tipp: „What Remains of Edith Finch“ für PC, PlayStation 4 und Xbox One hat die USK-Kennzeichnung „ab 12 Jahren“.
Wir denken immer, dass wir wissen, wie ein Kind ist. Wir machen uns ein Bild von ihm – in unserer Kita sogar im Team –, und so ist das Kind dann.

Als Thomas, der eine berufsbegleitende Ausbildung bei uns absolvierte und von seiner Schule den Auftrag bekam, eine Lerngeschichte für ein Kind zu schreiben, also genau hinzuschauen, was das Kind macht, was es sagt und wie es wirkt, suchte er sich die zweijährige Noemi aus und beobachtete etwas, das unserem Bild von dem Mädchen überhaupt nicht entsprach.
Wir fanden: Noemi kann zwar sehr gut sprechen und singen, hält die Melodien und merkt sich sogar lange Liedtexte, zum Beispiel „Die Gedanken sind frei“ – mit zwei Jahren! Aber sie hat keine eigenen Spielideen. Es fällt ihr nicht ein, was sie machten könnte. Brachte ihr Vater sie früh, setzte er sie irgendwo hin und empfahl ihr alles Mögliche. Sie tat aber nichts, sondern wartete immer auf Luzie. Kam Luzie, lief Noemi ihr hinterher, schloss sich ihr an, und die beiden hatten Spaß miteinander. Unser Eindruck war: Allein kommt Noemi auf nichts.
In der Lerngeschichte, die Thomas aufgeschrieben hatte, war von Luzie überhaupt keine Rede! Es kam nur Noemi vor, die im Garten ausprobierte, wie man mit dem Roller fährt – ganz selbstbewusst und natürlich singend. Bei ihren Fahrversuchen kam sie auf viele verschiedene Ideen.
Wir freuten uns, als wir lasen, was Thomas geschrieben hatte.
Besser: Wir waren froh zu merken, dass wir uns mitunter irren.
Für uns war das eine neue Wahrheit über dieses Kind.
Foto: Polarocket, photocase.de
In dieser Rubrik klären Michael Fink und Lars Ihlenfeld Rechts-Fragen aus der Welt der Pädagogik. „Schreib: Die Ernährungsgewohnheiten Ihres individuellen Kindes werden bei uns jederzeit großgeschrieben…“ Karola schüttelt den Kopf. Klingt irgendwie doof. Und was sind überhaupt „individuelle Kinder“? Cosima verschlimmbessert: „Die Wertschätzung der Bedeutung der Gewohnheiten der Ernährung jedes Kindes hat…“ Karola stöhnt. Indessen…